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Zweite Abteilung. Berlin im 15. Jahrhundert

Full text: 500 Jahre Berliner Geschichte / Streckfuß, Adolf (Public Domain)

Zweite Abteilung. 
Berlin im 15. Jahrhundert. 
Erstes Kapitel. 
in neues Jahrhundert, nicht aber eine neue Zeit! Die Mark Branden— 
burg war im ersten Jahrzehnt des 15., wie im vergangenen Jahr— 
hundert, der Schauplatz ununterbrochener kleiner Kriege, teils 
der einzelnen Adligen untereinander, teils derselben mit den Städten 
oder mit den Fürsten benachbarter Länder. 
Die schwachen Statthalter Jobsts von Mähren vermochten nirgends 
das Ansehen des Landesfürsten aufrecht zu erhalten, denn Jobst unterstützte 
sie nicht, er war zufrieden, wenn sie ihm möglichst große Geldsummen 
übersendeten; sonst aber kümmerte er sich um die Regierung nicht weiter, 
und überließ es seinen Statthaltern, mit dem aufsässigen märkischen Adel 
fertig zu werden, wie sie wollten und konnten. Kein Mittel war ihm zu 
schlecht, um aus der Mark beträchtliche Summen herauszuvressen, selbst das 
des Betruges scheute er zu diesem Zwecke nicht. 
Es war in jener Zeit sehr gebräuchlich, daß ein Fürst, der Geld 
brauchte, sich dasselbe durch Verpfändung eines Schlosses oder Gutes oder 
selbst einer Stadt verschaffte. Der Darleiher des Geldes erhielt dadurch 
das Recht, das Pfand in jeder Weise auszunutzen, die sämtlichen Steuern 
und Zölle zu erheben, als ob er wirklicher Eigentümer gewesen wäre, er 
hatte nur die Pflicht, wenn ihm zur rechten Zeit die Pfandsumme zurück— 
gezahlt wurde, das Pfand zurückzugeben. Für die Städte hatte dies System 
große Nachteile, denn es diente dazu, den ohnehin schon übermächtigen Adel 
noch mehr zu kräftigen. Ein Schloß nach dem audern war in den Pfandbesitz 
reicher Adliger übergegangen und dadurch eine Räuberherberge geworden, von 
welcher aus die Landstraßen unsicher gemacht wurden. Wenn früher oft die 
Schlösser der Landesherren den von adligen Räubern verfolgten Kaufmanns— 
karawanen als hochwillkommener Zufluchtsort gedient hatten, so mußten sie 
jetzt gemieden werden, da sie die Stütze der feindlichen Macht waren. 
Als Jobst im Jahre 1409 in die Mark und auch nach Berlin kam 
und versuchte, eine bedeutende Geldsumme von dem Stadt- und Landada 
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