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Zwölfte Abteilung. Berlin unter der Regierung Friedrich Wilhelms IV.

Full text: 500 Jahre Berliner Geschichte / Streckfuß, Adolf (Public Domain)

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Sefeloges Attentat am 22. Mai 1850. 
Fürst Otto von Bismarck, 
der erste Kanzler des Deutschen Reiches; 
geb. 1. April 1815, 
gest. 30. Juli 1898. 
machte ein Wahnsinniger, ein früherer Feuerwerker der 
Parteien und am 
meisten das politisch 
zleichgültige Bürger— 
tum waren der politi— 
chen Bewegung müde, 
elbst die bisher so 
rührige Volkspartei war 
durch die polizeiliche 
Verfolgung, der sie nun 
schon seit mehr als einem 
Jahre ausgesetzt war, 
mürbe geworden, sie 
suchte jede Gelegenheit 
zu vermeiden, welche 
der Polizei eine Veran— 
lassung zu einem Ein— 
chreiten hätte geben 
önnen. Als am 16. 
März der Polizeipräsi— 
dent durch eine Bekannt⸗ 
nachung den Besuch des 
Friedrichshains am 18. 
März und denfolgenden 
Tagen verbot, wagte 
niemand, dieses Verbot 
zu überschreiten, und 
der 18. März ging ohne 
irgend eine Ruhestörung 
dorüber. 
Da gab plötzlich 
einfurchtbares Ereignis, 
ein Attentat auf den 
König, die Veranlassung 
zu neuer tiefer Erregung 
des Volkes in Berlin. 
Am 22. Mai 1850 
Artillerie, Max Joseph 
stehens, welche in den Jahren 1848 und 1849 nicht mehr vollstreckt worden war, wurde 
im Jahre 1850 wieder eingeführt oder vielmehr, da sie gesetzlich überhaupt nicht aufge— 
hoben war, wieder vollstreckt. Am 22. April, morgens zwischen sechs und halb sieben 
Uhr, wurden zwei Meineidige, ein früherer Bäckermeister und ein Arbeitsmann, auf 
dem Molkenmarkt vor dem Kriminalgericht auf den Pranger gestellt. Die Verbrecher 
standen auf einem Tisch dicht vor dem Kriminalgericht, auf der Brust trug jeder von 
ihnen eine Tafel, auf der Vor- und Zunamen sowie die Worte standen: „Meineidiger 
Betrüger.“ Eine Abteilung Schutzmänner hatte den Dienst auf dem Molkenmarkt. Der 
schmähliche Akt ging ruhig vorüber, es hatte sich keine allzugroße Zuschauermenge ein— 
gefunden. Auch bei den ferneren Prangerausstellungen, welche bald nach dieser ersten 
folgten, wurde die Ruhe durch Schutzleute aufrecht erhalten.
	        
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