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Siebente Abteilung. Berlin zur Zeit Friedrich Wilhelms I.

Full text: 500 Jahre Berliner Geschichte / Streckfuß, Adolf (Public Domain)

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Friedrich Wilhelms Malereien. 
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bei einem Manne gefunden, der, obwohl kein bedeutender Künstler und seiner 
Befähigung nach in keiner Weise geeignet, der Direktor eines derartigen 
Instituts zu sein, sich doch um die Förderung der Kunst in Berlin ein wesent— 
liches Verdienst durch die Liebe zur Akademie erworben hat; es war der 
Hofmaler Weidemann, den Friedrich Wilhelm mit 600 Thalern Gehalt als 
Direktor der Akademie beibehielt, und der mit anerkennenswertem Eifer seine 
Stellung ausfüllte. Er tröstete die um ihre Zukunft besorgten Künstler und 
sprach ihnen Mut zu, er bemühte sich, alle die jungen Leute, welche Neigung 
zur Kunst hatten, aufzumuntern, und verwandte selbst seine geringen Mittel, 
um die öffentliche Ehre der Atademie aufrecht zu erhalten, indem er auf seine 
eigenen Kosten jährlich den Stiftungstag feierte und dabei Prämien unter 
die fleißigsten Schüler austeilte. 
Von allen Künsten liebte Friedrich Wilhelm am meisten die Malerei. 
Er glaubte selbst ein tüchtiger Maler zu sein, weil er oft, um sich die Zeit 
zu vertreiben, einige Stunden an der Staffelei zubrachte, und weil die 
Schmeichler ihm versicherten, er schaffe Kunstwerke. Wenn das Wetter schlecht 
war, oder wenn der König, wie dies oft geschah, am Podagra litt, so daß er 
nicht ausreiten konnte, ließ er den Maler Johann Adelfing kommen, der mit 
jährlich 100 Thalern festem Gehalt angestellt war und außerdem für jeden 
Tag, an dem gemalt wurde, 1 Gulden für die Farben erhielt. Kain es 
dem Könige darauf an, ein besonders gutes Portraäͤt zu machen, dann war 
ihm Meister Adelfing nicht genügend, der Hofmaler Weidemann wurde in solchen 
Fällen gerufen, um ihm Beistand zu leisten. Die Bilder des Königs wurden 
natürlich im Tabakskollegium immer mächtig bewundert, und Friedrich Wilhelm 
kam endlich zu der Ueberzeugung, daß, wenn er nicht zufällig König ge— 
worden wäre, er ein tüchtiger Maler sein würde, der sich mit seiner Kunst 
sein Brot vortrefflich verdienen könne. Um sich zu überzeugen, ob dies wirklich 
möglich sei, ließ er einst den Bilderhändler Schütz nach dem Tabakskollegium 
bescheiden und fragte ihn, was er ihm für seine Bilder geben wolle. Schütz 
bot für jedes fertige Porträt die enorme Summe von 1 Louisd'or. Friedrich 
Wilhelm berechnete sich, daß er in 5 Tagen sehr wohl ein Bild fertig machen 
könne, und da er mit 1 Thaler auszukommen sich getraute, war er mit 
einem solchen Verdienst sehr zufriedengestellt. Aber er ließ trotzdem seine 
Bilder für diesen Preis nicht ab, sondern befahl, einen anderen Hoflieferanten, 
der auf der Stechbahn seinen Laden hatte, rufen zu lassen, und bot diesem 
einige seiner Werke an. Der Hoflieferant mußte wohl oder übel 100 Thaler 
für das Stück zahlen. Er wußte indessen doch bei dem schlechten Geschäft 
seinen Vorteil zu machen. Kaum im Besitze der königlichen Kunstwerke, ließ 
er die Bilder öffentlich vor seiner Ladenthür zum Verkauf aushängen und 
gab ihnen die Ueberschrift: „Von der Hand Sr. Majestät des Königs gemalt!“ 
Die Kunde von dem seltsamen Verkaufsartikel kam natürlich sofort ins Schloß. 
Friedrich Wilhelm ärgerte sich denn doch, daß seine Kunstprodukte so öffentlich 
verschachert werden sollten. Er schickte deshalb dem Kaufmann das erhaltene 
Geld wieder und forderte seine Bilder zurück. Dieser aber antwortete, er sei 
Kaufmann und könne unmöglich so wertvolle Sachen, an denen er bedeutend 
verdienen wolle, für den Einkaufspreis zurückgeben. So sah sich denn der 
König gezwungen, selbst den Käufer für —000 
Hoflieferanten den gewünschten Nutzen zu gewähren.
	        
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