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Elfte Abteilung. Berlin unter der Regierung Friedrich Wilhelms III. bis zu dessen Tode

Full text: 500 Jahre Berliner Geschichte / Streckfuß, Adolf (Public Domain)

Straßenreinigung und Straßenbeleuchtung. 559 
Mittel reichten, straßenweise ausgeführt würde. Im Jahre 1830 wurde die 
Hundesteuer eingeführt und im Jahre 1835 eine eigene Verordnung erlassen, 
welche die Bestimmungen über die regelmäßige Legung des Trottoirs ent— 
hielt und den Grundbesitzern die Zurückerstattung von */s des Kostenpreises 
zusicherte. Durch Einführung dieser Ordnung gelang es, bis zum Jahre 1840 
die meisten belebten Straßen der Stadt mit Trottoirs zu versehen. 
Eine wunde Stelle der Großstadt Berlin bot in dem Zeitraum von 1815 
bis 1840 noch immer die Straßenreinigung. Der schlechte Witz: „Die Berliner 
Rinnen (Berlinerinnen) stinken sehr“ wurde oft gehört und hatte seine Be— 
rechtigung. Selbst in den besten Stadtteilen konnte man es in den Sommer— 
monaten kaum vor dem pestilenzialischen Geruch der stagnierenden Rinnsteine 
aushalten. Dämme und Bürgersteige starrten vor Schmutz, und an heißen, 
trockenen Tagen lagerte über der ganzen Stadt eine dichte Staubwolke. Nur 
Unter den Linden wurde der mittlere Spaziergang auf öffentliche Kosten be— 
sprengt, sonst blieb die Straßensprengung den Hauseigentümern überlassen 
und wurde von diesen sehr lässig betrieben. Um Eis und Kot von den 
Plätzen und Brücken fortzuschaffen, waren in ganz Berlin 18 Straßenknechte 
unter drei Schirrmeistern angestellt. In den Straßen selbst lag die Reinigung 
den Hauseigentümern ob, welche den angehäuften Gassenkot und im Winter 
Eis und Schnee auf ihre Kosten aus der Stadt schaffen sollten. Die Folge 
einer solchen Einrichtung waren die stinkenden Rinnsteine, der unergründliche 
Schmutz bei nassem, der unerträgliche Staub bei trockenem Wetter. 
Einen bedeutsamen, großstädtischen Fortschritt machte in dem Zeitraum 
von 1815—1840 das Erleuchtungswesen, aber auch hier ging wieder der An— 
stoß nicht von den städtischen Behörden, sondern von der Regierung aus. Bis 
zum Jahre 1826 war Berlin nur durch Oellampen beleuchtet, traurige 
Laternen, welche kaum das tiefe Dunkel in den Straßen auch nur einiger— 
maßen zu erhellen vermochten. Eine Verbesserung des Beleuchtungswesens 
wurde mit dem Anwachsen der Stadt der öffentlichen Sicherheit und der 
Sittlichkeit wegen zur uuübedingten Notwendigkeit, und es durfte daher als 
ein Fortschritt begrüßt werden, als am 21. April 1825 das Ministerium des 
Innern und der Polizei mit einer englischen Gesellschaft einen Vertrag ab— 
schloß, durch welchen diese sich verpflichtete, den größten Teil der innerhalb der 
Ringmauern Berlins belegenen Straßen und Plätze durch Gas zu erleuchten. 
Die städtischen Behörden wurden dabei nicht weiter gefragt, der Vertrag auf 
21 Jahre bis zum 1. Januar 1847 abgeschlossen, ohne Magistrat und Stadt— 
verordnete über seine Bestimmungen zu hören. Nach diesem Vertrage belief 
sich die Zahl der aufzustellenden Laternen im ganzen auf 2719, von denen 
1789 durch Gas, 930 mit Oellampen beleuchtet werden sollten. Die Imperial— 
Kontinental⸗Gas-Association verpflichtete sich die Straßenlampen 1300 Stunden 
jährlich brennen zu lassen; sie erhielt dafür eine jährliche Entschädigung von 
31,000 Thalern; außerdem übernahm sie durch den Vertrag die Ver— 
pflichtung, Theater, Kaffeehäuser, Läden, Privatwohnungen auf Verlangen 
mit Gaslicht unter billigen Bedingungen in den Straßen, durch welche sie 
die Röhren führen würde, zu beleuchten, während sie andererseits dazu das 
ausschließliche Privilegium erhielt. Am 19. September 1826 strahlten Unter 
den Linden die ersten Gasflammen ihr Licht aus, und damals glaubten die 
Berliner als sie in dichten Scharen von den Linden bis zur Schloßbrücke
	        
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