Path:
Vierte Abteilung. Berlin unter der Regierung der Kurfürsten Johann Georg, Joachim Friedrich, Johann Sigismund und Georg Wilhelm

Full text: 500 Jahre Berliner Geschichte / Streckfuß, Adolf (Public Domain)

— 
Die Fürstenschule in Joachimsthal 1607. 
der Kurfürst in Aufrechterhaltung des Luthertums erwies, trug in der Mark 
Brandenburg und besonders in den Residenzstädten Berlin und Cöln seine 
natürlichen Früchte. Der Haß zwischen Lutheranern und Reformierten wuchs 
mit jedem Tage; in den Trinkstuben machte er sich nach wie vor Luft durch 
oft blutige Raufereien, die auch auf den Straßen fortgesetzt wurden, die 
Prediger schimpften sich auf den Kanzeln in den gemeinsten Redensarten aus, 
und die Litteratur jener Zeit bietet uns eine Sammlung theologischer Streit— 
schriften, welche sich in Redewendungen, die des Fischmarkts nicht unwürdig 
wären, bewegen. Die Unduldsamkeit und Schimpferei der Geistlichkeit nahmen 
so sehr überhand und wurden so unwürdig, daß sich Joachim Friedrich end— 
lich veranlaßt sah, Verbote gegen die geistlichen Zänkereien ergehen zu lassen, 
aber das Uebel war zu tief eingewurzelt, als daß es durch ein einfaches 
Machtgebot des Kurfürsten hätte beseitigt werden können. 
Wie eifrig sich Joachim Friedrich auch bei religiösen Streitigkeiten be— 
teiligte, so vernachlässigte er doch darüber die anderen Regierungsgeschäfte 
nicht. Er war kein besonders geistig begabter Fürst, nach keiner Richtung 
hin ausgezeichnet, aber er besaß einen redlichen Willen und ein Herz für das 
Land, und dadurch hat er in seiner kurzen Regierung viel Löbliches geleistet. 
Für den Unterricht der Jugend war er eifrig besorgt. Um der Gelehr— 
samkeit eine bessere Stätte in der Mark Brandenburg zu bereiten, stiftete er 
in dem von ihm erbauten Schlosse Joachimsthal eine Fürstenschule, welche 
er mit den eingezogenen Einkünften des Domkapitels zu Cöln ausstattete und 
auch außerdem noch reich beschenkte. 120 junge Leute adligen und bürger— 
lichen Standes sollten auf dem neu eingerichteten Gymnasium eine gelehrte 
Erziehung erhalten. Das Gymnasium wurde später nach Berlin verlegt und 
besteht noch heute unter dem Namen des Joachimsthalschen Gymnasiums. 
Es würde uns zu weit führen, wollten wir näher eingehen auf die 
Einzelheiten der Thätigkeit Joachim Friedrichs, sowohl in Beziehung auf sein 
Bestreben, den Besitzstand der Mark Brandenburg nach außen zu vergrößern, 
als auch auf seinen Eifer, Handel und Verkehr in derselben durch Beförde— 
rung des Straßenbaues, durch Einführung der Schutzzölle zu Gunsten nen 
eingeführter Fabrikationen, durch Feststellung bestimmter Grundsätze für die 
Arbeitszeit der Handwerker u. s. w. zu heben; wir müssen uns beschränken 
auf diejenigen seiner Regierungsmaßregeln, welche eine direkte Einwirkung 
auf das Leben unserer Stadt hatten. 
Die unter der Regierung Johann Georgs erlassene Luxusverordnung 
hatte nur für wenige Jahre dem übermäßigen Aufwand der Bürger vorge— 
beugt. Es war ein vergebliches Bestreben, der allgemeinen Sitte durch die 
Gesetzgebung Fesseln auflegen zu wollen, diese brach sich Bahn trotz aller 
Strafverbote, und in Berlin und Cöln war dies um so mehr der Fall, als 
das Beispiel eines prachtliebenden Hofes die Bürger naturgemäß zur Nach— 
ahmung aufforderte. Auch Joachim Friedrich glaubte durch eine Luxusver— 
ordnung der herrschenden Sitte entgegentreten zu müssen; er giebt uns in 
dieser eine Schilderung des Aufwandes, den Frauen und Mädchen aller 
Stände, selbst Dienstmädchen in der Kleidung machten. Im großen und 
ganzen ist seine Luxusverordnung eine Wiederholung der unter Johann Georg 
erlassenen. Sie teilt ebenfalls die Bevölkerung in Standesklassen ein, aber 
nur in drei, und enthält für jeden Stand bestimmte, in die größten Einzel—
	        
Top of page
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.