Path:
Sechster Abschnitt. Der deutsch-französische Krieg 1870/71

Full text: Geschichte des Königin Elisabeth Garde-Grenadier-Regiments Nr. 3 / Altrock, Constantin von (Public Domain)

— 256 — 
17. bis 22. Oltbr. 
1870. 
Ruhequartiere 
in Arnonville— 
Gonesse. 
Beschreibung von 
Urnouville und 
Gonesse. 
Am 17. Oktober erfolgte in Stains und Garges die Ablösung durch das 
Regiment Alexander. Das J. Bataillon blieb bis zum Abend in Stains und 
mnarschirte dann nach Arnouville, wohin die Füsiliere schon am Vormittag 
rückten. Das II. Bataillon kam nach Gonesse. 
Arnouville, wo auch der Regimentsstab untergebracht wurde, war eines 
der besseren Dörfer dieser Gegend (373 Einwohner). Dasselbe lag etwa 2 Km 
nördlich Garges und 6 Km nordwestlich Bourget. Das hervorragendste Ge— 
bäude des Orts war das große, von weiten Parkanlagen umgebene Schloß des 
Herzogs v. Choiseul. Dasselbe bot für den Stab eines Bataillons und für zwei 
Kompagnien ausreichende Unterkunft.*) 
Gonesse, wohin das II. Bataillon rückte — Hauptquartier des General⸗ 
kommandos und Mittelpunkt für den Einschließungsabschnitt des Gardekorps — 
war eine kleine Stadt von 2684 Einwohnern, welche größtentheils, wie anderweitig 
entflohen waren. Der Ort, der 2000 Schritt östlich Arnouville und starke 
6 kmnördlich Bourget lag, machte im Allgemeinen einen dürftigen Eindruck, wenn 
es auch nicht an stattlichen Gebäuden fehlte, die hauptsächlich um den Marktplat 
v. Zaluskowski ließ alsbald Alarm blasen — in Thätigkeit brachte. Hauptm. v. Altrod 
forderte ferner die im Abmarsch aus Stains begriffenen Theile des II. Bataillons, auf die 
persönlich stieß, zum Eingreifen auf. Letztere sammelten sich vorläufig — bei der herrschende 
Finsterniß nicht ohne Mühe — hinter dem Dorfe. Inzwischen ertönte von Garges her zweima 
das Signal „Avanciren“, woraus beim II. Bat. geschlossen wurde — von dem telegraphijche 
Alarmsignal war hier nichts bekannt — daß der Angriff einen größeren Umfang annehme 
müsse. Indeß uͤnterbrach nicht ein Schuß die Stille der Nacht, vielmehr kam nach längerem 
Warten an der Chaussee der Befehl, das II. Bataillon solle nach Garges zurückrücken und 5 
dem allgemeinen Vertheidigungsbefehl gemäß —, Schützengräben und Dorfrand besetzen. Racn 
dem dies geschehen — wobei die große Schwierigkeit einer nächtlichen Besetzung der mitten 
den Weinbergen befindlichen Schützengräben hervortrat — wurden die Truppen, da der Fein 
vollständig ruhig blieb, in die Quartiere entlassen. 
J *) Die Mannschaften waren zum Theil in einem großen Saale untergebracht, dem 
schönsten Raum des Schlosses, der für die Feste des Herzogs auf einige Zeit un brauchbar ge⸗ 
worden sein durfle. Die übrigen Gegenstände, Gemälde, Ahnenbilder uͤ. sw. blieben während 
der Besetzung gut erhalten. Dagegen verfiel eine Orangerie von werthvollen alten Bäumen bei 
Gintriti des Frostes dem Untergang. Das Glashaus, in welchem dieselben gestanden hatten, wurde 
zu militärischen Zwecken Pionierarbeiten) gebraucht. Ein weiter englischer Rasenplatz, der das 
Schloß vom Dorfe trennte und seinerseits gegen letzteres durch ein kunstvoll gearbeitetes Gitter mit 
Wappen u. s. w. abgeschlossen war, wurde zum Reitplatz fur die Offiziere der Brigade verwerthet. 
Der Umstand nämlich, daß nach den Verlusten vom 18. August eine Anzahl Offiziere in berittene 
Stellen eingerückt waren, die sich im Gebrauche des Pferdes wenig geübt erwiesen — so dant 
es bei einer Besichtigung durch Oberst v. Zaluskowski vor, daß ein Kompagnieführer, unfrei⸗ 
willig rückwärts richtend, in die abgelegten Tornister seiner vorzustellenden Kompagnie gelangte 7 
hatte zu dem Vorschlag eines Reitkursus Anregung gegeben. Der Ordonnanzoffizier der Brigade 
Lieutenant v. Hessenthal vom 2. Garde-Ulanen-Regiment, zeigte sich bereit, täglich eine Reit⸗ 
stunde auf dem erwähnten Rasenplatz zu ertheilen. 
Auch sonst wurde der Reitsport gepflegt. Der Brigadeadjutant, Premierlieutenant 
o. Berg, veranstaltete Schnitzeljagden, die in der Gegend von Arnouville, Dugny u. sa w. 
stattfanden.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.