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Sechster Abschnitt. Der deutsch-französische Krieg 1870/71

Full text: Geschichte des Königin Elisabeth Garde-Grenadier-Regiments Nr. 3 / Altrock, Constantin von (Public Domain)

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gefallenen Kameraden nach Deutschland zu schaffen. Zu diesem Zweck wurden die 
acht im Park von Arnovuville beigesetzten Särge ausgegraben und nochmals in 
der Dorfkirche von Arnouville vor dem Altar aufgebahrt. Hierher wurde auch 
vom Kirchhof in Gonesse der Sarg des Lieutenants v. Schalfcha geschafft. Am 
Nachmittag des 23. Februar versammelte sich demnächst das Offizierkorps des Re— 
gziments in der Kirche. Das Regiment Alexander, welches in Arnouville unter— 
gebracht war, hatte für die kirchliche Feier — die in kurzer Ansprache der Geist⸗ 
lichen und nochmaliger Einsegnung der Leichen bestand — die Regimentsmusik 
Jestellt; auch waren die Offiziere anwesend. Die Särge wurden dann (mit Aus— 
nahme desjenigen des Lieutenants v. Knobelsdorff) auf Wagen gehoben und 
unter Führung des Lieutenants v. Langendorff nach dem Bahnhof Gonesse 
gebracht, von wo der genannte Offizier den Rücktransport in die Heimath bewirkte.*) 
Die Leiche des Lieutenants v. Knobelsdorff wurde, dem Wunsche der 
Angehörigen gemäß, nicht nach Deutschland geschafft, sondern einige Tage später auf 
dem Militärkirchhof von Gonesse in Gegenwart des Divisionskommandeurs und 
der meisten Offiziere des Regiments unter kirchlicher Feier zur letzten Ruhe be— 
stattet. Pfarrer Jordan hielt den Gottesdienst ab. 
Gesundheitsrücksichten und dergleichen hatten es ferner nothwendig gemacht, 
die Leichen derjenigen französischen und deutschen Soldaten, die in den Kämpfen von 
Bourget gefallen und in oder um diesen Ort beerdigt waren, gleichfalls auszu— 
graben und in Massengräbern nördlich des Dorfes zu vereinigen. Der Chef der 
1. Kompagnie, Hauptmann v. Helldorff, ermöglichte es, das Andenken der in 
Bourget Gefallenen überhaupt, wie derjenigen seiner Kompagnie im Besonderen 
durch ein aus eigenem Antrieb errichtetes und trotz der ungünstigen Herstellungs⸗ 
verhältnisse großartiges Denkmal zu ehren. Nach Entwürfen des genannten Offiziers 
wurde von den Mannschaften der 1. Kompagnie im Westpark von Bourget aus 
Granitquadern (das Material lieferten die französischen und deutschen Barrikaden 
sowie Trümmer zerstörter Häuser, besonders des Bahnhofes) eine Pyramide, und 
zwar unmittelbar vor der Stelle errichtet, wo Hauptmann v. Helldorff von 
seiner Kompagnie am 22. Dezember 1870 fünf Preußen und acht Franzosen, die 
im Kampf des vorangegangenen Tages gefallen waren, in drei nebeneinander liegenden 
Gräbern hatte beerdigen lassen. Die Pyramide war im Grundriß 18 Fuß breit 
und 12 Fuß tief. Sie wurde von einem Kreuz getrönt, dessen Spitze sich 21 Fuß 
über den Bauhorizont erhob. Sowohl dieses Kreuz, wie vier in der Frontseite 
eingelassene Tafeln waren aus Sandstein und trugen in Stein gehauene Inschriften. 
Die des Kreuzes nannte als Todestag der hier Beerdigten den 21. Dezember 1870, 
während eine Tafel unter dem Kreuz die Inschrift trug: „Mortui pro patria 
eeduiescant in pace.“ Die unteren drei Tafeln enthielten Namen. Stellung und 
*), Am 7. März 1871 fanden im Beisein der Angehörigen auf dem Militãrkireh hof 
Breslau die Leichen des Obersten v. Zaluskowski, der Premierlieutenants v. Merckel un 
v. Luck, der Lieutenonts v. Paczensky J. und v. Schalscha ihre dauernde, letzte Ruhestau⸗ 
Hauptmann v. Renthe-Fink wurde in Berlin, die Lieutenants v. Schönin und Freiher 
o. Zedlitz auf den betreffenden Familienaütern beigesekt.
	        
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