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Achte Abteilung. Berlin zur Zeit Friedrichs des Großen

Full text: 500 Jahre Berliner Geschichte / Streckfuß, Adolf (Public Domain)

386 Berlin während des siebenjährigen Krieges. 
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eine tranrige Pflicht zu erfüllen. Kaum in der Stadt angekommen, wurde 
ihm die Schmerzensnachricht, daß sein alter, geliebter Lehrer Duhan im 
Sterben liege. Der königliche Wagen fuhr durch die glänzend erleuchteten 
Straßen, auf dem Werder bog er in eine Winkelgasse, die heutige Adlerstraße, 
ein. Hier verließ Friedrich den Wagen, um den alten, teuren Freund noch 
einmal zu sehen. Er nahm Abschied von ihm für ewig; am folgenden Tage 
starb Duhan. 
Zweites Kapitel. 
Der Krieg war beendet. Friedrich konnte sich jetzt wieder ganz der 
Sorge für sein Land überlassen. Er konnte Reformen ins Leben rufen, 
welche er für die Entwicklung Preußens als unumgänglich notwendig be— 
trachtete. Er that es mit rastlosem Eifer. Wir werden in späteren Kapiteln 
Gelegenheit haben, auf die Friedensthätigkeit des Königs, so weit sie für die 
Geschichte Berlins von Bedeutung ist, näher einzugehen. Wir übergehen da— 
her für jetzt die Zeit des Friedens und wenden uns zur Erzählung der Er— 
eignisse des siebenjährigen Krieges, insofern sie Berlin betreffen. 
Auch Berlin wurde durch den siebenjährigen Krieg schwer betroffen. 
Die Residenz, welche so viele Jahre keinen Feind in ihren Mauern gesehen 
hatte, mußte zweimal einem feindlichen Heere ihre Thore öffnen. Ein kühner 
österreichischer General, Graf Haddick, machte der Stadt nach den verlorenen 
Schlachten bei Kollin und Großjägerndorf einen Besuch. Am 16. Ottober 
1757 erschien er mit einem Streifkorps von kaum 7000 Mann vor Berlin. 
Die Garnison der Stadt war nur schwach, denn Friedrich brauchte alle seine 
Soldaten auf dem Kampfplatze. Sie bestand aus 2 Bataillonen des Gar— 
nisonregiments v. Langen, aus dem Berlinischen Landregiment v. Lüderitz 
und einer Anzahl von Rekruten und sächsischen Ueberläufern, auf welche nicht 
viel zu rechnen war. Der Kommandant dieser unbedeutenden, nicht mehr 
als 3000 Mann zählenden Heeresmacht war Generallieutenant v. Rochow. 
Rochow hatte schon mehrfach durch Flüchtlinge die Nachricht erhalten, 
daß die Oesterreicher sich der Stadt nahten, aber mit unbegreiflichem Leicht— 
sinn wies er alle Warnungen von sich und behauptete, an einen Ueberfall 
der Hauptstadt durch die Oesterreicher sei nicht zu denken. Er unterließ es, 
irgend welche Anstalten zu einer Gegenwehr zu machen, und die Berliner 
glaubten sich daher in vollständiger Sicherheit. Erst am Morgen eines Sonntags, 
den 16. Oktober, kamen Boten über Boten, welche das Herannahen der Oester— 
reicher meldeten. Jetzt erst entschloß sich der Herr v. Rochow, im Lustgarten eine 
Lärmkanone aufzustellen, das Schlesische, Kottbuser und Hallesche Thor mit 
Wachen zu versehen und so wenigstens Anstalt zu treffen, daß die Stadt nicht 
ganz unvorbereitet überrumpelt werden könne. In den Straßen wogten die 
Volksmassen auf und nieder, da aber kein Oesterreicher sich sehen ließ, so 
ging man wie gewöhnlich in die Kirche, bis plötzlich die Nachricht sich ver— 
breitete, General Haddick sei mit einem ungeheuren Heere vor der Stadt. 
Im schlesischen Busche, jenem Erlenholze, welches sich vom Schlesischen Thore
	        
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