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Full text: Heimatkunde der Provinz Brandenburg und der Stadt Berlin / Thurn, Bernhard (Public Domain)

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Alexander von Rußland und des Königs Friedrich Wilhelm I11. 
feierlich dex Grundstein zu dem Denkmal gelegt. Später wurde 
das Denkmal auf einen erhöhten Standpunkt gestellt. Seit dem 
10. Juni 1879 sind die Schranken entfernt worden, welche seit 
Jahr und Tag den Zugang zu dem Denkmal verwehrten. Wie ein 
alter, ehrwürdiger Zeuge, der von vergangenen Tagen redet, tritt 
das Denkmal vor den Beschauer hin. (Siehe Heimatkunde von 
Berlin.) Täglich wird es von Hunderten aufgesucht, die das hohe 
Standbild einer glorreichen Zeit betrachten und sich zugleich an 
der weiten Rundschau, die sich von hier aus dem Auge darbietet, 
erfreuen. Im Jahre 1890 wurde nun in der Umgebung des 
Denkmals. der wohlgepflegte , mit mannigfaltigen Bäumen und 
Sträuchern bepflanzte Victoria-Park angelegt. In der Richtung 
nac< der Groß-Beeren-Straße geschieht die Anlage eines Wasser- 
falles, welcher, umgeben von künstlich dargestellten Fel8gruppen, den 
erfrischenden Anbli> des Parkes noc< mehr beleben foll. Vor 
einigen Jahren war dieser Abhang noch eine Sandwüste. Wahrhaft 
erhebend ist der Anbli> von den -Stufen des Denkmals aus über 
die in dem Spreethale sich ausbreitende Millionenstadt. Man 
sieht die das Häusermeer der Stadt überragende Kuppel des 
Königlichen Sc<losses, den Rathausturm und die Türme sämtlicher 
GotteShäuser Berlins hervorragen. Die rauchenden Fabrikschorn- 
steine deuten auf ein reges gewerbliches Leben, dumpf hört mon 
das Rollen der Lastwagen und Fuhrwerke. Ferner sieht man in 
den nächstgelegenen Straßen das Wogen und Treiben der Menschen, 
während in den Gebüschen des Parkes zur Frühlings8zeit melodisch 
die Drosseln schlagen. Im Hintergrunde durchschneiden die Schienen- 
wege der Anhaltischen, der Berlin-Pot8dam-Magdeburger und der 
Stadt= und Ringbahn brausend das Höhenland des Teltow. 
Lehtere durchs<hneidet den Mittelpunkt der Stadt und bildet den 
Nord- und Südring. 
Wie stellt ihr euch nun die Ausdehung einer solchen großen 
Stadt vor, ihr lieben Kinder, die ihr in einem kleinen märkischen 
Dorfe wohnt? Wenn ihr einen Hügel in der Nähe eures Dörfchen8 
besteigen könnt, in dessen Umgebung sich ein Wald ausbreitet, 
der eine Meile lang und eine Meile breit ist, dann habt ihr, 
wenn ihr diesen Wald überschaut, einen Begriff von der Größe und 
Ausdehnung der Haupt- und Residenzstadt Berlin. Manche Häuser, 
die vier oder fünf Sto>werke haben, fassen mit ihren Seitenflügeln 
und Quergebäuden allein so viel Bewohner, als in eurem ganzen 
Dörfchen wohnen. Auf den Straßen laufen täglich eine große 
Anzahl von Menschen hin und her, so daß einer dem andern in 
den belebtesten Teilen nur mit Mühe ausweichen kann, Denkt an 
ein Volksfest in eurem Dörfchen! -- 
Ni
	        
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