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Zwölfte Abteilung. Berlin unter der Regierung Friedrich Wilhelms IV.

Full text: 500 Jahre Berliner Geschichte / Streckfuß, Adolf (Public Domain)

610 Die erste deutsche Gewerbeausstellung in Berlin 1844. 
eröffnet. Der König hatte dafür das Zeughaus eingeräumt; sie war aus 
allen Ländern des Zollvereins reich beschickt worden. Die Eröffnung geschah 
durch den Finanzminister von Bodelschwingh, der sich mit den übrigen 
Ministern und vielen hohen Staatsbeanmten nach dem Zeughause begeben 
hatte und eine schwungvolle Rede an die um ihn versammelten Aussteller 
hielt. Ueber die Ausstellung wollen wir die Vossische Zeitung vom 16. August 
1844 in einem kurzen, übersichtlichen Bericht, der uns ein treues Bild giebt, 
sprechen lassen. Sie sagt: 
„Der untere Raum des Zeughauses ist den schweren, im Raum aus— 
gedehnteren Gegenständen gewidmet; gleich beim Eintritt sehen wir uns 
rechts und links von einer eleganten Wagenburg umgeben, hinter der 
sich die Fülle der Maschinen und Modelle aller Art von beiden Seiten aus— 
breitet. Charakteristisch für unsere Zeit ist die große Anzahl der Druck— 
pressen. Der Geist stützt sich hier auf die ausgebeutete Kraft mechanischer 
Werkzeuge. Nächst ihnen macht der Dampf, gewissermaßen ein Mittel— 
geschöpf zwischen Geist und Körper, seine Herrschaft geltend; als Symbol 
einer unberechenbar wichtigen Richtung der Industrie unserer Zeit stellt 
sich die mächtige Lokomotive vor uns hin. Arbeiten in Eisen, Stein, 
Thon, Holz, z. B. reiche Parkettierungen, ferner chemische Apparate, größere 
Glaserzeugnisse u. s. w. helfen diese Wölbungen füllen. Wir möchten diese 
Abteilung die der Pracht und des Staunens nennen. Steigen wir die 
imposante und schön geschmückte Treppe hinan, so gelangen wir in die der 
Geschicklichkeit und des Reizes. Daß beide Gattungen sich in beiden 
Räumen auch mischen, bedarf keiner Erinnerung. Im oberen Geschoß be— 
grüßt uns zunächst an der Treppe die Büste Sr. Majestät des Königs, 
in einer rosig durchschimmernden Halbrotunde, umgeben von edelsten, 
plastischen Kunstwerken, aufgestellt. Der Vorschrift folgend, nehmen wir 
sodann unseren Weg rechts und wandern die Prachtstraße dahin, die auf 
der inneren Seite, uns zur Rechten, sich mit den mannigfaltigen gewebten 
Stoffen, zur Linken vorzugsweise mit den Erzeugnissen in Glas, Porzellan, 
feinen Metallen u. s. w. schmückt. Wahrhaftig staunenswürdig sind die 
Kunst und der vielgestaltige Geschmack, mit welchem die Anordnung der 
gewebten Stoffe, in bogengewölbten Nischen, deren Zahl gewiß in die 
Hunderte geht, getroffen ist. In der Eckwendung, die wir zunächst erreichen, 
werden wir fast geblendet von der Fülle der Silbergeräte, die uns hier 
entgegenstrahlen, und über denen der Kronleuchter schwebt, der dem Pascha 
von Aegypten zum Geschenk bestimmt ist. Eine in der Ecke aufgestellte 
cameéra clara zeigt uns die belebte Lindenpromenade. Am meisten wird 
das Auge in den Hallen überrascht, welche eine größere Vertiefung des 
Raumes gestatten und daher auch zur Aufstellung einer größeren Masse 
zum Ganzen geordneter Gegenstände des Lurus dienen konnten, als Möbel, 
Teppiche, Vafsen, Metallgeräte, Lampen, Spiegel u. s. w. Als eine Einzel⸗ 
König von Preußen schoß und den 14. Dezember 1844 in Spandau hingerichtet wurde. 
Herausgegeben von seiner Tochter Elisabeth Tschech.“ Das Buch enthält viele interessante 
Notizen, welche allerdings mit großer Vorsicht aufgenommen werden müssen, da Elisa— 
beth Tschech für ihren Vater eine fast abgöttische Verehrung fühlte und bestrebt war, 
ihn als eine Art Märtyrer zu zeichnen.
	        
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