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Zwölfte Abteilung. Berlin unter der Regierung Friedrich Wilhelms IV.

Full text: 500 Jahre Berliner Geschichte / Streckfuß, Adolf (Public Domain)

6558 Die Rettung der Runstschätze in Monbijou. 
„Am 18. März wurde die Wache durch ein Kommando von 60 Mann 
Artillerie unter Befehl des Lieutenant von Reibnitz verstärkt, vornehmlich zum 
Schutze der Wohnung des Prinzen bestimmt. Man hatte den Artilleristen, 
welche gewöhnlich nur mit kurzen Pallaschen versehen sind, alte Infanterie— 
gewehre gegeben, welche nicht in stand gesetzt waren, denn sogar die Feuer— 
steine fehlten; von Munition war nicht die Rede. Die Wachmannschaft vom 
Kaiser Franzregiment hatte scharf geladen und war mit Patronen versorgt. 
In letzter Zeit war es in der Versammlung der Stadtverordneten mehrmals 
zur Sprache gebracht worden, daß der linke Flügel des Gartenschlosses 
Monbijou zur Hälfte auf städtischem Grund erbaut worden sei, wodurch die 
Verbindung des Platzes mit der Oranienburgerstraße auf eine den Verkehr 
hemmende, die Fußgänger gefährdende Weise erschwert werde, weshalb der 
Antrag gestellt worden war, Se. Majestät zu bitten, einen Teil dieses 
Schlosses abtragen zu lassen. Ein Bescheid auf diese Bitte war noch nicht 
erfolgt, und unter dem Volkshaufen, welcher sich am 18. des Nachmittags, 
nachdem das Kanonenfeuer in der Königsstraße begonnen hatte, auf dem 
Monbijouplatze einfand, erhoben sich Stimmen, welche aufforderten, kurzen 
Prozeß mit der Erweiterung der Straße zu machen und den auf Grund und 
Boden der Bürger stehenden Flügel des Schlosses, welcher doch nur eine 
unnütze Gartenbudike sei, zu demolieren. Und gerade in diesem Schlosse 
befanden sich die erwähnten Handzeichnungen und Kupferstiche von unschätz⸗ 
darem Werte. Einer der Konservatoren des königlichen Musenms, Professor 
Hotho, Sohn eines unserer achtbarsten Bürgerältesten, wohnte in dem Hause 
Anes Vaters in unmittelbarster Nähe. Er eilte auf den Platz und bot dem 
Offizier seine guten Dienste zur Beschwichtigung der Menge an, fand jedoch 
anfänglich bei ihm keine günstige Aufnahme. Der Lieutenant von Reibnitz 
rkaunte das Bedenkliche seines Postens nicht, welchen er mit seinen unzu— 
länglichen Verteidigungsmitteln, zumal wenn die Volksführer erfahren hätten, 
wie schlechte Waffen seine Leute führten, zu behaupten nicht im stande ge— 
wesen sein würde. Professor Hotho begab sich nochmals zu ihm und machte 
ihm bemerklich, daß es hier einzig und allein darauf ankommen könne, eine 
Sammlung von unschätzbarem Kunstwerte zu sichern, und beschwor ihn, durch 
keine herausfordernden Maßregeln das Volk zu Gewaltthaten aufzuregen. 
Der Lieutenant nahm jetzt die Vermittelung des Professors an, dieser begab 
sich mit seinem Sohne mitten unter die aufgeregte, die Waffen der Wache 
fordernde Menge, und auf seine Anfrage, ob sich nicht Studenten unter ihnen 
befänden, traten sogleich drei hervor, welche ihn als einen der wenigen 
Professoren der Universität kannten, welche den Einflüssen des Ministeriums 
mutigen Widerstand geleistet. Der Professor beschwor sie, ihren ganzen Ein— 
fluß aufzubieten, um die Menge von der Erstürmung und Demolierung des 
Schlosses, in welchem so kostbare Sammlungen sich befänden, abzuhalten. 
Die Studenten versprachen dies unter der Bedingung, daß die Besatzung die 
Waffen ausliefere und den Garten verlasse. Hotho begab sich zu dem 
dieutenant zurück, welcher sich darauf beschränkte, seine Mannschaft vor dem 
Eingange zum Garten so aufzustellen, daß die mit scharf geladenen Gewehren 
versehenen im ersten Gliede, die übrigen dahinter standen. Während er auf 
einen Augenblick sich entfernt hatte, um Maßregeln gegen einen Ueberfall 
hon der Seite der Orauienburgerstraße zu treffen, hatte der Unteroffizier
	        
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