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Zehnte Abteilung. Berlin zur Zeit der Franzosenherrschaft und der Freiheitskriege (1806-1815)

Full text: 500 Jahre Berliner Geschichte / Streckfuß, Adolf (Public Domain)

Der Tod der Königin Cuise am 19. Juli 1810. 503 
das Verhältnis eines rechtlichen Vertrages her und machte es überhaupt 
möglich, daß ein Dienstbote vor Gericht Recht gegen den Herrn zu erlangen 
vermochte. 
Von besonderer Wichtigkeit für den gesellschaftlichen und gewerblichen 
Verkehr Berlins war eine Verordnung vom 11. März 1812, welche die 
Juden in Preußen von vielen Ausnahmebestimmungen befreite, denen sie 
bisher unterworfen gewesen waren. Die besonderen Judenabgaben sollten 
fortan wegfallen, die Juden brauchten nicht mehr zu den Ehebündnissen, die 
sie schließen wollten, eine höhere Genehmigung einzuholen. Das Gesetz 
vom 11. März warf alle diese Freiheitsschranken nieder. Die bisher im 
Staate heimisch gewesenen Juden sollten fortan als preußische Staatsbürger 
anerkannt werden, sie erhielten, wie sie gleiche Lasten mit den übrigen Bür— 
gern tragen mußten, auch gleiche Rechte. 
Zweites Kapitel. 
Am 9. Juli 1807 war der Friede zu Tilsit zwischen Frankreich und 
Preußen geschlossen worden, aber erst am 23. Dezember des Jahres 1809 
kehrte der Hof von Königsberg nach Berlin zurück. Die Stadt bereitete 
dem Königspaare einen festlichen Empfang; von Weißensee bis zum Schlosse 
in Berlin waren Ehrenpforten aufgebaut, die Bürger bildeten Spalier, Ab— 
ordnungen des Magistrats und der Stadtverordneten, an ihrer Spitze der 
Oberbürgermeister v. Gerlach, empfingen das Königspaar mit patriotischen 
Ansprachen, welche den freudigen Gefühlen der Bürgerschaft über die Rückkehr 
des hohen Paares in seine Residenz Ausdruck verliehen.“) Mit Einbruch der 
Nacht war die ganze Stadt glänzend erleuchtet, und eine große Volksmenge 
bewegte sich in den prächtig geschmückten Straßen; auch das Königspaar 
nahm in einem der Königin zur Feier des Tages von der Stadt geschenkten 
Wagen die Erleuchtung der vornehmsten Straßen in Augenschein. 
Nicht lange währten die Tage der Freude. Die Gesundheit der Königin 
Luise war schon in Königsberg nicht gut gewesen, die lange Reise im Winter 
hatte sie aufs neue angegriffen. Am 25. Juni reiste sie nach Strelitz, ihrer 
Heimat, um in der ruhigeren und frischeren Umgebung Genesung zu suchen; 
Friedrich Wilhelm folgte ihr bald dorthin. Ihre Hoffnung ging nicht in Er— 
füllung, am 19. Juli 1810 machte der Tod ihrem qualvollen Leiden ein Ende. 
Die Nachricht vom Tode der Königin Luise verbreitete in ganz Preußen die 
tiefste Trauer, besonders in Berlin war die Teilnahme des Volkes allgemein; 
die schöne Königin war beliebt gewesen, wie felten eine Fürstin. Die Leiche 
der teuren Verstorbenen wurde in feierlichem Zuge nach Berlin gebracht. 
Am 30. Juli abends gegen 8 Uhr erfolgte die einstweilige Beisetzung 
des Sarges in der Sakristei der Domkirche mit den üblichen Feierlichkeiten. 
) Im Andenken an den festlichen Einzug des Königs erhielt die Bernauer Straße 
und das Bernauer Thor die Namen Neue Königsstraße und Königsthor.
	        
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