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Dritte Abteilung. Berlin in der Reformationszeit

Full text: 500 Jahre Berliner Geschichte / Streckfuß, Adolf (Public Domain)

122 Des Rurprinzen Einzug in Berlin und Cöln 1555. 
die Herren vom Adel waren mit den kostbarsten seidenen Stoffen, teils von 
purpurroter, teils von grasgrüuer Farbe, betleidet. Hinter dem Adel ritt 
an der Spitze seiner Leibwache der Kurfürst selbst mit seinem jüngeren 
Sohne Johann, dann folgten die gesamte Geistlichkteit von Berlin und Cöln 
in der prächtigen Kirchenkleidung, der Rat beider Städte, die Zünfte und 
die Bürgerschaft. Eine unzählbare Masse des Voltes schloß sich jubelnd dem 
Festzuge an. Als der Kurprinz seinen Vater erblickte, stieg er vom Pferde, 
um demselben seine Ehrfurcht zu bezeigen; Joachim umarmte seinen Sohn, 
er vergoß dabei Freudenthränen und dankte Gott, daß er den Geliebten mit 
Sieg und Ehren glücklich heimgeführt habe. Ein Vornehmer vom Adel be— 
willkommnete nun den Prinzen im Namen des Landes mit zierlich gesetzter 
Rede, der Kurprinz antwortete darauf in nicht weniger wohlgesetzten Worten. 
Nun ging's im Triumphzug nach der Stadt. Voran die Beute und die ge— 
fangenen Türken: da konnten sich die guten Berliner kaum satt sehen an den 
braunen und schwarzen Ungläubigen mit den wilden, benarbten Gesichtern 
unter den mächtigen Turbanen. Einen Türken bekam man in jener Zeit 
in Berlin nicht leicht zu Gesichte. Den Gefangenen folgte ein Haufen 
Musikanten, die machten auf fremdländischen Instrumenten großen Lärm; 
aber schön war's doch. Dann kamen die Sieger, in der Mitte der Kurfürst 
zwischen seinen beiden Söhnen, endlich Adel, Geistlichkeit und Volk. So 
ging's unter dem Jubelrufe der Menge nach Cöln. Dort auf dem Schloßplatze 
wurde Halt gemacht, dann begab sich der Zug in die Dominikanerktirche, das 
heißt, soviel darin Platz fanden. Nach Beendigung des Gottesdienstes donnerten 
vom Schlosse herab die Geschütze, von den Kirchtürmen läuteten die Glocken 
und posaunten die Musikanten, während der Kurprinz ins Schloß zog, um 
nun endlich seine Gemahlin und seine Kinder zu begrüßen. Den ganzen 
Tag und die folgende Nacht ging es hoch her in Berlin und Cöln, und wenn 
die Chroniken recht erzählen, soll bei solcher Gelegenheit mancher mehr getrunken 
haben, als er vertragen konnte. 
Der feierliche Einzug des Kurprinzen in Cöln bildete einen der letzten 
Freudentage Joachims. Der Kurfürst lebte wohl noch einige Jahre, aber 
sein Leben war kein freudenvolles, denn er war zu scharfsichtig, um sich zu 
berhehlen, daß die von ihm so sehr gehaßte Reformation mit gewaltiger 
und unwiderstehlicher Schnelligkeit um sich greife. Er fühlte, wie sie um ihn her 
emporwuchs, ohne daß er die Macht hatte, sie zu unterdrücken. Wo, wie in 
Stendal, die Protestanten einen offenen Aufstand versuchten, wo das Volt 
die Häufer der katholischen Geistlichteit stürmte und diese aus der Stadt 
vertrieb, da konnte Joachim wohl mit gewaltiger Hand dazwischen fahren 
und in gewohnter Weise die alte Ordnung herstellen, aber er war nicht im 
stande, jene unsichtbare Macht zu überwinden, welche nirgends greifbar und 
doch überall fühlbar sich rings um ihn erhob. 
Joachim starb am 11. Juli 1535 in seinem 52. Jahre. Er hatte die 
Bestimmung getroffen, daß seine Söhne, dem von Albrecht Achilles gegebenen 
Hausgesetze entgegen, die Mark Brandenburg teilen sollten. Seinem ältesten 
Sohne Joachim hinterließ er die Kurmark mit der Kurwürde, seinem zweiten 
Sohne Johann die Neumark mit den dazu gehörigen Herrschaften.
	        
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