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Achte Abteilung. Berlin zur Zeit Friedrichs des Großen

Full text: 500 Jahre Berliner Geschichte / Streckfuß, Adolf (Public Domain)

Die Akademie der Wissenschaften. 
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Außer diesen öffentlichen Anstalten bestand eine Anzahl von Privatschulen, 
welche sich meist die Aufgabe stellten, die Knaben jüngeren Alters für die 
höheren Lehranstalten vorzubereiten, von denen aber auch einige einen weiter 
greifenden Unterrichtsplan hatten. Diese Schulen waren für die wohlhabende 
Klasse der Berliner Bevölkerung berechnet, die niedere Volksklasse fand ihren 
Unterricht in den sogenannten Nebenschulen und Freischulen. Die Freischulen 
erteilten den Kindern der Armen vollständig freien Unterricht, da sie aber 
für die große Bevölkerung nicht ausreichten, so bezahlte der Magistrat für 
hiele arme Kinder in den Nebenschulen, die von Privatleuten gehalten wur— 
den, ein Schulgeld für die Armenkinder. Zu den Freischulen gehörten auch 
die Garnison- und Regimentsschulen, in denen Soldatenkinder unentgeltlich 
unterrichtet wurden, sowie die von der französischen Kolonie gegründete école 
de charité und die jüdische Freischule. 
Zeigte Friedrich der Große nur ein geringes Interesse für das Schul— 
wesen Berlins und überließ er es seiner eigenen Entwickelung, so glaubte er 
doch für die Pflege höherer wissenschaftlicher Bestrebungen fördernd eintreten 
zu müssen. Er that es, indem er die unter der Regierung seines Vaters 
ganz in Verfall geratene Akademie der Wissenschaften neu belebte. Die deutsche 
Wissenschaft wurde aber dadurch nur mittelbar gefördert, denn seinem durch— 
aus französischem Bildungsgange gemäß schuf Friedrich auf deutschem Boden 
ein französisches Institut. Er zog bald nach seinem Regierungsantritt eine 
Anzahl berühmter Männer nach Berlin, um mit ihnen die Akademie neu zu 
begründen. Friedrich kannte die deutsche Wissenschaft nicht, da war es denn 
auch natürlich, daß er hauptsächlich Franzosen einlud, daß er seine wissen— 
schaftlichen Freunde vor allen deutschen Gelehrten bevorzugte. Er schloß die 
Deutschen von der neu zu begründenden Akademie nicht aus, weder im An— 
fange noch in der Folge; manche berühmte deutsche Gelehrte wie gleich an— 
fangs der Mathematiker Euler und später der Chemiker Markgraf u. a. sind 
Mitglieder der Akademie geworden; aber da er die deutschen Gelehrten kaum 
den Namen nach kannte, so mußte sein Augenmerk hauptsächlich auf Aus— 
länder fallen, auf Männer wie Maupertuis, Vaucanson, Algarotti u. s. w. 
Die alte Akademie war so vollständig zerrüttet, daß sie kaum eine Grund⸗ 
lage der neu zu errichtenden sein konnte; es kam hinzu, daß ein im Marstall 
ausgebrochenes Feuer im Jahre 1742 die Lokalitäten der Akademie nebst 
ihren kostbaren Sammlungen in Asche gelegt hatte. Die nach, Berlin ge— 
rufenen Gelehrten bildeten daher vorläufig unter dem Namen société littéraire 
eine wissenschaftliche Gesellschaft, welche sich bei dem Feldmarschall von Schmettau 
oder dem Minister von Borcke versammelte und mit Abfassung und Vorlesung 
von kleinen Denkschriften beschäftigte. Im Jahre 1744 waren endlich die 
Schwierigkeiten überwunden. Am 23. Januar konnte die neue Akademie ihre 
erste Sitzung im königlichen Schlosse halten. Sie führte den Namen Académie 
des Scicnees et belles lettres. Erst später baute ihr Friedrich ein neues 
Haus Unter den Linden, in welchem vom 1. Juni 1752 an die Sitzungen 
abgehalten wurden. 
Die Akademie war ganz nach dem Muster der Pariser eingerichtet. Der 
König hatte sich selbst das Protektorat vorbehalten und einige der höchsten 
Staalsbeamten zu Kuratoren ernannt. An der Spitze standen ein Präsident 
sd n Vicebräsident. Die Mitalieder, 24 an der Zahl, unter denen sich
	        
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