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Siebente Abteilung. Berlin zur Zeit Friedrich Wilhelms I.

Full text: 500 Jahre Berliner Geschichte / Streckfuß, Adolf (Public Domain)

Der Kammerdiener und der Kaminrat. 
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der Kammerdiener die ohnehin schwache Vaterliebe Friedrich Wilhelms durch 
gehässige Einflüsterungen mehr und mehr herabdrückte. Jedes Kind in Berlin 
uünte den Eversmann; die Bürger fürchteten und haßten ihn, sie beugten 
vor ihm den Rücken tiefer als vor den vornehmsten Generalen, und wer bei 
Hofe etwas durchsetzen wollte, der suchte sich die Gunst des mächtigen Mannes 
zu beschaffen. Freilich durfte er dann nicht mit leeren Händen kommen, denn 
aur ein reich gespickter Beutel erwarb günstige Fürsprache. Mitunter ließ sich 
Eversmann auch wohl von zwei streitenden Parteien zu gleicher Zeit be— 
stechen; wer das meiste gab, der hatte ihn. 
Ein anderer sehr mächtiger und von den Berlinern nicht weniger als 
Eversmann gehaßter Günstling war der Kaminrat Eckart. Eckart war aus 
Bernburg gebürtig, der niedrigsten Volksklasse entsprossen. Als ein Glücks— 
jäger im vollsten Sinne des Wortes hatte er alle möglichen Laufbahnen 
durchgemacht. In Braunschweig war er Fasanenwärter gewesen, in Baireuth 
Kapaunenmeister, nirgends aber war es ihm gelungen, sich das, wonach er 
strebte, Reichtum und Macht, bei so niedrigen Beschäftigungen zu erringen. 
Sein Glücksstern führte ihn nach Berlin. Hier begann er seine Laufbahn 
damit, daß er in den Zeitungen bekannt machen ließ, er besitze das untrüg— 
liche Geheimnis, rauchende Schornsteine von dieser üblen Angewohnheit zu 
heilen. Dem Grafen v. Truchseß, der sehr vom Rauch in seinen Zimmern 
litt, kam diese Ankündigung sehr gelegen. Er ließ sich den Künstler kommen, 
und diesem gelang es in der That, den Rauch zu beseitigen. Zufällig be— 
fand sich der König einige Tage später in Kossenblatt, einem Landgut, welches 
er für seinen Sohn, den Prinzen Wilhelm, gekauft hatte. Die Schornsteine 
rauchten dort so stark, daß Friedrich Wilhelm es kaum im Zimmer aushalten 
konnte. Der Graf v. Truchseß, der auf der kleinen Reise Begleiter des Königs 
war, sprach von dem Tausendkünstler, der ihn von dem häßlichen Rauch be— 
freit hatte. Eckart wurde sofort herbeigeholt und begann seine Arbeit. Fried— 
rich Wilhelm hatte ein Interesse für alle gewerblichen Verrichtungen, er 
schaute dem fleißigen Arbeiter zu. Eckart war ein anschlägiger Kopf, er 
wußte sein Glück zu benutzen, und während er emsig hantierte, erzählte er 
dem Könige, daß er sich in der Ockonomie tüchtig umgesehen habe. Er ver— 
stehe es, ein so gutes Bier zu brauen, wie der beste Brauer, ohne so viel 
Maͤlz und Holz dazu zu gebrauchen. Wenn der König ihm erlauben wolle, 
den Versuch zu machen, so erbiete er sich, die königlichen Einkünfte jährlich 
um 2—300 000 Thaler zu vermehren. Ein solches Versprechen reizte Fried⸗ 
rich Wilhelm um so mehr, als Eckart mit den Schornsteinen in Kossenblatt 
ein Meisterstück gemacht hatte. In der großen Brauerei zu Potsdam wurde 
der Versuch angeftellt; er gelang, und jetzt hatte Eckart das vollste Vertrauen 
des Königs gewonnen. Er wurde in der Mark umhergeschickt, um in allen 
königlichen Brauereien seine neue Brauart einzuführen. Auf dieser Reise 
zeigte Eckart eine unermüdliche Thätigkeit. In allen Städten, die er besuchte, 
erkundigte er sich nach den Einkünften und der Art, wie diese verwaltet 
würden. Als er zurückkam, machte er dem Könige den Vorschlag, Kom— 
missarien in die verschiedenen Städte zu senden, den Magistraten, welche die 
öffentlichen Gelder nicht zu verwalten verständen, diese Verwaltung abzu— 
nehmen und die Ueberschüsse der Einkünfte für königliche Rechnung zu ver— 
»innahmen. So haätte Eckart denn wirklich geleistet, was er versprochen. Die
	        
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