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Achte Abteilung. Berlin zur Zeit Friedrichs des Großen

Full text: 500 Jahre Berliner Geschichte / Streckfuß, Adolf (Public Domain)

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Der Gendarmenmarkt. 
Eine ebenso gründliche Umformung als den Linden wurde auch dem 
Gendarmenmarkt, damals Friedrichstädtischer Markt genannt, zu teil; aber 
freilich erst nach dem siebenjährigen Kriege. Der Friedrichstädtische Markt 
war ein ziemlich unansehnlicher Platz; es standen die nicht sehr zierlichen 
Kirchen, die Französische und die Neue Kirche darauf, und um diese herum in 
zwei freistehenden Vierecken die Ställe für das Regiment Gensdarmen. Im 
Jahre 1773 ließ Friedrich diese Ställe fortreißen und durch Boumann den 
Vater 1774 das französische Komödienhaus erbauen. Die beiden Kirchen 
wurden durch zwei Türme geschmückt, welche freilich in einer seltsamen Dis 
harmonie mit dem Unterbau standen. Der Bau der Türme begann im Jahre 
1780. Friedrich, ein bereits alter Maunn, wollte vor seinem Ende noch den 
Bau vollendet wissen, er trieb deshalb fortwährend zur Eile. Der Baumeister 
Hauptmann v. Gontard konnte ihm nicht schnell genug vorwärtskommen und 
mußte deshalb zu Hilfsmitteln seine Zuflucht nehmen, welche die Festigkeit 
des Baues gefährdeten. Die Folge der übermäßigen Eile war, daß in der 
Nacht des 28. Juli 1781 der Turm der Neuen Kirche zusammenstürzte. Es 
war ein großes Glück, daß der Zusammensturz in der Nacht und nicht am 
Tage, wo so viele Arbeiter beim Bau beschäftigt waren, erfolgte; kein Mensch 
verlor dabei sein Leben. Friedrich war außer sich vor Zorn, als ihm das 
Unglück mitgeteilt wurde, er ließ den Hauptmann v. Gontard sofort verhaften 
und nach Spandau abführen, aber es stellte sich bald genug heraus, daß nicht 
Gontard, sondern der König selbst die Schuld daran trug, und so mußte denn der 
unschuldige Baumeister entlassen werden. Der Bau wurde von neuem begonnen 
und im Jahre 1785 vollendet. Um den von niedrigen, kleinen Häusern um— 
ringten Platz zu einer Zierde der Stadt zu machen, ließ der König von 1777 
bis 1785 auf seine Kosten nach Ungers Zeichnungen 13 und nach Gontards 
Zeichnungen 7 Häuser von Privatpersonen neu aufbauen. 
Auch die sogenannte Spandauer Vorstadt, in welcher vor Friedrich dem 
Großen nur wenige Häuser gestanden hatten, obgleich sie den belebtesten 
Straßen Berlins so nahe lag, wurde vom Könige durch Bauten bevorzugt. 
Hier entstanden ganz neue Straßen und Plätze. 
Bisher lag das Lustschloß Monbijou ziemlich abgeschnitten von der 
Stadt, Friedrich ließ die neue Friedrichsbrücke (später Herkulesbrücke) aus 
Holz erbauen und sorgte dafür, daß die Gegend in der Nähe von Monbijou 
angebaut wurde. Damals entstanden die Neue Friedrichstraße nach der Ab— 
tragung der Wälle, die Präsidentenstraße, welche nach dem Stadtpräsidenten 
Kircheisen ihren Namen erhielt. Nach dem Kommandanten der Stadt, dem 
Goͤneral v. Haacke, der sich bei diesen Bauten besonders thätig zeigte, wurde 
der Markt der Gegend Haackescher Markt genannt. Die Spandauerbrücke, 
welche die Verbindung des neuen Stadtteils mit Berlin bewirkte, wurde nach 
Ungers Zeichnung auf Befehl des Königs erbaut. 
Im Anschluß an die Spandauer Vorstadt entstand außerhalb der Ring— 
mauer eine neue Vorstadt, das Voigtland. Zwischen dem Rosenthaler und 
Hamburger Thore hatte bis zum Jahre 1753 das Hochgericht gestanden. 
Dieses wurde abgebrochen und unter den üblichen Feierlichkeiten, dem Aufzug 
der beim Bau beteiligten Gewerke, weiter hinaus vor die Stadt nach dem 
Wedding zu verlegt. Unmittelbar vor den Thoren wurde eine neue Vorstadt 
begründet.
	        
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