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Sechste Abteilung. Berlin zur Zeit Friedrichs III. (I.)

Full text: 500 Jahre Berliner Geschichte / Streckfuß, Adolf (Public Domain)

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Das Rurfürstendenkmal. 
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Brücke eine elende Holzbrücke gewesen; im Jahre 1690 wurde sie unter Lei— 
tung des Baumeisters Nehring mit Pirnaschen Quadersteinen zu erbauen be— 
gonnen. Der Plan wurde, als Schlüter hinzutrat, geändert, und in den 
Jahren von 1692–1695 das herrliche Werk vollendet. Im Jahre 1703 am 
Geburtstage des Königs wurde das Denkmal des Großen Kurfürsten auf der 
Langen Brücke feierlich enthüllt. Das Monument ist ein Werk Schlüters. 
Er selbst hat die Figur des Kurfürsten nebst dem Pferde modelliert: zu den 
4 Stlaven hat er nur die kleinen Modelle geliefert, die Figuren selbst aber 
unter seiner Aufsicht von Baker, Brückner, Henzi und Nahl anfertigen lassen;: 
der Guß ist von Jacobi. An das Denkmal knüpft sich eine Volkssage. Das 
Volk erzählt sich, der große Meister habe einst vor seinem eigenen Werk ge— 
standen und es nicht nur mit gerechtem Stolz, sondern mit Selbstüberhebung 
betrachtet. „Das ist das größte Kunstwerk, welches ich je geschaffen, und 
welches überhaupt jemals geschaffen wurde!“ rief er aus. „Kein Neider und 
kein Zweifler soll wagen, mir auch nur den kleinsten Fehler daran zu zeigen!“ 
Neben dem Meister stand einer seiner Schüler, ein unbedeutender, scheelsüch— 
tiger junger Mann, der längst den Ruhm Schlüters beneidet hatte. Er 
lächelte höhnisch, als der Künstler das stolze Wort aussprach, dann trat er 
hin zu dem Meisterwerke und sagte: „Waͤhrlich, kein König kann jemals 
auf solchem Pferde reiten; seht nur den rechten Vorderhuf an, dem fehlt ja 
das Eisen!“ Und so war es in der That. Schlüter, so erzählt die Sage, 
sei über den gerechten Vorwurf so erschrocken, durch den kleinen Fehler an 
seinem Werke so tief gedemütigt worden, daß er, wahnsinnig vor Schmerz, 
in der Verzweiflung sich von der Langen Brücke in die Spree gestürzt und 
unter seinem Werke den Tod gefunden habe. Wahr an der Sage ist nur, 
daß wirklich dem rechten Vorderhufe des Pferdes das Eisen fehlt. Schlüter 
hat seinen Tod nicht in der Spree gefunden. Er verfiel, nachdem ihm der Schloß— 
bau abgenommen worden war, in eine Schwermut, welche für sein ferneres, 
künstlerisches Schaffen nachteilig wirkte. Seine späteren Werke tragen nicht 
mehr den Charaktter großartiger Genialität, der die früheren auszeichnete. 
Nach dem Tode des Königs Friedrich verließ Schlüter Berlin, um einem 
Rufe Peters des Großen nach Petersburg zu folgen. Im Jahre 1714 starb 
er zu Narwa an der Pest. 
Die vielen prächtigen Bauten Friedrichs, die Begründung ganzer Stadtteile 
veränderte während seiner Regierungszeit den Charakter Berlins vollkommen. 
Die Stadt gewann jetzt mehr und mehr das Ansehen einer Residenz. 
Wir dürfen hier auch die in der Nähe Berlins gelegenen königlichen 
Lustschlösser nicht unerwähnt lassen; die Schlösser von Charlottenburg, Friedrichs— 
felde, Schönhausen, Köpnick und andere gaben wie das in Berlin ein voll— 
gültiges Zeugnis von der Verschwendung Friedrichs. Bei allen diesen Schlössern 
wurden auch schöne Parkanlagen gemacht, und die Spazierfahrten dahin wurden 
bald ein beliebtes Vergnügen der wohlhabenden Bürger Berlins, besonders 
war Charlottenburg häufig der Zielpunkt für Landpartien der Berliner. Diese 
fuhren dahin entweder auf offenen Kähnen oder auf den nach holländischem 
Muster von Friedrich eingeführten Treckschuyten zu Wasser; auch machten sie 
wohl noch lieber den anmutigen Spaziergang durch den Tiergarten. 
Der Tiergarten hatte noch immer seinen Plankenzaun und die Gitter— 
thore, auch war noch Wild darin; aber doch hatte er seine frühere
	        
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