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Neunte Abteilung. Berlin im letzten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts und am Anfang des 19. Jahrhunderts

Full text: 500 Jahre Berliner Geschichte / Streckfuß, Adolf (Public Domain)

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Verkehrshemmnisse. 
es denn, daß ein Gegenstand, der schon an einem Ort die Accise ge— 
zahlt hatte, am anderen Orte nochmals veraccist werden mußte. Es war 
nötig, eine sogenannte Ergänzungs- oder Nachschußaccise zu bezahlen. Wer 
von Berlin aus nach anderen preußischen Orten accisbare Waren verschicken 
oder solche von einer Provinzialstadt 
nach Berlin kommen lassen wollte. 
mußte sich einen Passierschein dafür 
besorgen, und dieser wurde an den 
Thoren genau geprüft. Schwere Stra— 
fen trafen den Defraudanten. Es 
leuchtet ein, wie lästig für den gesamten 
Verkehr eine solche Einrichtung war. 
Während jetzt die Fremden zur Weih⸗ 
nachtszeit in großer Zahl nach Berlin 
kommen, um hier ihre Einkäufe für 
das Fest zu machen, wurde ihnen dies 
in jener Zeit meistens leid. Es war 
viel zu unbequem, den lästigen Passier⸗ 
zettel zu lösen, der jedes Stück Ware 
dbegleiten mußte, wenn es nicht für 
Kontrebande erklärt werden sollte. 
Wenn auch die Kaufleute meistens 
besorgt waren, fremden Einkäufern 
solche Passierzettel zu besorgen, so machte 
doch schon die Unbequemlichkeit, welche 
damit verbunden war, das Geschäft 
stocken. Durch derartige Förmlichkeiten, 
deren wir noch viele, welche damals 
auf dem Verkehr und der Fabrikation 
ruhten, anführen könnten, wurde der Handel gehemmt, er beschränkte sich 
wesentlich auf das, was in der großen Stadt selbst gebraucht wurde; dadurch 
allein aber bot er schon der Spekulation einen ziemlich weiten Spielraum, 
und es gab daher eine ansehnliche Anzahl von Kaufleuten, welche sich durch 
glückliche Unternehmungen ein schönes Vermögen erwarben. 
Großer Reichtum herrschte in Berlin freilich nicht, denn das alte Sprich⸗ 
wort „wie gewonnen, so zerronnen“, fand gerade in der preußischen Residenz 
seine weiteste Anwendung. Bot die große Stadt den Kaufleuten und Hand 
werkern Gelegenheit, leichter als in der Provinz Geld zu verdienen, so bot 
sie auch die, es schneller zu vergeuden. Kaufleute und Handwerker wett 
eiferten in einem ihre Kräfle übersteigenden Luxus, und die Folge war eine 
Verarmung vieler Familien, die Bildung eines großstädtischen Proletariats, 
welches sich in Berlin schon im Anfange des Jahrhunderts recht wider— 
lich zeigte. 
So lange der Frieden dauerte, trat die Armut der Stadt noch nicht 
besonders grell hervor, als aber in dem unglücklichen Jahre 1806 der Krieg 
ausbrach, da zeigte es sich, daß der äußere Schein des Wohlstandes, den die 
Residenz bisher aufrecht erhalten hatte, trügerisch war. Die Mittel fehlten, 
um die schweren Kriegslasten zu tragen. Mit furchtbarer Schnelligkeit griff
	        
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