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Achte Abteilung. Berlin zur Zeit Friedrichs des Großen

Full text: 500 Jahre Berliner Geschichte / Streckfuß, Adolf (Public Domain)

110 Die Kaffeeriecher. — Das Tabaksmonopol. 
die Schmuggler konnten daher nur rohen Kaffee einführen, der von den 
Bürgern im geheimen selbst gebrannt werden mußte. Mit wie hoher Strafe 
auch das Brennen des Kaffees belegt war, die Berliner Hausfrauen ließen 
sich davon doch nicht abschrecken, und Friedrich sah sich deshalb veranlaßt, 
Kaffeeriecher anzustellen, welche die Aufgabe hatten, die Straßen der Residenz 
zu durchstreifen, um mit feiner“ Nase darin umherzuschnüffeln. Der durch— 
dringende Geruch, den der Kaffee beim Brennen ausströmte, verriet ihnen 
meist leicht, wo etwa eine Berlinerin das Gesetz umging. Das Volk von 
Berlin haßte diese Kaffeeriecher wie die Sünde und spielte ihnen manchen 
häßlichen Streich, besonders waren die Frauen äußerst aufgebracht. Alle 
Plackereien der Regie hätten sie dem Könige verzeihen können, aber daß er 
ihnen das Kaffeebrennen verbot, konnten sie nicht ertragen. Der Berliner 
Witz beschäftigte sich damals viel mit den Kaffeeriechern, und seine Schärfe 
traf mitunter auch den König selbst. 
Friedrich der Große ritt eines Tages die Jägerstraße entlang, da be— 
merkte er am Fürstenhause einen Menschenauflauf; das Volk lachte und 
schaute nach einem hoch an der Wand hängenden Zettel. Er schickte sogleich 
einen Adjutanten, um sich zu erkundigen, was denn dort geschehe; dieser kam 
mit einem verlegenen Gesicht zurück und teilte dem König auf dessen Fragen 
mit, daß ein Plakat gegen die Allerhöchste Person Sr. Majestät dort an— 
geschlagen sei. Friedrich scheute sich nicht, selbst nach dem Fürstenhause zu 
reiten. Er fand dort eine Karikatur auf seine eigene Person: Er selbst war 
auf einem Schemel sitzend abgebildet, eine Kaffeemühle zwischen den Knieen 
haltend. Die Karikatur hing so hoch, daß die Untenstehenden nur mit Mühe 
das Bild beschauen konnten. „Hängt es doch niedriger,“ rief der König, 
„damit die Leute sich nicht den Hals auszurecken brauchen!“ Mit einem 
guten Witz ist der Berliner stets zu gewinnen. Das Volk jubelte laut auf 
über den königlichen Befehl und riß die Karikatur in Stücke. 
Wie den Frauen Berlins die Kaffeebrennerei, so war den Männern 
die Tabaksfabrikation des Königs verhaßt, denn auch der Tabak war unter 
Friedrich dem Großen dem freien Verkehr entzogen. Im Jahre 1738 hatte 
der Kaufmann Samuel Schock aus Basel, ein Mitglied der französischen 
Kolonie, in Berlin eine große Rauch- und Schnupftabaksfabrik errichtet. 
Friedrich Wilhelm J. hatte ihm Staatsunterstützungen angeboten; Schock aber 
war von dem richtigen Grundsatz ausgegangen, daß ihn eine Unterstützung 
des Staats in seinem Geschäftsbetriebe uur hemmen könne. Er hatte diese 
deshalb ausgeschlagen und vortreffliche Geschäfte gemacht; seine gute Ware 
fand sowohl im Inlande als im Auslande reichlichen Absatz. Hierdurch wurde 
in Friedrich der Wunsch erregt, den Tabakshandel zum Monopol zu machen. 
Im Jahre 1765 geschah dies. Schock wurde reichlich entschädigt; ein franzö— 
sischer Kaufmann Roubaud, der in Marseille Bankerott gemacht hatte, und 
ein Italiener Anton von Calzabigi pachteten das Monopol für 1 Million 
Thaler. Um eine so gewaltige Pacht zahlen zu können, glaubten sie die 
Preise der Fabrikate in die Hoͤhe schrauben zu müssen, und sie thaten es in 
ungemessener Weise, aber zu ihrem Nachteil; denn wie sehr sie auch die 
Käufer dadurch kränkten und die Tabakspflanzer beim Einkauf bedrückten, so 
oermochten sie doch nicht zu bestehen. Sie mußten ihre Pacht an zehn 
Berliner Kaufleute, welche noch 100.000 Thaler mehr zu zahlen sich erboten.
	        
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