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Dreizehnte Abteilung. Berlin unter der Regierung Wilhelms I.

Full text: 500 Jahre Berliner Geschichte / Streckfuß, Adolf (Public Domain)

Die Triumphstraße. 
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der Berolina die einziehenden Krieger. Vom Halleschen Thore aus in der 
Königgrätzerstraße waren die Gewerke mit ihren Fahnen und Emblemen auf— 
gestellt. Nur die Mitte der Straße war frei gehalten und durch mit Blumen— 
guirlanden verbundene und mit den verschiedensten Fahnen und Emblemen 
verzierte rot-weiße Flaggenstangen bezeichnet. Mitten auf dem Askanischen 
Platze erhob sich eine mächtige Tribüne, welche für die männliche Jugend 
der Berliner Lehranstalten bestimmt war. Auf dem Potsdamer Platze waren 
zwei mächtige, die Festungen Straßburg und Metz versinnbildlichende Frauen— 
statuen errichtet. Der Schmuck des Brandenburger Thores erinnerte an 
die Kämpfe und Siege um Paris. Der Pariser Platz zeigte zwei archi— 
tektonische Tribünen zur rechten und linken Seite des Thores für die Per— 
sonen, welche seitens der Stadt zur Teilnahme an der Feier eingeladen 
waren. Dem Thore zunächst saßen die 60 Ehrenjungfrauen in altdeutscher 
Tracht, deren Führerin, des Professors Bläser Tochter, dem siegreichen Kaiser 
mit einer von Scherenberg verfaßten poetischen Ansprache einen Lorbeerkranz 
liberreichte. Vor dem Eingange zu den Linden standen zwei für die städtischen 
Behörden und die Bezirksvorsteher errichtete Podien. Hier hielt der Bürger— 
meister Hedemann seine Ansprache, als der Kaiser sich genaht hatte. Unter 
einem großen, hängenden, eisernen Kreuze hindurch zogen die Krieger weiter 
die Linden hinunter, an deren fünf Straßenübergängen je zwei hohe Säulen 
aufgerichtet waren, zwischen denen große, auf Segeltuch gemalte Bilder herab— 
hingen. Otto Knille, Schaller, Anton von Werner, Ernst Ewald und A. v. 
Heyden hatten die Bilder gemalt, den in den Bildern künstlerisch gestalteten 
Stoff hatten verschiedene vom Kaiser und Könige bei einigen Anlässen 
während des Krieges ausgesprochene, bedeutende Worte gegeben. Hinter den 
Geländen waren kleine Bänke aufgestellt für die in den Berliner Lazaretten 
befindlichen verwundeten Soldaten, hinter diesen standen Vereine und Ge— 
werke, Fabrikarbeiter, die Studenten der Universität und der Bau- und Ge— 
werbeakademie. Die Bewohner der Linden hatten ihre Häuser auf das herr— 
lichste mit Blumen, Kränzen und Teppichen geschmückt. Die eigentliche 
Triumphstraße endete auf dem Lustgarten, wo eine Kolossalstatue der Ger— 
mania, neben sich ihre wiedergewonnenen Kinder, Elsaß und Lothringen, auf 
hohem Sockel errichtet war. Der Durchzug der überall mit begeisterten 
Jubelrufen der herbeigeströmten Volksscharen empfangenen Truppen durch 
den Siegesweg erschöpfte die Feierlichkeiten des Tages noch nicht. Mit den 
Einzugsfeierlichkeiten verbunden hatte der Kaiser und König die Enthüllung 
des Denkmals auf dem Lustgarten, das er in pietätvollem Angedenken seinem 
Vater, Friedrich Wilhelm III., gewidmet hatte. Erst als unter den üblichen 
Feierlichkeiten die Enthüllung des Denkmals vor sich gegangen, kehrte der 
Kaiser in das Schloß zurück, während die Truppen in ihre Kasernen zogen, 
auf ihrem ganzen Wege durch die festlich gezierten Straßen immer von 
neuem jubelnd begrüßt von den begeisterten Bürgern. Abends war die Stadt 
auf das glänzendste erleuchtet; alle öffentlichen und privaten Gebäude er— 
strahlten in hellstem Lichterglanze. Die Soldaten wurden am folgenden Tage, 
dem 17. Juni, von den Bürgern festlich bewirtet; die Stadt ließ jedem 
Soldaten einen Thaler, jedem Unteroffizier zwei Thaler auszahlen. Ueberall 
fanden die von den einzelnen Stadtbezirken veranstalteten Festlichkeiten im 
Freien statt, meist schloß sich daran des Abends ein Ball.
	        
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