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Zehnte Abteilung. Berlin zur Zeit der Franzosenherrschaft und der Freiheitskriege (1806-1815)

Full text: 500 Jahre Berliner Geschichte / Streckfuß, Adolf (Public Domain)

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Berlin zur Zeit der Franzosenherrschaft 
und der 
Freiheitskriege (1806 -1815). 
R4— 
Erstes Kapitel. 
tief in das Volksleben eingreifenden Reformen, welche in den dem 
Frieden von Tilsit folgenden Jahren von Stein, Hardenberg und 
Scharnhorst im preußischen Staatswesen begründet wurden, ge— 
hören der allgemeinen Landesgeschichte an. Wir schildern sie nur 
insoweit, als sie durch ihre alle Verhältnisse durchdringenden Folgen auch die 
Geschichte unserer Stadt tief berühren. 
Während Scharnhost unablässig bestrebt war, die Heeresreform zu 
vollenden, arbeitete Stein nicht minder thätig daran, den tief gesunkenen 
preußischen Staat wieder zu erheben. Sein erstes und vorzüglichstes Werk 
galt der Begründung einer neuen Städteordnung, deren Zweck es war, den 
Städten die volle Freiheit der Selbstverwaltung, welche sie in früheren Jahr— 
hunderten genossen hatten, in einer der Neuzeit entsprechenden Verfassung 
zurückzugeben, jener berühmten Städteordnung vom 19. November 1808, 
welche die Grundlage der heute noch bestehenden, freilich vielfach veränderten 
Städteordnung ist. Betrachten wir sie in ihren Grundzügen etwas näher. 
Die Staatsregierung sollte sich in die Gemeindeverwaltung nur mischen, 
um die allgemeinen Staatsgesetze aufrecht zu erhalten und die Vermögens— 
kontrolle der Städte zu überwachen, außerdem dann, wenn es galt, Streitig— 
keiten zwischen den Gemeindebehörden zu schlichten. Zur Selbstregierung der 
Gemeinden sollten zwei Behörden, eine gesetzgebende, die Stadtverordneten, 
imd eine verwaältende, der Magistrat, eingesetzt werden; beide sollten in kolle⸗ 
gialischer Form beraten und beschließen, die Stadtverordneten von der Bürger— 
schaft, der Magistrat von den Stadtverordneten gewählt werden; für die 
Wahl des Magistrats aber behielt sich die Staatsbehörde die Zustimmung 
hor. Um die Wahl der Stadtverordneten durch die Bürgerschaft zu bewerk— 
stelligen, war bestimmt, daß jede Stadt in Bezirke abgeteilt würde. Berlin 
Inzein 102 Bezirke, die lange Zeit bestanden haben, geschieden. Für die
	        
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