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Zweiter Abschnitt. Grenzbesetzung gegen Polen 1863

Full text: Geschichte des Königin Elisabeth Garde-Grenadier-Regiments Nr. 3 / Altrock, Constantin von (Public Domain)

v. Witzleben und Generallieutenant Peucker. Dagegen wurde angeführt, das 
Gewehr sei „zu subtil“, was nicht ganz bestritten werden kann. Die Zündnadeln 
verbogen sich häufig. Es ist erstaunlich, daß die Waffe sich als kriegsbrauchbar 
erwies. Ferner warnte man vor der Gefahr des Verschießens: der Munitions- 
ersatz sei gefährdet; der Feind könne unsere Munitionsfabriken nehmen. Das 
Schießen im Liegen sei sehr gefährlich, da der liegende Schütze in ganzer Länge 
beschießbar wäre. — Die Fortschritte der gezogenen Vorderlader in Frankreich 
stellten ferner die Einführung des Zündnadelgewehrs sehr in Frage. Noch 1842 
fand ein Vergleichsschießen statt. Generallieutenant Peucker entschied sich für das 
Zündnadelgewehr. Andere Stimmen empfahlen dagegen das Minié-Gewehr, 
das sich im Krimkriege bewährt zu haben schien. Ein großer Theil der Generalität 
war gegen das Zündnadelgewehr. Man hielt sich an einen Ausspruch des Zaren 
Nikolaus J., der nach einem Probeschießen auf den Schießständen in der Hasen— 
heide bei Berlin von dem ihm soeben vorgeführten Zündnadelgewehr gesagt hatte: 
„Das ist eine militärische Spielerei, aber keine Waffe!“ — Angesichts 
dieser verschiedenen Anschauungen und Bestrebungen bedurfte es der ganzen Willens— 
kraft und Beharrlichkeit des Prinzen von Preußen, um schließlich das Zünd— 
nadelgewehr zur allgemeinen Einführung zu bringen. Die Erfolge von drei Feld— 
zügen haben später gezeigt, daß die Erfindung des Zündnadelgewehrs ein großes 
Glück für die preußische Armee war, daß letztere sich aber auch dieses Geschenkes 
würdig erwiesen hat durch treue und sorgfältige Arbeit im Gebrauch und der Aus— 
nutzung dieser Waffe. 
Die ersten Zündnadelgewehre waren 1848 ausgegeben worden, aber erst 
1858 rüstete man die gesammte preußische Infanterie mit dieser Waffe aus. 
Während der Mobilmachung von 1859 war indessen diese Bewaffnung noch nicht 
überall durchgeführt, vor Allem hatte man noch nicht die gesammte erforderliche 
Kriegschargirung*) fertigstellen können. Zunächst gab es keine Schießvorschrift 
und keine Anweisungen für die Behandlung und den taktischen Gebrauch des Ge— 
wehrs. Erst 1853 (A. K. O. vom 15. November) wurden die „Grundsätze für 
das Gefecht der mit dem Zündnadelgewehr ausgerüsteten Bataillone“ aufgestellt. 
Eine A. K. O. vom 5. Oktober 1854 übertrug obige Vorschrift auf die gesammte 
Infanterie und eine weitere vom 1. November 1855 brachte diesbezügliche nähere 
Ausführungen durch Genehmigung einer vom Prinzen von Preußen selbft ent— 
worfenen Vorschrift. In dieser wurde u. A. behufs besserer Feuerleitung zum ersten 
Male die Eintheilung in Gruppen befohlen. 
Die Erfahrungen des Krimkrieges, besonders aber diejenigen des Feldzuges 
von 1859, hatten deutlich auf die Ueberlegenheit gut geführter, mit Präcisions— 
zewehren bewaffneter Schützenschwärme hingewiesen. Der Schwarm hatte sich 
gegen die geschlossenen Massen überlegen gezeigt: durch die größere Selbstthätigkeit, 
die bessere Ausnutzung des Gewehres und die geschicktere Benutzung des Geländes 
*) Erst eine kriegsministerielle Verordnung vom 18. März 1860 machte bekannt, daß 
die für die Kriegschargirung erforderliche Zündnadelmunition fertiggestellt und deshalb die Aus— 
bildung der Landwehrmannschaften mit dem gezogenen Infanteriegewehr M/,39 aufzugeben sei.
	        
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