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Sechster Abschnitt. Der deutsch-französische Krieg 1870/71

Full text: Geschichte des Königin Elisabeth Garde-Grenadier-Regiments Nr. 3 / Altrock, Constantin von (Public Domain)

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Inzwischen war etwa um 10 Uhr von Pont Iblon her das J. Bataillon 
Regiments Franz und diesem die 6., 7. und 8. Kompagnie unseres Regiments nach 
Bourget gefolgt. Von letzterem war das alarmbereite II. Bataillon am 21. vor⸗ 
mittags YN/ Uhr von Gonesse infolge Brigadebefehls nach Pont Iblon marschirt 
Dort angekommen, erhielt Major v. Thümmel von dem an der Düngerfabrit 
haltenden Oberst Grafen Kanitz die Erlaubniß, mit drei Kompagnien nach Le 
Bourget zur Unterstützung vorrücken zu dürfen. Eine — die 5. Kompagnie — 
sollte die Düngerfabrik als Reserve besetzt halten, woselbst auch bald ein Bataillon 
der 1. Garde-Division eintraf. 
Mit der 6., 7. und 8. Kompagnie erreichte Major v. Thümmel unter 
starkem feindlichen Granat- und sich kreuzendem Infanteriefeuer den Nordeingang 
von Bourget. 
Hier wandte sich die 6. Kompagnie rechts in das Nordwestviertel des Dorfes— 
kämpfte im Anschluß an Abtheilungen des J. Bataillons Franz mit den ein— 
gedrungenen Marinesoldaten um Häuser und Gehöfte,“) machte 70 Gefangene 
und besetzte in der Folge die Westfront der Wachstuchfabrik (am Nordwestrand). 
Auch wurde die Verbindung mit Lieutenant v. Rohrscheidt und dem Zuge der 
2. Kompagnie (siehe oben) aufgenommen. Da die außerhalb des Dorfes, füdlich 
des Moleret-Baches, aufmarschirten feindlichen Kolonnen (etwa zwei Brigaden mit 
drei Batterien) die Möglichkeit eines neuen Angriffs von Westen her in Aussicht 
stellten, so führte Major v. Thümmel, hinter der 6. durch, die 7. Kompagnie an 
den Dugny-Eingang. 
Die 7. Kompagnie, bei welcher Lieutenant v. Poncet durch eine Granate 
berletzt wurde, ging inzwischen gegen die Dugny-Barrikade vor, konnte diese aber 
erst besetzen, nachdem die Kirche, unter deren heftigem Feuer jene lag, von Abthei— 
lungen des Regiments Franz genommen worden war. 
Die 8. Kompagnie, welche 68 Mann Wache in Gonesse zurückgelassen hatte 
blieb zunächst in Reserve. Als aber zwei Kompagnien Garde-Schützen unter Führung 
des Maiors v. Boeltzig — letzterer übernahm als ältester Stabsoffizier das Kom— 
Offizier forderte ihm das Ehrenwort ab, nicht zu entfliehen. Als Lieutenant v. Schramm dies 
verweigerte, wurden ihm zwei Spezialwächter kommandirt, von denen ihm der eine versichert 
„Si vons voulen échapper vouns auren une belle batonnette dans le ventre.“ r 
französische Offizier, der diese Worte hörte, verwies dem Marinier den Mangel an voslcien 
bot dem Lieutenant v. Schramm vielmehr Frühstuck an, ließ denselben dann aber (der Augri 
auf die Glasfabrik war, wie im Text angegeben, inzwischen mißlungen) von seiner Abtheilun. 
mit 8 bis 10 gefangenen Grenadieren zusammen in Richtung auf die Mairie wegführen. ( nebe 
die weiteren Erlebnisse siehe Seite 322.) ß 
*) Der Kompagniechef, Hauptmann v. Plotho, betrat hierbei ein Haus, aus welchen 
geschossen worden war. In demselben Augenblick schlug eine feindliche Granate in dasselbe. * 
der Kompagnie hörte man den Ruf: „Um Gottes willen, der Herr Hauptmann.“ Letzterer b 
unversehrt aus dem Hause heraus, klopfte mit seiner bekannten Ruhe den Kalk, mit dem er 
und über beworfen war, vom Paletot und wies einigen Abtheilungen seiner Kompagnie geschurtn 
Stellungen an. — Schon früher war eine Granate dicht neben dem Hauptmann v. plot 
eingeschlagen, die ihm den linken Fuß verwundete und die linke Hand leicht verletzte, dem 9 
seiner Seite stehenden Feldwebel Reiz aber beide Beine wegriß. Derselbe starb im vazare 
so daß die 6. Kompaanie im Feldzuge dreimal den Feldwebel verlor.)
	        
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