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Siebenter Abschnitt. Friedenszeit von 1871 bis 1896

Full text: Geschichte des Königin Elisabeth Garde-Grenadier-Regiments Nr. 3 / Altrock, Constantin von (Public Domain)

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geehrt. Für die allgemeine Liebe, deren sich Oberst Freiherr v. Hüllessem erfreute, 
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stab. Noch tagelang nachher wurden die bei dieser Gelegenheit vertauschten Mützen. 
Degen und Paletots gesucht! 
Zum Kommandeur des Regiments wurde durch dieselbe A. K. O. vom 
15. Oktober 1874 Oberst v. Schlichting, bisher Chef des Generalstabes des 
VII. Armeekorps, ernannt, welcher durch seine jahrelange Mitarbeit an den heute 
geltenden Vorschriften und durch sein Eintreten für eine sachgemäße Gefechtserziehung 
unserer Infanterie allseits bekannt ist. Das Regiment wurde damals schon in dem 
durch Oberst v. Schlichting 1879 im Beiheft zum Militär-Wochenblatt vertre— 
tenen Grundsatz ausgebildet: „Der Angriff darf nicht uniformirt, sondern muß 
disponirt werden.“ 
Die Exerzirperiode des Regiments erledigte sich 1875 in gewohnter Weise. 
Das Regiment weilte, wie in den vergangenen und folgenden Jahren, zum Frühjahrs— 
und Herbstexerziren in Berlin, wo es im Mai Gelegenheit hatte, den zur Zeit dort 
anwesenden Kaiser Alexander JIJ. von Rußland zu sehen. An die Herbstparade 
schlossen sich die Manöver bei Rathenow, Havelberg und Rheinsberg an. 
Im Juni begab sich der Regimentskommandeur mit einem Sonderauftrag 
nach Warschau. Am 15. November 1875 wurde durch eine Ansprache des Obersten 
und ein gemeinschaftliches Abendessen das in der Schloßkaserne vollständig neu 
eingerichtete Offizierkasino eingeweiht. 
Im November 1875 wurden unter Betheiligung des Regiments trotz des 
weittragenden Infanteriegewehrs M/71 noch Wallbüchsenschießen in Spandau vor— 
Jgenommen. 
1875. 
Einen neuen Fortschritt brachte die A. K. O. vom 8. Juli 1875 für die 
taktische Ausbildung der Infanterie. Diese Ordre setzte in weiterer Ausführung 
der erwähnten A. K. O. vom 15. März 1873, in welcher die dort gelehrten Grund— 
sätze in die Form von Direktiven gekleidet waren, nunmehr neue reglementarische 
Bestimmungen fest und veranlaßte dadurch eine größere Stetigkeit der taktischen 
Ausbildung. Das Schulexerziren wurde scharf vom Gefechtsexerziren geschieden, 
das Bataillon in Kompagniekolonnen zur Grundformation erhoben und die Bezeich— 
nung Angriffskolonne durch Kolonne nach der Mitte ersetzt. Die Zahl der im 
Einzel- und Schnellfeuer zu verschießenden Patronen wurde zur Vermeidung 
don Munitionsverschwendung befohlen. Um der Gefahr der Zersplitterung beim 
Gefecht entgegenzuwirken, empfahl man. stets die Rückkehr zu den festen Formen 
anzustreben. 
Da die bisherige Ausrüstung der Infanterie mit Schanzzeug nicht aus— 
reichend erschien, brachte die A. K. O. vom 26. November 1874 eine weitere Ver— 
mehrung desselben. Man unterschied das von der Truppe mitzuführende tragbare 
Schanzzeug und das auf den Fahrzeugen unterzubringende Reserveschanzzeug. 
Von ersterem erhielt jedes Bataillon 200 kurzstielige „kleine Spaten“ nebst 40 Beilen, 
und von letzterem 54 „große Spaten“, 24 Beile, 18 Kreuzhacken und 12 Aerte. 
Die Truppe wurde hierdurch von den Pionieren unabhängig gemacht, und in den
	        
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