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Siebenter Abschnitt. Friedenszeit von 1871 bis 1896

Full text: Geschichte des Königin Elisabeth Garde-Grenadier-Regiments Nr. 3 / Altrock, Constantin von (Public Domain)

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Hand der Führung bliebe und der Pulverdampf sich verziehen könne. Das Schützen⸗ 
feuer wurde auf 2 bis 3 Patronen beschränkt, um ein Verschießen zu verhüten, das 
Schnellfeuer aber nur selten angewandt. Der Feind sollte bis zur Vernichtung 
beschossen werden, was zum Zusammenhalten des Feuers auf ein Ziel auffordere. Die 
Sektionssalve mit aufgepflanztem Seitengewehr (Vorschrift 1875) wurde abgeschafft. 
In der Litteratur wurde Boguslawski, der das Fernfeuer als eine 
Schwächung des Angriffsmoments verwarf, von allen Seiten bekämpft. 
Die Schießvorschrift vom 11. September 1884*8) fordert Erziehung 
des einzelnen Mannes zur selbständigen Verwendung seines Gewehrs, — ohne aber 
die Mittel hierzu anzugeben, — und eifriges Entfernungsschätzen. 600 m sei 
iußerste Grenze des Einzelfeuers. Für das Abtheilungsfeuer sollen von 400 bis 
300 m zwei nur 530 mm auseinanderliegende, auf 600 bis 800 m zwei 100 m und 
über 800 m drei 100 m auseinanderliegende Visire gebraucht werden. Das Schützen⸗ 
feuer — in „langsames“ und „lebhaftes“ gegliedert — wird mehr betont, aber 
Feuerpausen gefordert und hierzu die Pfeife eingeführt. Salve namentlich gegen 
Kavallerie empfohlen! Das Fernfeuer darf aber, im schroffen Gegensatz zu den 
heutigen Anschauungen, nur der Bataillonskommandeur oder höhere Führer be— 
ehlen. Schnellfeuer immer noch „nur in besonderen Fällen mit Einschränkung“ 
Die Einführung des Magazingewehrs M, 71,84**) brachte eine erhöhte 
Feuerbereitschaft in entscheidenden Augenblicken auf nahen Entfernungen und somit 
auch am 28. Februar 1887 eine neue Schießvorschrift. Das Magazin— 
feuer soll über 400 m nicht gebraucht werden. Salvenfeuer wird beschränkt, 
Schützenfeuer als Regel bezeichnet. Für das Einzelfeuer und das Abtheilungsfener 
bis 400 m ist ein schwieriger „Haltezettel“ maßgebend. Der Führer bestimmt im 
Abtheilungsschießen: Richtung, Ziel, Visir und Feuerart. Visiranwendung wird ver— 
einfacht: Bis 600 m ein, über 600 m zwei Visire (bei günstiger Beobachtung auch 
über 600 m ein Visir). Ungeleitetes Feuer wird Gegenstand der Ausbildung. 
Das Gewehr A/883**2*) erforderte mit seinen bedeutend erhöhten Schieß⸗ 
leistungen eine neue Schießvorschrift (vom 21. November 1889). Bis 500 m 
ist der aufrecht schreitende Gegner im befstrichenen Raume. Die Feuergrenzen für 
das Einzelfeuer sind bis 600 m hinausgeschoben; die Haltetabelle fällt fort. Der 
Mann soll treffen, — die Wahl des Bisirs und Haltepunktes sind ihm überlassen. 
Im Abtheilungsschießen bis 800 m ein, darüber hinaus zwei Visire, und falls 
Beobachtung zutreffend, auch hier nur ein Visir. Haltevorschrift — grundfätzlich 
„Ziel aufsitzen“, wenn nicht ein zweckmäßigerer Haltepunkt erkannt wird. Im 
Schulschießen wird Fleckschießen bei beliebigem Haltepunkt gefordert aber die 
Strichscheibe noch beibehalten (verschwindet erst nach 1803). Die Schießvorschrift 
zeht Hand in Hand mit dem Exerzir-Reglement. Die Salve ist immer mehr 
zurückgetreten. Das Schützenfeuer spielt die Hauptrolle und kann bis zum Schnell⸗ 
feuer gesteigert werden, das aber meist auf nahe Entfernungen zu beschränken ist. 
Die Feuerleitung liegt in der Hand des Zugführers, selbst der Kompaanieführer 
Vergl. Seite 434. 
xx) Vergl. Seite 435. 
*x*y Veral. Seite 444. 
*
	        
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