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Vierte Abteilung. Berlin unter der Regierung der Kurfürsten Johann Georg, Joachim Friedrich, Johann Sigismund und Georg Wilhelm

Full text: 500 Jahre Berliner Geschichte / Streckfuß, Adolf (Public Domain)

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Berlin und Cöln im Jahre 1640. 
—B —— 
Thüren und Fenstern, und wer an diesen vorübergehen mußte, der machte 
gern einen kleinen Umweg nach der anderen Seite der Straße, damit ihn 
nicht aus irgend einer durch Versehen offen gebliebenen Ritze ein giftiger Pest— 
hauch treffe. 
Die Stadt selbst bot in keiner Beziehung, weder durch die Bauart, noch 
durch Ordnung und Reinlichkeit auf den Straßen, das Bild einer kurfürst— 
lichen Residenz. Wer hätte wohl in der schweren Kriegszeit Geld und Lust 
gehabt, sich um Baulichkeiten oder gar um Verschönerung der Stadt, um die 
Reinhaltung der Straßen u. s. w. zu kümmern? Alte, meist hölzerne Häuser, 
welche mit den Giebeln nach der Straße standen, und zwischen denen sich 
schmutzige Gänge hinzogen, bildeten die Wohnstätten der Residenzler und gaben 
der Stadt um so mehr ein verfallenes und ärmliches Ansehen, da seit einer 
Reihe von Jahren nichts an ihnen ausgebessert worden war. 
Da, wo heute in Berlin die Burgstraße mit ihrer prächtigen Häuserreihe 
prangt, zog sich damals ein elender schmutziger GGang an der Spree entlang, 
in den einige Hinterhäuser hineinragten. Die Heiligegeiststraße war zum 
größeren Teil noch gar nicht bebaut; ein wüster Platz, auf dem die Tuchmacher 
ihre Tücher aufspannten, zog sich von derselben bis zur Spree hin. Selbst 
in den Hauptstraßen von Berlin befanden sich noch unbebaute Plätze, so auch 
in der Klosterstraße, denn wo ein Haus verfallen war, hatte niemand daran 
gedacht, es wieder aufzubauen. Der Mühlendamm zeigte ebenfalls keine 
Häuserreihen, es war ein einfacher Gang nebst Brücke über das Gerönne der 
Mühlen von Berlin nach Cöln. 
Nicht viel weniger armselig als Berlin sah auch Cöln aus, obgleich 
hier die unmittelbare Nähe des kurfürstlichen Schlosses wohl einige Einwirkung 
gehabt hatte. Die Fischerstraße bestand aus lauter ganz armseligen Hütten, 
die Grünstraße zeigte noch manche wüste Stelle, und fast nur am Cölnischen 
Fischmarkt, in der Roßstraße und in der Brüderstraße standen einige ansehn— 
lichere Häuser neben ärmlichen hölzernen Baracken. Selbst die Breitestraße 
war noch durch Krambuden und Fleischscharren ausgefüllt, welche erst später 
(1667) in die Nähe des Cölnischen Rathaufes, in die nach ihnen genannte 
Scharrenstraße, verlegt wurden. 
Einen besonders jammervollen Anblick gewährte der Schloßplatz, der 
zur Zeit Joachims II. und Johann Georgs der Stolz der Kurfürsten gewesen 
war. Vom Dom bis zur langen Brücke zog sich die halbverfallene Mauer 
der alten Stechbahn hin, an dieser standen viele Krambuden, die aber infolge 
der herrschenden Not, des mehr und mehr verfallenden Handels und Verkehrs 
sehr armselig aussahen. Der Dom selbst war nicht mehr die prachtvolle Kirche 
der schwarzen Brüder. Er trug ebenfalls Zeichen des Verfalls und diente 
keineswegs zur Zierde des Platzes und ebensowenig die halhb eingerissene 
Kirchhofsmauer desselben. 
Das Schloß befand sich im traurigsten Zustande. Während der ganzen 
Regierungszeit Georg Wilhelms war nichts an dem Gebäude gethan, als 
daß hier und da neue Fensterscheiben eingesetzt worden waren. Der Kurfürst 
hatte selbst das Mauerwerk verfallen lassen; um es vor gänzlichem Einsturze 
zu bewahren, stützte man es wohl mit Pfählen, die aber dem Bau sicherlich 
nicht zum Schmucke dienten. Das Dach war schadhaft und wurde nicht ge— 
nügend ausgeflickt, sodaß Regen und Schnee in die Hallen schlagen konnten.
	        
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