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Elfte Abteilung. Berlin unter der Regierung Friedrich Wilhelms III. bis zu dessen Tode

Full text: 500 Jahre Berliner Geschichte / Streckfuß, Adolf (Public Domain)

Der Brand des Schauspielhauses am 29. Juli 1817. 579 
Mit den „Brüdern“ des Terenz und den „Gefangenen“ des Plautus wurde 
am 6. Oktober 1815 und am 21. Juni 1816 der erste Versuch der Masken 
gemacht. Der Kreis der Shakespeareschen Dramen wird durch „Heinrich IV., 
Jund II. Teil“, „König Johann“, „Richard“, „Was ihr wollt“, „List und 
Liebe“, „Weiber von Windsor“ u. s. w. erweitert. Arbeiten unserer besten 
Dichter wie Goethe, Z3. Werner, H. v. Kleist, Körner, Müllner, Oehlenschläger, 
Raupach, Grillparzer, Houwald, Schenk, Fouqué, Robert, Auffenberg sowie 
die ersten Gaben jüngerer, in dieser Zeit aufblühender Talente, wie Holtei, 
W. Alexis, M. Beer, Maltitz und Uechtritz, wurden auf das freudigste be— 
grüßt. Den Reigen der musikalischen Feste eröffnete Mozarts „Zauberflöte“; 
Glucks „Alceste“, „Armide“ und „Iphigenia“, Beethovens „Fidelio“, Hoff— 
manns „Undine“, Spohrs „Jessonda“, Cherubinis „Abencerragen“, Meyer— 
beers „Emma von Rodburg“, Aubers „Maurer“, „Der Schnee“, Boieldieus 
Weiße Dame“, folgten; Spontinis Opern gingen mit allem Glanze in Scene, 
Rossini ließ sich in ,Tankred“, „Othello“, im „Barbier von Sevilla“, in der 
„Diebischen Elster“ und „Elisabeth“ hören. Auch die Kunst des Tanzes 
wurde gepflegt. Mit einem Wort: Kein dramatisches Produkt von entschie— 
denem Werte, insofern es nur irgend darstellbar war, blieb dem Publikum fremd.“ 
Zu den gewaltigen Schwierigkeiten, mit denen Graf Brühl zu kämpfen 
hatte, und welche er glücklich überwunden hat, um dem Berliner Theater 
einen weltberühmten Ruf zu verschaffen, kam noch eine, die größte von allen, 
der Brand des Schauspielhauses. Am 28. Juli 1817 war in dem alten 
Hause mit dem neuen Schauspiel von Kotzebue „Der kranke Mann und die 
bornehmen Leute“ die Reihe der Vorstellungen geschlossen, denn am folgenden 
Tage ging das Theater in Flammen auf. Das Feuer entstand während der 
Probe der „Räuber“ und griff so schnell um sich, daß der Schauspieler Carls— 
berg, der erst vierzehn Tage vorher engagiert worden war und die Räum— 
lichteiten des Hauses nicht so gut kannte wie die übrigen im Hause anwesenden 
Mitglieder, sich nicht ins Freie retten konnte und im Feuer umkam. Noch 
am 11. August brannte der Schutt ganz hell in den gewölbten Gängen, so 
daß die Ueberreste des unglücklichen Carlsberg erst am 14. August auf dem 
katholischen Kirchhofe zur Ruhe bestattet werden konnten. Die Zerstörung des 
Schauspielhauses war zwar für die Residenz ein schwerer Verlust, der Energie 
des Grafen Brühl aber verdankten es die Berliner, daß die Theatervor⸗ 
stellungen ohne Unterbrechung fortgesetzt wurden. Im großen Opernhaufe 
wurden fortan Stücke jeder Gattung zur Aufführung gebracht. 
Der Bau des neuen Schauspielhauses war für die preußische Residenz— 
stadt eine unbedingte Notwendigkeit. Friedrich Wilhelm III. gab deshalb 
schon im Jahre 1817 den Befehl zum Wiederaufbau nach einem von 
Schinkel gefertigten Plane. Am 4. Juli 1818 wurde der Grundstein mit 
den üblichen Feierlichkeiten gelegt, und im Jahre 1821 konnte das herrliche, 
neue Schauspielhaus eröffnet werden. 
Im Jahre 1828 trat an die Stelle des Grafen Brühl als General— 
intendant der Königlichen Schauspiele der Graf Wilhelm von Redern. Er 
fand die Berliner Buͤhne im Zenit ihres Glanzes; ein Schauspiel, in welchem 
Ludwig Devrient, Rebenstein, Gern Vater und Sohn, Weiß, die Wolff, die 
Crelinger, eine Oper, in der die Milder, das Fräulein von Schaetzell und 
Indere tüchtige Kräfte zusammen wirkten. Graf Redern hatte daher nur 
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