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Sechster Abschnitt. Der deutsch-französische Krieg 1870/71

Full text: Geschichte des Königin Elisabeth Garde-Grenadier-Regiments Nr. 3 / Altrock, Constantin von (Public Domain)

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Die ersten Kämpfe des rechten sächsischen Flügels gegen die Brigade Fra— 
boulet des Korps Ducrot, die früh um 10 Uhr mit der Wegnahme von Daigny 
endeten, waren des verdeckenden Givonne-Grundes halber zwar nicht sichtbar, da— 
gegen wurden die Truppen unserer Brigade schon in dieser Zeit, wie während des 
übrigen Tages, Zeugen des erfolgreichen Wirkens der Garde⸗Artillerie gegen die 
französischen Infanterie- und Artilleriemassen auf dem jenseitigen Rand des Givonne— 
Baches. Um sowohl den rechten Flügel des sächsischen Korps bei Daigny, wie 
den der Garde in dem beabsichtigten Angriff auf Givonne zu unterstützen, waren 
die Garde-Batterien westlich Villers Cernay vereinigt worden, deren linker 
Flügel — 8 Batterien der Divisions- und Korpsartillerie — nur wenige Hundert 
Schritt vor der Stellung der 3. Garde-Infanterie-Brigade nach und nach in 
Thätigkeit trat. 
Etwa von 12 Uhr mittags an begann eine neue Wendung des Kampfes. 
Bis dahin hatten die deutschen Truppen sämmtliche Uebergänge des Givonne-Thales 
von Bazeilles bis Givonne in ihren Besitz gebracht. Es blieb nunmehr übrig, 
den steilen Höhenrand des jenseitigen Ufers zu nehmen. Zwar war von Mittag 
an die Schlacht, wie das Generalstabswerk bemerkt, schon durch den Umstand ent— 
schieden, daß 71 deutsche Batterien, also 426 Geschütze, von drei Seiten in die auf 
engem Raum zusammengedrängte französische Armee feuerten, allein diese Sachlage 
war nicht sogleich zu übersehen. — Auch führten verzweifelte Anstrengungen des 
Feindes, den beengenden Ring zu durchbrechen, noch am Nachmittag zu blutigen 
Kämpfen. Der diesseitigen Reservestellung gegenüber wurden solche dadurch hervor⸗ 
gerufen, daß etwa um 2 Uhr nachmittags General Wimpffen, der zur Zeit Höchst⸗ 
kommandirende, einige Divisionen des sich auflösenden französischen Heeres zu einem 
letzten großen Durchbruchsversuch vom Fond de Givonne aus gegen Daigny 
und Haybes in Bewegung setzte. Während die zur Vereinigung mit der Dritten 
Armee auf Illy abrückende Königlich sächsische Division Montbé, gemeinsam mit 
den Grenadier-Bataillonen des Regiments Franz und Theilen der 24. Division, 
kompagnie- und halbbataillonsweise den steilen westlichen Rand des Givonne-Thales 
erklomm, drang der Feind gegen letztere mit geschlossenen Bataillonsmassen vor. 
Die hier verbliebenen Theile des Korps Ducrot schlossen sich bei dieser Gelegenheit 
der neu eingetroffenen Division Goze des 5. Korps Wimpffen an.) Die sich so 
entwickelnden Einzelkämpfe, welche mit dem Zurücktreiben der Franzosen auf Fond 
de Givonne endeten, waren vom diesseitigen Standpunkt aus genau zu übersehen.“*) 
*) ‚Man konnte“ — heißt es in dem Tagebuch eines Offiziers vom Regiment — „auf 
der Höhe jenseits der vor uns liegenden Schlucht“ — also die Höhe zwischen Daigny und Fond 
de Givonne — „sogar die einzelnen Bataillone mit bloßem Auge erkennen. Man sah deutlich, 
wie bald unsere, bald die feindlichen Schützenlinien vordrangen und wieder zurückgingen. Dieses 
Hin- und Herwogen des Kampfes wiederholte sich in kurzer Zeit mitunter fünf- bis sechsmal. 
Man nahm trotz des Pulverdampfes wahr, wie einzelne Leute hinfielen und wie die Lücken in 
den hin- und herschwankenden Linien sich dann schnell wieder schlossen. Den großartigsten und 
aufregendsten Eindruck machte es, als plötzlich hinter einer verdeckenden Höhe ganze französische 
Balaillone oder vielleicht sogar Regimenter, anscheinend in Linie aufmarschirt, im Laufschritt in 
guter Ordnung avancirten und dann die vor uns stehenden Garde-Batterien Schnellfeuer gaben. 
Trotz der aroßen Entfernung sah man deutlich, wie die Geschosse in die vordringenden feindlichen
	        
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