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Siebenter Abschnitt. Friedenszeit von 1871 bis 1896

Full text: Geschichte des Königin Elisabeth Garde-Grenadier-Regiments Nr. 3 / Altrock, Constantin von (Public Domain)

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1886. 
—1887. 
Das große Ereigniß des Dienstjahres 1886 war der Entwurf einer neuen 
Felddienstordnung, die am 22. Februar 1887 endgültig eingeführt wurde und 
hereits die Uebungen dieses Jahres in erfreulicher Weise beeinflußte. Wie beim 
Reglement beschränkte ein besonderes Verbot die Erlassung von Sonderbestimmungen. 
Das Regiment feierte am 3. Januar 1886 das 25jährige Regierungs⸗ 
Jubiläum König Wilhelms J. Trotz seiner 89 Jahre führte der geliebte Monarch, 
umstrahlt von den höchsten Herrschertugenden und beispiellosen kriegerischen Erfolgen, 
in voller Frische die Regierung. Er hatte „keine Zeit, müde zu sein“. Der Tag 
wurde mit Festgottesdienst und großem militärischen Gepränge begangen. Des 
Abends erfüllte Lichterglanz die Straßen. 
Die Fürsorge des Königs für sein Heer äußerte sich in einem neuen 
Pensionsgesetz vom 21. April 1886, demzufolge sich die Pension der Offiziere 
mit dem 11. Dienstjahr um 6o des pensionsfähigen Diensteinkommens für jedes 
Dienstjahr, anstatt wie früher um !/s0, erhöhte. Die Pension betrug nun nach 
10 Jahren nicht mehr wie bisher /50 sondern 18/50 des Einkommens. 
Die Manöver fanden 1886 bei Jahnsfelde — Müncheberg statt. Bei 
denselben war das Regiment bereits mit dem neu eingeführten Gewehr M,71,84 
ausgerüstet. 
Die zum Gewehr gehörigen „kurzen“ Seitengewehre wurden seitens des 
Regiments in dem Bericht vom 9. Oktober 1886 für brauchbar erklärt, dennoch 
sehrte man im nächsten Jahre zu den noch heute benutzten „langen“ Seiten— 
gewehren M/71 z3urück. 
Gelegentlich Seines am 1. Januar 1887 stattgehabten 80 jährigen Militär⸗ 
Dienstjubiläums richtete der Allerhöchste Kriegsherr nachstehende A. K. O. an Seine 
Kaiserliche Hoheit den Kronprinzen: 
Euer Kaiserliche und Königliche Hoheit haben Mir heute in Ihrer 
Eigenschaft als rangältester General-Feldmarschall der Armee — umgeben von 
einer die einzelnen Theile derselben repräsentirenden hohen Generalität — die 
Hlückwünsche der Armee zu Meinem 80 jährigen militärischen Dienstiubiläum 
ausgesprochen. 
Ich habe Euer Kaiserlichen und Königlichen Hoheit und den Sie 
umgebenden Generalen aus warmem tiefbewegten Herzen gedankt, empfinde 
aber das Bedürfniß, Meinen Dank auch an die ganze Armee weiter gehen 
zu lassen und an dem heutigen Tage auch an diese einige Worte zu richten. 
Die Armee weiß, wie nahe sie Meinem Herzen immer gestanden hat 
und sie wird verstehen, welche Empfindungen Mich heute in dem Gedanken 
bewegen, ihr nun 80 volle Jahre angehört zu haben. 
Es ist eine lange und waͤhrlich eine wechselvolle ereignißreiche Heit, 
die heute an Neiner Erinnerung vorbeigeht. Beginnend in ernsten Tagen 
schwerster Prüfung, habe Ich wohl auch in ihrem weiteren Verlauf mancher 
Sorge und manches Tages, wo Mir das Herz schwer war, zu gedenken, aber 
es sind deren doch nur sehr wenige gewesen im Vergleich zu den vielen des 
Hlücks und der Freude, die Mir zu erleben vergönnt war.
	        
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