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Zweite Abteilung. Berlin im 15. Jahrhundert

Full text: 500 Jahre Berliner Geschichte / Streckfuß, Adolf (Public Domain)

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Die Städte im Bunde mit Friedrich gegen den Adel. 
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An der Spitze eines kleinen Zuges fränkischer und sächsischer Ritter 
war Friedrich in Begleitung des Herzogs Rudolph von Sachsen in Branden— 
burg eingezogen, und dorthin hatte er die Stände entboten, um ihm den 
Huldigungseid zu leisten. Ein einzelner dem gesamten mächtigen Adel 
gegenüber! Wenn er noch mit einem Heere gekommen wäre! Aber er kam 
allein, vertrauend auf sein gutes Recht, und gleich beim ersten Beginn seiner 
Regierung zeigte es sich, daß der Adel nicht willens sei, sich ihm zu unter— 
werfen, denn die Herren aus dem Havellande weigerten sich, ihm den Huldigungs— 
eid zu schwören, ehe Sigismund dies nicht ausdrücklich befohlen habe; sie 
wollten eben Zeit gewinnen! 
Auch die Herren aus den Geschlechtern, welche im Rate von Berlin 
und Cöln saßen, wollten sich dem neuen Landesherrn nicht ohlie weiteres 
dienstwillig zeigen, sie zögerten, die Huldigung zu leisten, und thaten es nur, als 
sie durch die Bürgerschaft dazu gedrängt wurden; aber recht vom Herzen ging 
ihnen die Huldigung doch nicht; wenn sie dem Burggrafen auch nicht offenen 
Widerstand entgegenzusetzen wagten, so hielten sie sich doch auch von freudiger 
Unterstützung desselben fern, sie empfingen ihn wohl, als er nach Berlin kam 
und im Hohen Hause seine Residenz nahm, mit freundlich unterthäniger Miene, 
als er aber das Oeffnungsrecht forderte, d. h. das Recht, daß die Stadt ihm 
für seine Truppen geöffnet sei, daß er sich selbst der Befestigungswerke der— 
selben bedienen könne, wenn die Notdurft des Landes es erfordere, da weigerte 
sich der Rat und berief sich auf seine alten Privilegien. Friedrich gab nach, 
er bestand nicht auf seiner Forderung, um nicht noch mehr böses Blut zu 
machen; sein Sohn, der eiserne Friedrich, hat spüter anders gehandelt. 
Der Burggraf hatte eine schwere Aufgabe! Gehaßt vom Adel, ohne 
Vertrauen beim Volke, sollte er Ordnung schaffen in dem verwahrlosten Lande. 
Er befand sich mitten unter Feinden. Der Adel stand gerüstet, Dietrich von 
Quitzow hatte sogar ein Bündnis mit den jungen Herzögen Casimir und 
Otto von Pommern-Stettin geschlossen, und gegen alle diese Feinde stand 
Friedrich fast allein. Er verzweifelte nicht, sondern rüstete sich mi ernster 
Ruhe zu dem unvermeidlichen Kampfe. 
Mit den der Mark benachbarten Fürsten schloß er Bündnisse, die Städte 
kettete er an sich durch freiwillige Bestätigung aller ihrer Privilegien und 
Freiheiten, so hatte er auch die von Berlin und Cöln schon am 6. Zuli 1412 
bestätigt. Von Stadt zu Stadt zog er persönlich, und überall erwarb er sich 
durch sein leutseliges, wahrhaft fürstliches Wesen neue Anhänger und erhielit 
die freudige Huldigung des Volkes. Während Friedrich auf diese Weise sich 
bemühte, festen Fuß im Lande zu fassen, bereitete er sich zum ernsten Kampfe 
gegen den Adel vor. Er schrieb Briefe über Briefe an seine in Nürnberg 
zurückgebliebene Gemahlin und forderte sie auf, ihm aus Frantken Hülfs— 
truppen zu senden, denn er erkannte sehr wohl, daß er ohne eine solche 
Unterstützung schwerlich imstande sein werde. dem mächtigen Adelsbunde zu 
widerstehen. 
Es kam früher zum Kampfe, als Friedrich geglaubt und gewünscht hatte. 
Die Quitzows sahen mit Sorge, daß der Burggraf mit jedem Tage im Lande 
einen größeren Anhang gewann; ihre eigene Macht schwantkte, denn die vom 
Kaiser wegen ihres Widerstandes gegen Friedrich über sie verhängte Acht machte 
doch manchen ihrer Bundesgenossen besorgt, sie drängten deshalb zum Beginn
	        
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