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Elfte Abteilung. Berlin unter der Regierung Friedrich Wilhelms III. bis zu dessen Tode

Full text: 500 Jahre Berliner Geschichte / Streckfuß, Adolf (Public Domain)

Wissenschaft und Runst. 
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stadt Deutschlands geworden ist, ein Ruhm, der sich in dem Namen Spree— 
athen, welchen Berlin in jener Zeit sich erwarb, aussprach. 
Den Mittelpunkt des gelehrten Lebens in Berlin bildete naturgemäß 
die Universität. Sie blühte nach den Befreiungskriegen schnell und glänzend 
empor. Die früher gehegte Befürchtung, daß Berlin sich nicht zur Universität 
eigne, zeigte sich bald als gänzlich unbegründet. Wenn auch einzelne 
Studierende den Verführungen der großen Stadt nicht zu widerstehen ver— 
mochten und sich zügellosen Ausschweifungen hingaben und endlich darin 
untergingen, so war doch ihre Zahl eine verschwindend kleine. Gerade der 
Umstand, daß in der großen Stadt die Studierenden fast verschwanden, daß 
sie nicht im stande waren, sich die Geltung zu verschaffen, die sie in kleinen 
Universitätsstädten besaßen, trug wesentlich dazu bei, dem Universitätsleben 
in Berlin die Ausschweifungen fern zu halten, durch welche es in anderen 
Städten oft befleckt wurde. Auf der Berliner Universität waren die Vor— 
lesungen am fleißigsten besucht, die Universität war eine wahre Arbeits— 
universität. Hierzu trugen freilich auch die trefflichen Kräfte bei, welche durch 
Altensteins Fürsorge für alle Fächer der Wissenschaft gewonnen worden waren, 
und welche der Berliner Universität“) einen weit über die Grenzen Deutsch— 
lands reichenden Ruf verschafften. Aus allen europäischen Ländern vereinten 
sich in Berlin die Jünger der Wissenschaft, teils um die Vorlesungen der 
Universität zu hören, teils um sich in Verbindung zu setzen mit den zahl— 
reichen Gelehrten, welche in der preußischen Hauptstadt ihren Wohnsitz ge— 
nommen hatten, ohne eigentlich zur Universität zu gehören, teils um die 
wissenschaftlichen Institute, die Bibliothek, die Sammlungen, die Laboratorien 
und die öffentlichen Krankenanstalten zu besuchen. Um unseren Lesern ein 
Bild der reichen Vereinigung wissenschaftlicher Kräfte in Berlin zu geben, 
wollen wir einige Namen nennen; eine eingehende Geschichte der Wissenschaft 
in Berlin würde uns zu weit führen. 
Die Naturwissenschaften wurden mit besonderer Vorliebe von den 
Berlinern getrieben. Wo Männer wie Alexander von Humboldt, Erman, 
Link, Lichtenstein, Hermbstädt, Weiß, Mitscherlich, Heim, Ehrenberg, von 
Schlechtendal, Kunth, die Gebrüder Rose, Wiegmann, Schulz u. a. wirkten, 
da mußte wohl Gedeihliches geschaffen werden. — Für Geographie und Ge— 
schichte waren Ritter, Alexander von Humboldt, Leopold von Buch, von 
Raumer, Wilken u. a. thätig. — In den Syrachwissenschaften hatte Bopp, 
*) Als Vorschulen für die Universität diente eine Reihe von Gymnasien, an 
denen vortreffliche Lehrkräfte vereint waren. Die Berliner Gymnasien hatten sich einen 
berechtigten Ruf erworben, sie vereinten viele Zöglinge aus den Provinzen in sich. In 
dem Zeitraum von 1815 — 1840 bestanden bereits das Joachimsthalsche Gymnasium, 
das Kloster, das Friedrich-Werdersche Gymnasium, das Friedrich-Wilhelms-Gymnafium 
in der Friedrichstraße, mit dem auch die Realschule und eine Mädchenschule unter dem 
Namen Elisabethschule verbunden waren, das Französische Gymnasium, das Cölnische 
Realgymnasium. Von anderen höheren Schulanstalten nennen wir: die Gewerbeschule 
und das Schullehrerseminar in der Oranienburgerstraße. Zur Vorbereitung für die 
Gymnasien dienten viele höhere Knabenschulen, welche meistens von Privatvorstehern 
geleitet wurden. Der Volksunterricht wurde in den sogenannten Parochialschulen und 
in elf Armenschulen erteilt; er war in vieler Beziehung noch mangelhaft, und erst nach 
dem Jahre 1840 hat er sich durch die Fürsorage der städtischen Behörden bedeutend gehoben.
	        
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