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Vierte Abteilung. Berlin unter der Regierung der Kurfürsten Johann Georg, Joachim Friedrich, Johann Sigismund und Georg Wilhelm

Full text: 500 Jahre Berliner Geschichte / Streckfuß, Adolf (Public Domain)

172 Schauspiele. — Graf Rochus von Lynar. 
unter Johann Georg drang es in die Hofkreise ein. Es ist uns ein Theater— 
stück überliefert worden, welches zur Feier des Neujahrstages 1589 am Hofe 
zu Cöln durch die Prinzen, Prinzessinnen und ihre Gespielen, Kinder aus dem 
höchsten märkischen Adel, zur Lust und Erbauung des Kurfürsten und des 
Hofes aufgeführt worden ist, es trägt den Titel: „Eine kurze Komödie von 
der Geburt des Herrn Christi.“ Das Stück giebt eine einfache Darstellung 
der Besuche des Hirten und der heiligen drei Könige bei der Jungfrau Maria. 
Auch das Christuskindlein fehlte bei der Aufführung nicht, der junge Mark— 
graf Friedrich (geb. 1588) wurde als solches bei der Komödie benutzt. Das 
Stück war in teils plattdeutschen, teils hochdeutschen Versen geschrieben, der 
Dialog wurde häufig durch Musik und Gesang unterbrochen. Das Stück war 
von Georg Pondo verfaßt, der als Stiftsverwandter in Cöln an der Spree 
lebte. Pondo hat sich auch durch andere Dichtungen um die Entwicklung der 
Schauspielkunst in Berlin verdient gemacht. Im Jahre 1579 führte er im 
Cölnischen Rathause vor dem Rate die Komödie von dem verlorenen Sohn, 
1580 bie Comoôdia de vera amicitia Damonis et Pythiae und 1584 die 
Komödien,von den drei Männern im feurigen Ofen“ auf. Die Ratsherren 
sowie die vornehmsten Bürger von Cöln, welche zuschauten, waren wohl zu— 
frieden mit dem Dichter; der Rat ließ ihm und den Schülern, welche bei 
der Aufführung halfen, Geldgeschenke auszahlen und bewirtete Dichter und 
Schauspieler außerdem reichlich mit gutem Biere. 
Neben Pondo zeichnete sich auch ein Berliner, Paul Rebhuhn, durch 
Eifer für das Schauspiel aus; er hat ebenfalls manches Stück geschrieben. 
Der Rat von Berlin ließ bei jeder größeren Festlichkeit auf dem Rathause 
von den Schulgesellen ein Schauspiel aufführen, so im Jahre 1589 das Stück: 
„Apoll mit den Musen.“ 
Zu den großen Festen, welche Kurfürst Johann Georg gab, und zu denen 
oft fürstliche Gäste mit zahlreichem Gefolge kamen, genügte ihm das von 
seinem Vater erweiterte Schloß um so weniger, als er für seine große Familie 
(er war reich mit Kindern gesegnet) ohnehin bedeutendere Räumlichkeiten be— 
durfte. In den ersten Jahren seiner Regierung, als noch das Sparsystem 
am Hofe herrschte, begnügte sich Johann Georg damit, die von seinem Vater 
nicht vollendeten Baulichkeiten fertig machen und den häßlichen Sumpf, der 
an der Stelle des heutigen Lustgartens lag, in einen Küchengarten verwandeln 
zu lassen. Schon im Jahre 1578 aber nahm er den berühmten Grafen 
Rochus von Lynar, einen trefflichen Baumeister für bürgerliche und Kriegs— 
bauten, in seine Dienste, und nun begann bald ein weiterer Ausbau des 
Schlosses, welcher während der ganzen Regierungszeit Johann Georas fort— 
gesetzt wurde. 
Der Graf von Lynar zeigte sich seines Rufes würdig; außer dem Schloß— 
bau in Cöln machte er sich verdient durch den Bau eines Schlosses in Bötzow, 
durch Verbesserung der Festungswerke von Spandau, Küstrin und Peitz, durch 
die Anlegung von Pulvermühlen, Salpetersiedereien, Salz- und Eisenwerken, 
durch die Heranziehung vieler tüchtigen Künstler nach Berlin, welche wesentlich 
zur Erhöhung der gewerblichen Geschicklichkeit unter den Handwerkern unserer 
Stadt beitrugen. Für seine unbestreitbaren Verdienste erhielt der Graf von 
Lynar eine Besoldung, welche selbst nach heutigen Begriffen außerordentlich 
hoch erscheinen würde, wenn wir die ihm gelieferten Naturalien zu Gelde
	        
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