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Dritte Abteilung. Berlin in der Reformationszeit

Full text: 500 Jahre Berliner Geschichte / Streckfuß, Adolf (Public Domain)

154 Der Schneidergesellen Hinrichtung im Kloster Finna. 
aufs neue zu ergreifen. Er verbreitete Briefe in Sachsen, in denen er die 
Treulosigkeit des Kurfürsten schilderte und seine alten Gesellen aufforderte, 
sich um ihn zu scharen; bald sah er sich wieder umgeben von mehr als 200 
treuen und tapfern Gefährten. Von neuem begann der Kohlhase sein Räuber— 
leben mit einem nicht weniger glücklichen Erfolge als früher. Meist teilte er 
seine Schar in viele kleine Abteilungen, welche ganz Sachsen raubend durch— 
zogen, dann vereinigte er sie wieder, wenn er irgend eine größere Unterneh— 
mung beginnen wollte. Bald fing er auf der Landstraße die reisenden Kauf— 
leute auf, dann wieder überfiel er mit seiner ganzen Maunschaft Dörfer und 
Städte, plünderte sie aus und warf im Abziehen die Brandfackel in die Stroh— 
dächer; so erging es dem Städtchen Zahna, welches bis auf wenige Häuser 
niedergebrannt wurde. Der Unfug wurde endlich so arg, daß Kurfürst Joachim 
— Kurfürsten von Sachsen zu gestatten, 
daß er Reiterhaufen über die brandenburgische Grenze entsenden dürfe, um 
deu Kohlhase aufzufangen. Dies geschah, aber mit schlechtem Erfolge. Der 
Kohlhase war im Brandenburgischen bei Bauern und Bürgern so beliebt, daß 
er stets sofort gewarnt wurde, wenn die sächsischen Reiter mit ihren langen 
Lanzen sich zeigten. Er verhöhnte sogar oft die ihm nachgehenden Häscher, 
indein er sich verkleidet unter sie schlich, mit ihnen in den Schenken zechte 
und so ihre Pläne auskundschaftete. Einige Male gelang es ihm sogar, die 
Zehrungsgelder für dieselben in Empfang zu nehmen. Die Häscher, welche 
unaufhoͤrlich in Brandenburg und Sachsen umherstreiften, wurden durch das 
Erfolglose ihrer Bemühungen so aufgebracht, daß sie jeden, den sie irgend— 
wie in Verdacht hatten, er möge es mit dem Kohlhase halten, ohne weiteres 
aufgriffen und dem Gerichte übergaben. Da wurde denn kurzer Prozeß 
gemacht, eine schnelle Hinrichtung ohne weitere Förmlichkeit eines Verhörs 
war das gewöhnliche Schicksal der Verdächtigen, natürlich wurden bei so schneller 
Justiz auch viele Unschuldige hingerichtet. 
So erzählt uns Haftitz, dem wir viele Nachrichten über den Kohlhase 
berdanken, daß am Freitag vor Pfingsten 1536 zwei Schneidergesellen vor 
dem Kloster Zinna gerädert wurden aus keinem anderen Grunde als dem, 
daß fie in der Scheune eines Bauern zu Jenickendorf genächtigt hatten. Man 
nahm es eben damals mit der peinlichen Justiz nicht allzu genau, und auf 
eine Hinrichtung mehr oder weniger, wenn sie nur einen Schneidergesellen 
betraf, kam es nicht an, besonders im Kloster Zinna nicht: Haftitz fügt seiner 
Erzählung die einfache Bemerkung bei: „Es war damals der gottlose Ge— 
brauch im Kloster, daß bei einer Hinrichtung in allen zum Kloster gehörigen 
Dörfern jeder Hüfner ein Ei und ein Kosset, 6 Pfennige, geben mußten, welches 
eine große Summe betrug. Das Geld bekam der Vogt, und um solches Geldes 
willen habe ich manchen daselbst sehen richten, dem zu viel geschah.“ 
So war auch den beiden Schneidergesellen zu viel geschehen, und Kohl—⸗ 
hase nahm sich ihrer Unschuld an. In dunkler Nacht löste er mit seinen 
Gesellen die Körper der Gemordeten vom Rade, packte sie in eine Kiste und 
legte dazu ein Schreiben an den Kurfürsten von Sachsen, in welchem er 
diesem derb seine Ungerechtigkeit vorwarf. An den Galgen aber nagelte er 
selbst einen Zettel, auf welchen er in lateinischer Sprache die Worte schrieb: 
„O ihr Menschenkinder! Wenn ihr richten wollt, so richtet recht, damit ihr 
ücht selbst gerichtet werdet!“ Die Kifte mit den Leichnamen schickte Kohl—
	        
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