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Vierte Abteilung. Berlin unter der Regierung der Kurfürsten Johann Georg, Joachim Friedrich, Johann Sigismund und Georg Wilhelm

Full text: 500 Jahre Berliner Geschichte / Streckfuß, Adolf (Public Domain)

182 Thurneißers Verdienste um die Wissenschaften. 
—— 
tüchtige Künstler und Gelehrte nach Berlin. Seine Druckerei wurde durch 
Reichhaltigkeit der Schriften und saubere Ausführung der Druckarbeiten eine 
Musteranstalt. Auch um die Medizin erwarb er sich Verdienste, indem er 
andere Aerzte zuerst auf die Einführung chemischer Medikamente aufmerksam 
machte. Er war außerdem rastlos thätig, tüchtige gewerbliche Anstalten im 
Lande durch seinen Rat und seine Kenntnisse zu fördern und zu verbessern, 
so die Alaun- und Salpetersiedereien. Um für seine vielen chemischen Arbeiten 
gute Retorten und Glasflaschen zu erhalten, übernahm er die Aufsicht einer 
GBlashütte und verbesserte das Verfahren in derselben wesentlich, so daß fortan 
in der Martk Brandenburg ein feines, weißes Glas gefertigt wurde. 
Thurneißers Verdienste wurden allgemein anerkanut. Wenn auch manche 
Aerzte und Gelehrte hier oder da sich gegen seine unverschämte Charlata— 
nerie auflehnten, so verhallten ihre Worte doch meistens ungehört, sie machten 
besonders nicht den geringsten Eindruck auf den Kurfürsten Johann Georg, 
der mit gläubigem Vertrauen an seinem Leibarzte hing. Thurneißer war 
ein hoch geachteter, berühmter Mann, der im Genuß eines fürstlichen Reich— 
tums schwelgte, dessen Glück unwandelbar schien, und dennoch war er nicht 
zlücklich. Jene seltsame Unruhe, welche ihn schon in früheren Jahren ge— 
peinigt, ihn getrieben hatte, eine gesicherte und reichliche Eristenz aufzugeben, 
um ein neues Abenteurerleben zu beginnen, ergriff ihn auch in Berlin. Er 
fühlte sich nicht heimisch in den Prachtgemächern des grauen Klosters. Das 
Heimweh, jene den Schweizern so eigentümliche Krankheit, ergriff auch ihn; 
die alten Jugenderinnerungen stiegen in ihm auf, er fühlte eine namenlose 
Sehnsucht nach seiner Vaterstadt Basel, aus welcher er verbannt war. Seine 
zweite Frau hatte in Berlin nicht lange an seiner Seite gelebt, er stand als 
Witwor wieder allein, denn seine Kinder schafften ihm keine Häuslichkeit. Zu 
seinem Unglück kam sein böser Engel wieder zu ihm. Thurneißers Bruder, 
Alexander, hatte in Basel sein ganzes Vermögen vergendet und eine bedeu— 
tende Schuldenlast angehäuft; um seinen Glänbigern zu entgehen, mußte er 
Frau und Kinder im Stiche lassen und bei Nacht und Nebel flüchten. Als 
ein armseliger Bettler kam er nach Berlin und flehte die Mildthätigkeit des 
Bruders an, den er seit den Tagen der Kindheit unaufhörlich gehaßt, gekräntkt 
und betrogen hatte. 
Thurneißer nahm sich von neuem des Bruders an. Er riß ihn aus 
seiner drückenden Schuld und überhäufte ihn mit Wohlthaten. Alexander be— 
stärkte ihn in der Sehnsucht nach seiner Vaterstadt und regte in ihm den 
Plan an, seine erworbenen Schätze dort zu verzehren. Nichts sei leichter, 
als das verlorene Bürgerrecht in Basel wieder zu gewinnen, wenn er nur 
die Juden zu Wiel mit ihren Forderungen befriedigte und die noch schweben— 
den, seinetwegen gemachten Schulden des Vaters bezahlte. Thurneißer fand 
sich hierzu gern bereit, er schickte Alexander nach Basel zurück und ließ durch 
diesen alle die noch schwebenden Schuldverhältnisse ordnen. Er erhielt in der 
That die Erlaubnis, nach Basel zurückzukehren, und forderte nun seinen Ab— 
schied aus den kurfürstlichen Diensten. 
Johann Georg hielt so viel auf seinen Liebling, daß er ihn nicht ziehen 
lassen wollte, nur mit Mühe war er zu bewegen, Thurneißer die Geneh— 
migung zu einem Besuche in der Vaterstadt zu geben. Dieser Besuch ent— 
schied über Thurneißers Schicksal. Er ließ sich von neuem in das Bürger—
	        
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