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Vierter Abschnitt. Der Feldzug gegen Oesterreich und Sachsen 1866

Full text: Geschichte des Königin Elisabeth Garde-Grenadier-Regiments Nr. 3 / Altrock, Constantin von (Public Domain)

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der Division, die soeben mit dem Abkochen begonnen hatten, gossen das Essen fort, 
traten wieder unter das Gewehr und rückten der Avantgarde nach. Doch erfüllte 
sich die Hoffnung, auf den Feind zu treffen, zum zweiten Male nicht. Gros und 
Reserven gingen gegen Abend bei Kosteletz ins Biwak; vom Füsilier-Bataillon 
zJaben die 10. und 11. Kompagnie Feldwachen, die durch die Nähe feindlicher Pa— 
trouillen eine etwas uuruhige Nacht verbrachten. 
Die Nachmittagsstunden des 27. Juni schildert ein Bericht des Komman— 
deurs des J. Bataillons, wie folgt: 
„Als das Bataillon durch Kosteletz debouchirt war, rückte es, wie die anderen 
Truppen, rechts von der Straße an einen Anberg und setzte die Gewehre zusammen. 
Es wurde der Befehl zum Abkochen ertheilt. Die Grenadiere gingen mit Kopf— 
schütteln daran, denn ihre Kampfbegier war durch den fortwährenden Kanonen— 
donner von Nachod auf die wünschenswertheste Höhe gestiegen. Es traten an mich 
mehrere Grenadiere mit der Frage heran, warum wir denn nicht weitermarschiren 
könnten, sie wären nicht müde, hätten keinen Hunger, wollten aber ihren Kameraden 
helfen. Das Wasser kochte, der Speck war schon hineingeworfen, da kam in voller 
Karriere ein Ordonnanzoffizier auf der Chaussee (Regiment und Namen sind mir 
genau bekannt) und schrie in höchster Aufregung: »Es muß Alles an die Gewehre, 
Alles gleich vorrücken!« — Umstürzen der Kessel, hier und da Rettung des zur 
Erde gefallenen Specks war das Werk eines Augenblicks, und im Umsehen standen 
die Grenadiere unter den Waffen. Es traf dann auch der Befehl zum Vorgehen 
ein. Wir gingen etwa tausend Schritt auf der Chaussee vor, dann wurden seitwärts 
derselben die Gewehre zusammengesetzt. Man glaubte, es ginge nicht gut. Jeder 
Kanonenschuß wurde geschätzt, ob er näher komme oder ferner sei. Es war eine 
qualvolle Stunde. Die Zunge klebte am Gaumen. — Da kam ruhig der komman⸗ 
dirende General, Prinz August von Württemberg, geritten, der sofort von 
Offizieren und Soldaten umringt war. Er theilte zuerst mit, daß die Ulanen eine 
schöne Attacke geritten hätten und General v. Steinmetz mit seinem V. Korps 
einen glänzenden Sieg bei Nachod erfochten habe. Alles brach in donnernde 
Hurrahrufe auf den König aus.“ 
2. Gefecht bei Soor und Alt-Rognitz*x) am 28. Juni 1866. 
Sefecht bei Soor 
und Alt⸗Rognitz 
am 28. Juni 1866 
Das Gardekorps hatte am 27. Juni unangefochten mit der 1. Garde— 
Infanterie-Division Eipel und mit der 2. Garde-Infanterie-Division 
Kosteletz erreict. Das J. Korps war nach dem unglücklichen Gefecht von 
Trautenau bis Libau zurückgegangen, dagegen hatte das V. Korps sich durch 
den Sieg von Nachod den Austritt aus dem Gebirge eröffnet. 
Am 28. Juni, 2 Uhr früh, ertheilte Seine Königliche Hoheit der 
Kronprinz dem Gardekorps folgenden 
*) Siehe Plan 6 und Ordre de Bataille der 2. Garde⸗-Infanterie-Division, Anlage 7.
	        
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