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Zwölfte Abteilung. Berlin unter der Regierung Friedrich Wilhelms IV.

Full text: 500 Jahre Berliner Geschichte / Streckfuß, Adolf (Public Domain)

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Das Festmahl am 17. Oktober 1840. 
mächten der Erde zugesellt ist? — Nämlich: Ehre, Treue, Streben nach 
Licht, Recht und Wahrheit, Vorwärtsschreiten in Altersweisheit zugleich 
und heldenmütiger Jugendkraft? Wollen Sie in diesem Streben Mich 
nicht lassen noch versäumen, sondern treu mit Mir ausharren durch gute 
wie durch böse Tage — O! dann antworten Sie Mir mit dem klaren, 
schönsten Laute der Muttersprache, antworten Sie Mir ein ehrenhaftes Ja!“ 
Das Rauschen des Windes und Regens war so mächtig gewesen, daß 
nur einzelne die Aufforderung des Monarchen verstanden hatten. Der Ober— 
bürgermeister und einige der Nächststehenden antworteten Ja, in welches nun 
auch ein Teil der versammelten Volksmenge einfiel. Der größere Teil aber, 
der gar nichts gehört und verstanden hatte, glaubte, die Rede sei zu Ende 
und ein Lebehoch nötig. Dies brach denn auch mit donnerndem Geschrei 
aus, und erst neues, ungeduldiges Winken des Königs ließ die Jubelrufe 
berstummen und erlaubte dem Redner fortzufahren. Er schloß seine Ansprache 
an das Volk mit folgenden Worten: 
„Die Feier des Tages ist wichtig für den Staat und die Welt — Ihr 
Ja aber war für Mich — das ist Mein eigen, das lass' Ich nicht, das 
verbindet uns unauflöslich in gegenseitiger Liebe und Treue, das giebt 
Mut, Kraft, Getrostheit, das werde Ich in Meiner Sterbestunde nicht ver— 
gessen! — Ich will Meine Gelübde, wie Ich sie hier und zu Königsberg 
ausgesprochen habe, halten, so Gott Mir hilft. Zum Zeugnisse hebe Ich 
Meine Rechte zum Himmel empor! Vollenden Sie nun die hohe Feier! 
Und der befruchtende Segen Gottes ruhe auf dieser Stunde!“ 
Nach der königlichen Rede wurde der Huldigungseid abgenommen. 
Begen zwanzigtausend Menschen sprachen ihn nach; unter dem Donner der 
Kanonen und dem Geläut der Glocken sang die ganze versammelte Menge 
das Lied „Nun danket alle Gott“. Damit war die Feierlichkeit beendet. 
Vollständig durchnäßt kehrten die Teilnehmer und Zuschauer des Huldigungs— 
aktes vom Lustgarten aus in ihre Wohnungen zurück. Sie waren meistens 
nicht in der gehobensten Stimmung, denn die beste Begeisterung wird durch 
nasse Kleidungsstücke abgekühlt. 
Zahlreiche Festlichkeiten schlossen sich an die Huldigungsfeierlichkeit; wir 
erwähnen nur das große Festmahl, welches die Stadt Berlin dem Könige 
gab, zu dem zwischen dem Opernhaus und der Bibliothek ein eigener Fest— 
saal gebaut worden war. Die städtischen Behörden hatten in der That ge— 
leistet, was in der Kürze der Zeit überhaupt geleistet werden konnte. Der 
Saal, welcher doch nur die Aufgabe hatte, einige Tage der Schauplatz von 
Festen zu sein, um dann wieder abgebrochen zu werden, zeichnete sich durch 
seine prächtige Ausschmückung aus. Das Festmahl fand am 17. Oktober 
statt, es waren von der Stadt Berlin etwa 1400 Gäste, die alle in dem 
Saal bequem Platz fanden, geladen worden. Von den Toasten, die ausge— 
bracht waren, ist nur einer bemerkenswert, der, mit welchem der König das 
auf ihn ausgebrachte Lebehoch des Oberbürgermeisters Krausnick beantwortete. 
Friedrich Wilhelm IV. sagte: 
„Ich wünsche, auf das Wohl der Stadt Berlin zu trinken. Ich habe 
15 Jahre hindurch die Geschicke des Staates in der Stadt Berlin durch—
	        
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