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Achte Abteilung. Berlin zur Zeit Friedrichs des Großen

Full text: 500 Jahre Berliner Geschichte / Streckfuß, Adolf (Public Domain)

Friedrichs des Großen Tod am 17. August 1786. 451 
hing, so können wir uns die Kleidung eines Stutzers jener Zeit vorstellen 
und haben nur noch das zierliche, mit einem Bernsteinknopf versehene Stöckchen 
zu erwähnen, welches die jungen Stutzer stets sehr anmutig in der Hand 
zu schwenken verstanden. 
Die letzten Regierungsjahre Friedrichs des Großen waren für den 
König eine traurige Zeit; das Alter mit seinen körperlichen Beschwerden 
hemmte den kühnen Flug des Geistes. Bis zum Jahre 1785 erfreute sich 
Friedrich einer ziemlich guten Gesundheit. Alljährlich litt er allerdings an 
GGicht und an Hämorrhoiden, und die Heimsuchung derselben steigerte sich 
mit jedem Jahr. Das große Herbstmannöver bei Potsdam, welches in dem 
Jahre 1785 besonders prächtig werden sollte, konnte Friedrich nicht mehr 
abhalten, er wohnte nur noch den am 10. September bei Berlin stattfindenden 
Artillerieübungen bei, dann kehrte er nach Potsdam zurück. Er sah Berlin 
nicht wieder. Während der letzten Wochen litt Friedrich unsägliche Schmerzen, 
aber gerade in dieser schweren Zeit gewann er wieder jene freundliche 
Liebenswürdigkeit, durch welche er sich früher so sehr ausgezeichnet hatte. 
Er wurde mild und duldsam gegen seine Gesellschafter und Diener, und er 
zeigte sogar große Schonung, als einige fromme Berliner den ungeschickten 
Versuch machten, ihn auf seinem Totenbett durch einen Brief zum wahren 
Christentum zu bekehren. „Man muß den Leuten höflich antworten, sie 
meinen es gut mit mir,“ sagte Friedrich lächelnd, als er den frommen 
Brief gehört hatte; in früherer Zeit würde er wohl anders geantwortet haben. 
Schon am 15. August hatte der schwere Todeskampf begonnen, er 
dauerte bis zum 17. August morgens 2 Uhr 20 Minuten mit kurzen Unter— 
brechungen, dann erst verließ — um Friedrichs eigene Worte zu gebrauchen — 
die Seele die abgenutzte Hülle. Friedrich starb in seinem Lieblingsschloß 
Sanssouci. 
Der Schmerz des Volkes über den Hingang des großen Königs war 
tief und aufrichtig. Zwar war die Begeisterung, welche die siegreichen 
Schlachten des siebenjährigen Krieges im Volk und besonders in dem von 
Berlin erzeugt hatte, längst verrauscht, und in frischem Andenten standen die 
Bedrückungen der französischen Regie, die Plackereien der Kaffeeriecher und 
manche scharfe Kabinettsordre, durch welche der König die Sympathien der 
Berliner verletzt hatte. Das Volk von Berlin liebte aber den großen König, 
und es hätte der Regierung des Nachfolgers, Friedrich Wilhelms II., nicht 
bedurft, um den Berlinern klar zu machen, was sie durch den Tod Friedrichs 
derloren hatten.
	        
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