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Sechste Abteilung. Berlin zur Zeit Friedrichs III. (I.)

Full text: 500 Jahre Berliner Geschichte / Streckfuß, Adolf (Public Domain)

Der Marktverkehr. 
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dem Geist seiner Zeit durchaus widerstrebt haben; aber er war redlich be— 
müht, wenigstens manche der lästigsten Schranken des Gewerbeverkehrs zu 
beseitigen, soweit ihm diese nicht selbst notwendig erschienen um seines eigenen 
Vorteils willen. Ebenso auch bestrebte er sich, einige tief eingewurzelte Krebs— 
schüden der alten Zunftverfassungen auszurotten. 
Schon am 7. Mai 1688 erließ Friedrich eine Verordnung, durch welche 
er die Beschränkungen aufhob, nach der jedes Handwerk nur eine bestimmte 
Zahl von Meistern in sich aufnehmen durfte; nur in einzelnen Fällen wurde 
in der falschen volkswirtschaftlichen Ansicht, dies sei zum Schutz eines sich erst 
entwickelnden Gewerbes nötig, eine Ausnahme gemacht. So erhielten die 
Wollenarbeiter 1691 die Genehmigung, daß ihre Zahl sich nicht über 20 in 
Berlin vermehren dürfe. Den Bäckern und Fleischern, welche oft genug ihre 
geschlossene Zunft ausbeuteten, um die Preise der Lebensmittel in die Höhe 
zu schrauben, wurde zu Gunsten der übrigen Bürger eine heilsame Konkurrenz 
durch die Bestimmung vom 8. April 1693 gemacht, nach welcher den fremden 
Bäckern und Schlächtern erlaubt wurde, zweimal in der Woche, Mittwochs 
und Sonnabends, in die Stadt zu kommen, um von morgens bis nachmittags 
um 2 Uhr ausgeschlachtetes Fleisch, Brot und Semmeln auf dem Neuen Markte 
zu Berlin, dem Hundemarkte zu Cöln und auf dem Friedrichswerder vor 
dem Rathause zu verkaufen. 
Um die immer größer werdende Stadt noch außerdem gegen etwaigen 
Mangel, der bei den noch so sehr im Argen liegenden Verkehrsstraßen und 
der Schwierigkeit einer Zufuhr der Lebensmittel von weit her zur Zeit von 
Mißernten leicht eintreten konnte, zu schützen, ließ Friedrich im Jahre 1709 
in der jetzigen Neuen Friedrichstraße ein Provianthaus einrichten und befahl 
außerdem dem Magistrat, ein Kornmagazin herzustellen, zu welchem die 
Böden der Klosterkirche, des Hospitals und des Rathauses in Berlin bestimmt 
wurden. Im Jahre 1711 befanden sich 300 Wispel Roggen, 50 Wispel 
Mehl und eine nicht unbedentende Menge Hirse in diesen Magaßinen; die 
überschüssigen Vorräte wurden zu wohlthätigen Zwecken verbraucht. Ein 
zweifelhaftes anderes Mittel, um die Lebensmittel möglichst wohlfeil zu machen, 
war das Verbot des Vorkaufs solcher Waren, damit die Verkäufer gezwungen 
würden, diese auf dem Markte loszuschlagen. Vorkaufsverbote hatten schon seit 
langen Jahren bestanden, sie waren aber meist wenig beachtet worden. Jetzt 
erließ Friedrich schon im ersten Jahre seiner Regierung ein neues derartiges Ver— 
bot und bestimmte, daß künftig Federvieh, Gartengewächse, Butter und andere 
Lebensmittél jedes an einem bestimmten Orte feilgeboten werden sollten. Der 
Neue Markt, der sich als ein besonders geeigneter Marktplatz herausstellte, 
wurde mit neuem Steinpflaster belegt, um den Marktverkehr zu erleichtern. 
Auch der Teuerung des Brennmaterials suchte Friedrich entgegenzuwirken, 
indem er am 20. Juni 1693 eine Verordnung erließ, in der die Preise des 
Brennmaterials festgestellt waren. Ein Haufen Kienholz sollte nicht mehr 
als 3 Thaler, Eichenholz 4 Thaler, Elsen- und Birkenholz nicht mehr als 
5Thaler bei Strafe der Einziehung des zum Verkauf ausgestellten Holzes 
kosten; auch später wurde der Preis nur um ein Unbedeutendes erhöht. Die 
in den königlichen Forsten gehauenen Hölzer wurden ebenfalls nicht teurer 
verkauft, wenn nicht besondere Umstände, etwa weiter Transport, einen wenig 
höheren Preis bedingten. 
J. Streckfuß, 500 Jahre Berliner Geschichte
	        
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