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Achte Abteilung. Berlin zur Zeit Friedrichs des Großen

Full text: 500 Jahre Berliner Geschichte / Streckfuß, Adolf (Public Domain)

Die Kaffeeordnung vom 21. Januar 1781. 409 
sindel, aus Leuten, die zum Teil schon auf den Galecren gewesen waren, 
mis Abenteurern, die in Frankreich keinen Lebensunterhalt mehr gehabt 
hatten, zum Teil von ihren Finanzstellen Betrugs wegen weggejagt und nun 
liach Preußen gekommen waren, um hier ihr Glück zu machen. Fast alle 
diese neuen Steuerbeamten zeichneten sich durch Habgier, Bestechlichteit und 
Lust zum Betruge aus. Häufig genug hielten 
sie Haussuchungen bei wohlhabenden Bürgern 
nur zu dem einen Zweck, daß ihnen ihr wider— 
wärtiges Eindringen in die Wohnung durch eine 
erkleckliche Bestechungssumme abgekauft würde. 
Der Verkehr litt außerordentlich durch die 
Gewaltthätigkeiten, welche die Diener der Regie, 
geschützt durch das Gesetz, fortwährend begingen, 
ind während Friedrich bestrebt war, den Haudel 
des Landes mit allen Mitteln zu heben, störte 
er ihn durch Einrichtung dieser Regie auf das 
empfindlichste. Der Regie reihte sich würdig die 
Monopolisierung vieler Verkaufsgegenstände an. 
Der Kaffee war das Lieblingsgetränk der 
Berliner geworden, und auch auf dem Lande 
verbreitete sich sein Genuß mehr und mehr. 
Friedrich glaubte daher mit Vorteil eine hohe 
Steuer auf ein Getränt legen zu können, welches 
er keineswegs als zum Bedürfnis der Armen 
gzehörig betrachtete. Anfangs wurde die Steuer 
einfach erhöht; als aber dies kein besonders 
züustiges Resultat ergab, denn es wurde nun 
bdiel Kaffee ins Land eingeschmuggelt, erschien 
die neue Kaffecordnung vom 21. Januar 1781. 
Das Kaffeebrennen wurde durch diese den 
Privaten bei strenger Strafe verboten, nur 
einzelne Privilegierte bekamen dazu die Erlaub— 
nis als eine besondere Begünstigung, welche je— 
doch nur in den Städten dem Adel, den Offi⸗ 
zieren, den Geistlichen, denMitgliedern derLandes— 
kollegien und einigen Hofleuten durch sogenannte 
Brennscheine erteilt wurde; die Brennscheine 
mußten bei dem königlichen Acciseamt mit 
Groschen bezahlt werden. Die Begünstigten 
konnten den ungebrannten Kaffee aus den königlichen Entrepots zu9 Groschen 
das Pfund kaufen, waren aber verpflichtet, mindestens 20 Pfund jährlich zu ver— 
brauchen. Das übrige Volk mußte seinen Kaffee gebrannt aus den königlichen 
Entrepots beziehen. Der gebrannte Kaffee war in blechernen Büchsen von 24 Lot 
derpackt, die mit der königlichen Verordnung beklebt waren. Die Büchse von 
21 Lot kostete 1 Thaler, bei Rückgabe der Büchse wurden 4 Groschen ver— 
zütigt. Der hohe Preis, für den der gebrannte Kaffee in den königlichen 
Entrepots verkauft wurde, war natürlich ein Anreiz zum Einschmuggeln. Die 
Jgebrannten Bohnen ließen sich schlecht transvortieren und verloren an Aroma;
	        
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