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Vierter Abschnitt. Der Feldzug gegen Oesterreich und Sachsen 1866

Full text: Geschichte des Königin Elisabeth Garde-Grenadier-Regiments Nr. 3 / Altrock, Constantin von (Public Domain)

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das II. Bataillon erst nach der Einnahme des Dorfes eintraf und dann auf der 
Anhöhe vor Alt-Rognitz Halt machte. 
Beim Vorgehen zeigten sich bald einzelne zurückweichende feindliche Abthei— 
lungen, denen man die Ermattung deutlich ansah. Sie gehörten fast sämmtlich zur 
Brigade Grivicic, die nach den Verlusten des vorhergegangenen Tages von 
Trautenau noch etwa 5000 Mann zählte und, ohne Kavallerie und Artillerie 
vorgehend, theilweise bereits 2bis 3 Stunden gegen das Franz-Regiment gefochten 
hatte. Bei dem Ansturm des Regiments lösten sich diese Truppen,“) die seit 
24 Stunden ohne Nahrung waren, bald völlig auf und geriethen in derartige 
Verwirrung, daß sich deren Abtheilungen zum Theil selbst beschossen. Dennoch 
versuchte der Feind beim Rückzug durch den Wald an den Abschnitten, Waldblößen, 
Wiesengründen u. s. w. sich immer wieder zu setzen, wurde aber durch den ent— 
schlossenen Angriff der in breiter Front vorgehenden Schützen des J. und II. Ba— 
taillons stets erneut geworfen. Den vier in vorderster Linie vorgehenden Schützen⸗ 
zügen folgten ihre Kompagnien in Kompagniekolonnen. 
Die wegen der außergewöhnlichen Hitze und der frühen Aufbruchszeit sehr 
ermüdeten Grenadiere vermochten kaum, sich vorwärts zu schleppen. Zum Glück 
brachte ein Gewitter Kühlung, so daß die Kompagnien nach einem kurzen Halt 
wieder neugekräftigt die Verfolgung fortsetzen konnten. 
Auf dem rechten Flügel hatte Hauptmann v. der Lochau — 1. Kompagnie — 
den Schützenzug des Lieutenants Hedinger aufgelöst und durchschritt unter fort— 
währendem Gefecht den Wald in Richtung auf Alt-Rognitz. Während dieses 
Vorschreitens beschoß die Kompagnie unter Anderem einen mit einer Fahne*) zurück— 
gehenden österreichischen Trupp. 
Links von der 1. ging die 3. Kompagnie — Premierlieutenant v. Bent— 
heim — vor. Da letztere sich mehr nach links zog, vergrößerte sich der Abstand 
von der 1. Kompagnie allmählich derart, daß später der Schützenzug der 3. Kom⸗— 
pagnie — Lieutenant Otto v. Trotha — beim Heraustreten aus dem Walde 
völlig vom J. Batailkon abgekommen war und infolgedessen beim II. Bataillon 
verblieb,xxx) während die beiden übrigen Züge der 3. Kompagnie unter Premier— 
lieutenant v. Bentheim sich wieder nach rechts wandten und so den Angriff auf 
Alt-Rognitz noch mitmachen konnten. 
Während dieses Vorschreitens traf der Schützenzug der 3. Kompagnie 
— Lieutenant v. Trotha — auf einen zurückgehenden feindlichen Trupp, der in 
einem Waldsaume Schutz suchte. Ein Mann desselben war zurückgeblieben und trug 
eine Fahne. Es gelang dem Grenadier Plitzko 3. Kompagnie, den Fahnen⸗ 
Erbeutung einer 
Fahne des 
oͤsterreichischen 
Regiments 
Alexander am 
28. Juni 1866. 
x*) Nach dem österreichischen Generalstabswerk 1866. 
*x) Bei seinem Rückzuge durch den Wald war der Gegner in der Lage, seine Fahnen durch 
Vernichten oder Verstecken im Dickicht den nachdrängenden Preußen zu entziehen. Wahrscheinlich 
ist dies auch geschehen, da nur eine Fahne der Brigade Grivicic erbeutet worden ist, obwohl 
letztere völlig aufgerieben wurde, und sich nur einzelne Versprengte derselben gerettet haben. 
*xx*) Der Schützenzug des Lis. v. Trotha biwakirte während der folgenden Nacht auf 
Befehl des Oberstlts. v. Pannewitz mit dem II. Batl. bei Neu-Rognitz, machte dort mit dem 
Zuge des Lts. v. Johnston das Nachtgefecht gegen österreichische Versprenate mit und fand erst 
am nächsten Tage wieder den Anschluß an das J. Bataillon.
	        
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