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Sechste Abteilung. Berlin zur Zeit Friedrichs III. (I.)

Full text: 500 Jahre Berliner Geschichte / Streckfuß, Adolf (Public Domain)

Caetanos Hinrichtung am 25. August 1709. 
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daß er ihm hier das Fürstenhaus zur Wohnung gewährte, ihm darin ein 
Laboratorium einrichtete und den Goldmacher abermals aufs köstlichste be— 
wirten ließ. Dieser erhielt sogar die Erlaubnis, außerhalb der Stadt Spazier— 
gänge zu machen, um frische Luft zu schöpfen, und er benutzte diese im 
Dezember so glücklich, daß er eines Tages plötzlich wieder verschwunden war 
und wohlbehalten in Frankfurt am Main eintraf. Er hatte sich in einer Ver— 
kleidung geflüchtet, diese aber genügte nicht, um ihn unkenntlich zu machen; 
denn der 'in Fraukfurt befindliche preußische Geheime Rat v. Plothow erkannte 
den Flüchtling, ließ ihn festnehmen und sandte ihn im Januar 1708 unter 
guter Bedeckung nach Berlin zurück. Trotz aller dieser Vorgänge hatte der 
König immer noch nicht das Vertrauen auf seinen Goldmacher verloren. Als 
Caetano in Berlin eintraf, verstand er es abermals, sich und seine Flucht so 
glänzend zu rechtfertigen, daß Friedrich, der anfangs beabsichtigt hatte, ihn 
sofort grausam zu bestrafen, in seinem Vorsatz wankend wurde. Er konnte 
sich indessen doch nicht entschließen, dem Betrüger abermals die Freiheit zu 
geben;: hinter Schloß und Riegel wollte er den Goldmacher geborgen halten, 
um ihn sicher zu haben, wenn er wirklich im Besitz des Steins der Weisen 
sei, um ihn zu bestrafen, wenn er dies nur vorgespiegelt habe. Neue Gold— 
machversuche begannen, ungeheure Summen wurden verschwendet, um gering— 
fügige Resultate zu erzielen. Caetano suchte nur Zeit zu gewinnen, bis er 
sich wieder flüchten könnte, und gab stets neue Versicherungen, daß er den 
König in den Besitz unendlicher Schätze setzen werde. Ueber ein Jahr dauerte 
es, bis die Geduld Friedrichs riß, dann aber gab er den Befehl, dem Be— 
trüger den Prozeß zu machen und ihn zum Tode zu verurteilen. Und so 
geschah es. 
Am 23. August 1709 wurde zu Küstrin ein mit Flittergold beschlagener 
Galgen errichtet, und zu diesem führte man Caetano, dem man ein gleich— 
falls mit Flittergold besetztes Kleid angezogen hatte, und henkte ihn auf. 
Vergeblich versicherte der Abenteurer bis zu seinem letzten Augenblick, er sei 
unschuldig und kein Betrüger; jetzt wurde er nicht mehr gehört. Er starb, 
ein Opfer des Ingrimms und der Rachsucht, welche Friedrich gegen den 
Mann fühlte, den er selbst gezwungen hatte, ihn zu täuschen. Der Ordens⸗ 
rat König fügt der Erzählung der Schicksale des Goldmachers folgende gewiß 
richtige Bemerkung hinzu: „Ich enthalte mich allen bestimmten Urteils über 
dieses Abenteuer. Ich weiß aber nicht, ob nicht die Frage aufzuwerfen sei: 
Kann man jemandem das Leben rauben, den man selbst, durch eigenes In 
teresse bewogen, dahin bringt, daß er sich schuldig machen muß?“ 
Fünftes Kapitel. 
Die kostbaren Bauten, die Hoffeste, welche einander jagten, die un— 
geheuren Gehälter der Minister, der Hofbeamten und Hoffkünstler, der glänzende 
Hofstaat, die Erhaltung des steheuden Heeres verschlangen unter Friedrichs 
Regierung ungeheure Summen. Beim Regierungsantritt Friedrichs betrugen 
i Einnchmnen der Regierung etwas mehr als 11,2 Millionen Thaler, im
	        
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