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Elfte Abteilung. Berlin unter der Regierung Friedrich Wilhelms III. bis zu dessen Tode

Full text: 500 Jahre Berliner Geschichte / Streckfuß, Adolf (Public Domain)

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Maler und Bildhauer. 
verkäuflichen Werken Berliner Künstler, erzielte für einige Zeit recht be— 
deutende Erfolge. 
Eine eigentliche Kunstschule aber hatte Berlin nicht. Die Akademie 
der Künste sollte zwar dazu dienen, junge strebende Künstler auszubilden, aber 
fie erreichte diesen Zweck nicht, es fehlte ihr der freie, frische Geist. Der 
Unterricht wurde schablonenmäßig erteilt, und bei Anstellung der Lehrer war 
oft der bureautratische Zopf mehr maßgebend als die künstlerische Befähigung. 
Höchst nachteilig wirtte es auch auf die Akademie, daß Wilhelm Schadow 
zum Direktor der Kunstakademie in Düsseldorf ernannt wurde. Mehrere 
seiner talentvollsten Schüler folgten ihm dorthin, wo sie ein freieres akade— 
misches Leben als in der Hauptstadt fanden. Berlin wurde deshalb von 
Düsseldorf überflügelt, und auf allen Ausstellungen ernteten die Düsseldorfer 
Bilder weit größeren Beifall als die Werke Berliner Künstler, obgleich sich 
bald eine gewisse Einseitigkeit der Düsseldorfer Schule herausstellte, während 
die Berliner Kunstwerke, gerade weil es in der Hauptstadt eine eigentliche 
Kunstschule nicht gab, ihre volle Individualität bewahrten. Trotz der 
Mangelhaftigkeit der Akademie wurde doch auch in Berlin mancher tüchtige 
Künstler herangebildet, allerdings weniger in der Staatsschule als in den 
Privat-Ateliers talentvoller Meister. Besonders berühmt waren die Ateliers 
der Maler Wach und Begas. 
Von namhaften Malern, deren Bilder in jener Zeit auf den Aus— 
stellungen Aufsehen machten, nennen wir Heniel. Herbig, Schröter, Magnus, 
Rösel, Agricola, Völcker u. s. w. 
Unter den Bildhauern nahmen Schadow und Rauch die erste Stelle 
ein, ihnen schlossen sich Tieck und die beiden Gebrüder Wichmann an. Erst 
in den letzten Jahren des Zeitraums, der uns beschäftigt, wurde auch Kiß 
biel genannt, er machte sich durch seine Amazone“) einen berühmten Namen. 
Von allen Künsten ging die Musik am meisten in das Volk über, sie 
nahm in Berlin fast die erste Stelle ein. Es gab wenige gebildete Familien, 
die nicht einen Flügel oder mindestens ein tafelförmiges Klavier besessen 
hätten. Der Klavierunterricht gehörte zu den ersten Anforderungen der 
Jugendbildung. Jedes junge Mädchen der besseren Stände mußte Klavier 
spielen können. Die Konzerte zureisender, berühmter Musiker wurden zahlreich 
besucht, und die sonst ziemlich sparsamen Berliner opferten für den Genuß 
eines Konzerts gern ihren Thaler, ja als Paganini nach Berlin kam, sogar 
das bisher unerhörte Eintrittsgeld von 2 Thalern für ein Billet. Die Musik 
war das Lieblingsthema der Gespräche aller auf Bildung Anspruch machenden 
Kreise, und oft geuug wurde mit Heftigkeit in den Gesellschaften über die 
verschiedenen Schulen gestritten. Die Anhänger der deutschen Klassiker, wenn 
wir uns dieses Ausdrucks bedienen dürfen, standen in erbitterter Feindschaft 
den Freunden der leichten italienischen und französischen Musik gegenüber. 
Ueber die Werke Spontinis, dessen Anstellung als General⸗-Musikdirektor schon 
in vielen Kreisen böses Blut gemacht hatte, gab es die heftigsten Kämpfe. 
Die einen erzählten triumphierend, Zelter habe, als er aus Spontinis Epor 
*) Kiß hatte schwere Kämpfe zu bestehen, ehe er sein Meisterwerk, welches jetzt 
das Museum schmückt, zur Vollendung bringen konnte. Das Modell war im Laacer— 
haus ausgestellt. es wurde viel bewundert. aber auch schwer getadelt.
	        
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