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Dreizehnte Abteilung. Berlin unter der Regierung Wilhelms I.

Full text: 500 Jahre Berliner Geschichte / Streckfuß, Adolf (Public Domain)

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Die Musik. 
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Berliner Schaubühnen. Unter diesen seien das Wallnertheater und das 
Deutsche Theater besonders hervorgehoben. An dem ersteren war eine große 
Zahl bedeutender Künstler, früher unter Wallners, seit 1868 unter Lebruns 
Direktion versammelt. Hier feierte Helmerding als „Registrator auf Reisen“ 
seine größten Triumphe. Blenke, Engels, Kadelburg, Lebrun, die unvergeß— 
liche Ernestine Wegner bildeten ein Possenensemble, wie es nachher kein 
Berliner Theater wieder aufzuweisen hatte. 
Von 1870 bis 1881 gehörte das Friedrich-Wilhelmstädtische Theater 
dem Kladderadatsch-Hoffmann; es war während dieser Zeit die Stätte der 
leichtgeschürzten Operette, wo hauptsächlich Offenbachs, Halévys, Strauß' und 
Millöckers heitere Weisen ertönten. Im Jahre 1881 erwarb Adolph L'Arronge 
das Haus, um es 1883 als Deutsches Theater zu eröffnen. Hier feierte die 
deutsche Schauspielkunst wahre Triumphe. Siegwart Friedmann, Dr. Förster, 
Frau Hedwig Niemann-Raabe haben die Bühne gleich bei ihrer Eröffnung 
auf die höchste Stufe der künstlerischen Leistungen gestellt und ihr die Voll— 
kommenheit gegeben, die sie bis heute bewahrt hat. 
Der Berliner ausgesprochene Vorliebe für die Musik ist unseren 
Lesern hinreichend bekannt. Auch während des letzten Abschnittes unserer 
Geschichte bot sich ihnen mehr als genug Gelegenheit, dieser Vorliebe zu 
fröhnen. Wieprechts und C. Liebigs Symphonickonzerte wurden in den 
sechziger Jahren gern besucht, die Berliner Symphoniekapelle unter den 
wechselnden Dirigenten Stern, Janke, v. Brenner, Mannstädt spielte regel— 
mäßig in Sommers Salon in der Potsdamerstraße, an der Stelle, wo heute 
das schöne Gebäude der Gesellschaft der Freunde steht, auch bei den Königs— 
kolonnaden in der Villa Colonna, die später der Stadtbahn Platz machen 
mußte. Hervorragende künstlerische Leistungen boten die Konzerte der Bilseschen 
Kapelle im Meddingschen Konzerthause in der Leipzigerstraße 48, wo von 
1869 -1884 Meister Bilse den Taktstock schhwang. Im Winter 1842 -1843 
hatte der Kapellmeister Taubert die Symphoniesoireen der königlichen Kapelle 
ins Leben gerufen, die er auch nach seiner Pensionierung im Jahre 1870 
noch weiter leitete. Die künstlerischen Darbietungen der Kapelle erreichten, 
besonders nachdem Hans v. Bülows mustergiltige Leistungen als Musik— 
dirigent des Philharmonischen Orchesters bahnbrechend gewirkt, eine Höhe, 
von der sie heute noch unbestritten auf alle ähnlichen Veranstaltungen hinab— 
sehen können. 
Der Chorgesang wurde von der Singakademie unter Grells, von 1876 
an unter Blumners Leitung zu künstlerischer Vollkommenheit gebracht. Die 
Konzerte dieser Vereinigung, in denen hauptsächlich Bachs, Beethovens, 
Mendelssohns Werke zu Gehör gebracht wurden, erfreuten sich, wie auch 
heute noch, stets der lebhaften Teilnahme des musikverständigen Berliner 
Publikums. Nicht minder beliebt sind die Konzerte des Sternschen Gesang— 
vereins gewesen, die von 1847 — 1873 von dem Begründer des Vereins, 
später von Stockhausen, Bruch, Rudorff geleitet wurden. Die Kirchen— 
konzerte des königlichen Domchors, die Aufführungen der Hochschule für 
Musik sind noch heute bei allen Musikfreunden beliebt. Auch an Solisten— 
konzerten ist in Berlin kein Mangel; die bedeutendsten Klavierspieler der 
Neuzeit, Tausig, Hans v. Bülow, d'Albert, Rubinstein besuchten Berlin vor— 
übergehend oder nahmen ganz und gar ihren Wohnsitz hier. Seit 1866
	        
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