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Vierte Abteilung. Berlin unter der Regierung der Kurfürsten Johann Georg, Joachim Friedrich, Johann Sigismund und Georg Wilhelm

Full text: 500 Jahre Berliner Geschichte / Streckfuß, Adolf (Public Domain)

227 Georg Wilhelms Abneigung gegen das Theater. 
Lassenius hat später in der That das Schauspiel verlassen und ist sogar ein 
arger Feind desselben geworden, ob aber die *kurfürstliche Ermahnung dies 
bewirkt hat, darf bezweifelt werden. 
Weit energischer als gegen Lassenius zeigte sich der Kurfürst gegen die 
Berliner, als diese sich einst mit Theaterspiel belustigen wollten. Im Jahre 
1623 war eine Gesellschaft fremder Gaukler mit Trommeln und Trompeten 
durch die Stadt gezogen und hatte auf offenem Markte ihre Schaustellungen 
unter Genehmigung des Rates gezeigt. Hierüber war Georg Wilhelm höchst 
ungehalten, und der Rat mußte sich sehr demütig entschuldigen, daß er nur 
aus Versehen seine Erlaubnis zu dem Gautkelspiele gegeben habe. 
Sogar die Schulkomödien waren dem Kurfürsten widerwärtig, und als 
im Jahre 1629 der Rat den Schülern erlaubt hatte, eine Komödie aufzu— 
führen, erhielt er wieder ein sehr ungnädiges Schreiben des Kurfürsten, in 
welchem dieser sich weitläufig über die Gottlosigkeit des Schauspiels aussprach 
und dabei ein Zeugnis seines Aberglaubens ablegte, indem er sagte: 
„Wollen uns denn die vielen Wunderzeichen, die allein in diesem Jahre 
so haufenweise gesehen worden sind, — darunter das gewiß was sonder 
liches ist, daß man dasjenige Prodigium, so am 30. August wie ein Drache 
gestaltet gewesen, in die 24 Meilen gesehen hat, welches wohl von keinem 
Wunderzeichen gehört sein wird — nicht nur so weit erweichen lassen, daß 
wir unser Gemüt und Herzen von solchen heillosen Dingen, die da Gnade 
hei Gott zu erlangen gar nicht dienen, abwenden kunnten?“ 
Vernünftigerweise tadelte übrigens der Kurfürst in demselben Schreiben, 
daß sich die Schüler bei der Komödie mit goldenen Ketten geschmückt hätten, 
indem er darauf aufmerksam machte, es sei weit klüger, goldene Ketten in 
Kriegszeiten im Kasten zu behalten, anstatt sie den habgierigen Soldaten, 
welche sich etwa in den Straßen umhertrieben, zur Schau zu stellen. 
Bei der Abneigung, welche Georg Wilhelm gegen das Theater hegte, 
konnte von weiteren Versuchen der Schauspieler in Berlin um so weniger die 
Rede sein, als der Rat der Stadt längst aufgegeben hatte, eine Selbstän— 
digkeit zu beanspruchen. Der Wille des gnädigsten Kurfürsten war in den 
meisten Fällen Gesetz für die Ratsherren, welche sich besonders bei solchen 
Veranlassungen stets ohne weiteres dem kurfürstlichen Gebote fügten. An 
die Stelle lustiger Schauspiele traten daher Buß- und Bettage, welche von 
Georg Wilhelm bei jeder Gelegenheit angeordnet wurden. So mußten 3. B. 
in allen Kirchen von Berlin Bußpredigten gehalten werden, als es im Mai 
des Jahres 1633, wie allgemein geglaubt wurde, Schwefel geregnet haben 
sollte, damit den Städten Berlin und Cöln nicht das Schicksal von Sodom 
und Gomorrha bereitet würde. 
In seltsamem Widerspruch mit dieser zur Schau getragenen Frömmig— 
keit stand das Leben am Hofe Georg Wilhelms, unter dessen Augen sich der 
hohe Adel des Landes ohne Scheu den wildesten Ausschweifungen hingab, 
Besonders zeichnete sich der Hof durch mächtige Trinkgelage aus, an denen 
Georg Wilhelm mit Liebhaberei teilnahm; an der Spitze dieser Gelage standen 
der Oberst Curt von Burgsdorff, der spätere Oberkammerherr, und sein Bruder, 
der Oberstallmeister Ehrenreich von Burgsdorff. Curt von Burgsdorff war 
der Jugendfreund Georg Wilhelms. Er war mit diesem auferzogen und hielt
	        
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