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Zweite Abteilung. Berlin im 15. Jahrhundert

Full text: 500 Jahre Berliner Geschichte / Streckfuß, Adolf (Public Domain)

Die Bestrafung der widerspenstigen Städte. 
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Eine harte Strafe traf die Empörer. Die Rädelsführer wurden hin— 
gerichtet. Die Bierziese wurde aufs nene und zwar zum verdoppelten Satze 
auf 14 Jahre eingeführt. Die Städte, welche am Aufruhr teilgenommen 
hatten, verloren alle ihre Rechte und Freiheiten, sie wurden behandelt, wie 
früher Berlin und Cöln vom eisernen Friedrich behandelt worden waren. 
Der Kurfürst brach ihre Kraft für alle Zukunft, indem er ihnen die Selb— 
ständigkeit nahm, die Magistrate von seiner Bestätigung abhängig machte. 
Zur Zeit der Städtebündnisse hätte er es nicht vermocht! Wohl mochten in 
jenen Tagen die Bürger bereuen, daß sie in früherer Zeit die beiden mächtigsten 
Städte der Mark, Berlin und Cöln, im Kampfe um ihre Selbständigkeit 
im Stiche gelassen hatten. 
Johaun hatte gesiegt, aber der Sieg war erkämpft auf Kosten der 
Liebe, welche er sich so gern bei den Bürgern erworben hätte. Wenn auch 
die Bürger von Berlin und Cöln sich bei dem Aufstande nicht beteiligten, 
so ballten sie doch die Faust in der Tasche und zeigten bei jeder Gelegenheit, 
daß sie von einer Anhänglichkeit an den Kurfürsten sehr weit entfernt seien. 
Beim Adel war Johann Cicero nicht weniger unbeliebt. Die adligen Herren 
konnten nicht vergessen, was der Kurprinz gethan hatte, sie dachten mit 
(Hrauen an seine Strenge gegen die Raubritter in der Priegnitz. Freilich 
vagten sie ebensowenig wie die Bürger von Berlin und Cöln, sich offen 
gegen den Kurfürsten aufzulehnen, aber sie gehorchten nur, weil sie mußten. 
Johann stand allein da. Bei allen seinen Bestrebungen, zum Besten 
des Volks zu wirken, die er besonders in der Förderung der Wissenschaften 
darthat, war er nur auf sich selbst und den Beistand seiner Räte angewiesen, 
im Volke, sowohl dem Adel als der Bürgerschaft, fand er keine Unterstützung, 
höchsteuns widerwilligen Gehorsam. In solchem Kampfe ermattet auch der 
Stärkste endlich. Johann fühlte sich bald genug abgespannt, und dazu trug 
ein unglückliches körperliches Leiden viel bei, welches den Kurfürsten von 
einem vierzigsten Jahre an zu jeder körperlichen und geistigen Anstrengung 
unfähig machte. Es bildete sich eine Wassersucht bei ihm aus. Die Krank— 
heit nahm auf einer Reise, welche der Kurfürst in das Reich gemacht hatte, 
zo reißend zu, daß er seinen Tod nahe fühlte. Er reiste daher nach der 
Mark zurück, konnte aber nicht bis zu seinem Schlosse in Cöln kommen. In 
Arneburg in der Altmark wurde er bettlägerig, und schon am 9. Jannar 
1499 starb er daselbst in seinem 44. Jahre. 
Johann Cicero ist der erste Fürst aus dem Hause Hohenzollern, der 
in der Mark Brandenburg beerdigt worden ist. Die Beisetzung der Leiche 
geschah zuerst in der Fürstengruft des Klosters Lehnin, in der auch mehrere 
Markgrafen aus dem Stamme der Askanier ruhten, später wurde der Sarg 
nach Berlin in das kurfürstliche Erbbegräbnis gebracht, welches in der Dom— 
kirche augelegt worden war. Ein Grabmal von gegossenem Messing, welches 
den Kurfürsten in Lebensgröße, liegend, in der Kurtracht, darstellt, ist ein 
Wertk des berühmten Künstlers Peter Vischer zu Nürnberg. 
Johann Cicero war während seiner ganzen Regierungszeit beseelt 
gewesen von einem reinen Streben, das Beste für das Volk zu wirken, und 
zuch in seinen letzten Tagen war es sein sehnlicher Wunsch, daß sein junger 
Sohn Joachim, dem er das Kurfürstentum hinterließ, ein gleiches Streben 
»erfolgen möge: er hinterließ ihm eine Ermahnung, eine Sammlung köstlicher
	        
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