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Siebente Abteilung. Berlin zur Zeit Friedrich Wilhelms I.

Full text: 500 Jahre Berliner Geschichte / Streckfuß, Adolf (Public Domain)

Die Schulen. — Die Akademie der Rünste. 
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In Berlin befanden sich zu jener Zeit nach Faßmanns Bericht folgende 
größere Schulen: 
„1. Das Königliche oder Joachimsthalsche Gymnasium, von seinem 
ersten Stifter Churfürst Joachim II. so genannt, reformierter Religion. 
Das in der Heiligen Geiststraße stehende Gebäude ist über die Maßen 
prächtig. Es hat 6 Directores, worunter sich 3 Geheime Staatsmi— 
nister befinden, Lehrende und Lernende werden sehr wohl darin unter— 
halten. Die Oberen von den Lehrenden heißen Rector, Conrector, 
Subrector und Professoren. 
2. Das Berlinische 
oder Kloster-Gym— 
nasium, lutherischer 
Religion, welches 
1712 den 8. Sep— 
tember Feuerschaden 
gelitten, doch so, daß 
die gewöhnlichen Lec— 
toria unbeschädigt 
geblieben. 
3. Das Cöllnische 
Lutherische Gymna— 
sium. 
sischen Kirche. Nebst 
diesen Gymnasiis 
giebt es auch andere 
Stadtschulen auf der 
Dorotheen— und 
Friedrichsstadt, des— 
gleichen die Garni— 
sonschule, worin die 
Soldatenkinder um— 
sonst belehrt und 
unterrichtet werden. 
Ferner sind in Berlin 
verschiedene Armen— 
schulen vorhanden, 
4. Das Fried— für Waisen- und sonst 
richs-Werdersche von arme Kinder. Hier— 
beiden Religionen bei haben aber die 
auf dem dasigen Rat— Armenschulmeister 
hause, und die Freiheit, daß sie 
5. Das Fran— auch anderer Leute 
zösische Gymnasium Kinder, so zu ihnen 
ebenfalls auf dem geboren W. Dez. 1752 in Potsdam, kommen wollen, für 
Friedrichswerder, gestorben 9. Juni 1820 in Borlin Geld und Bezahlung 
nahe bei der Franzö— mit unterrichten 
dürfen.“ — In einer Zeit, in welcher durch das Vorbild des Königs eine 
rein materielle Anschauung in allen Gebieten des staatlichen Lebens herrschte, 
konnte die Kunst keine freundliche Stätte in Berlin finden. Friedrich Wilhelm 
haßte die Wissenschaften und verachtete die Künste. Die natürliche Folge 
war, daß während der Regierungszeit Friedrich Wilhelms die vaterländische 
Kunst einen gewaltigen Rückschritt machte, von dem sie sich unter dem geist— 
reichen und kunstsinnigen Nachfolger dieses Königs nur schwer zu erholen 
vermochte. Als ein besonders unnützes Institut erschien Friedrich Wilhelm 
die von seinem Vater ins Leben gerufene Akademie der Künste. Er setzte 
ihre jährlichen Einkünfte im Jahre 1714 von mehr als 6000 Thalern auf 
300 Thaler herunter und legte ihr dabei noch außerdem die Verpflichtung 
auf, für die ihr über dem königlichen Marstall eingeräumten Zimmer eine 
jährliche Miete von 50 Thalern zu bezahlen. Es bedurfte wiederholter Vor— 
stellungen, um wenigstens diese Miete dem Kunst-Institut zu erlassen. Die 
Akademie würde vielleicht ganz eingegangen sein, hätte sie nicht Unterstützung
	        
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