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Dritte Abteilung. Berlin in der Reformationszeit

Full text: 500 Jahre Berliner Geschichte / Streckfuß, Adolf (Public Domain)

102 Die Vertreibung der Juden aus der Mark. 
stießen wilde Verwünschungen gegen die Christen aus. Eine brennende 
Fackel wurde in das pechgetränkte Reisig geworfen; da erhob sich züngelnd 
die Flamme und loderte schnell in gewaltiger Glut gen Himmel. Ein wilder, 
anhaltender, fürchterlicher Schmerzensschrei, der nach und nach leiser wurde 
und endlich in einem dumpfen Aechzen verhallte, — ein nicht weniger grauen— 
hafter Jubelruf der zu vielen Tausenden versammelten Volksmasse, und die 
Feierlichteit war beendet, der entsetzlichen Justiz jener Tage Genüge geleistet! 
Von den drei Juden, welche in der Hoffnung, ihr Leben zu retten, sich 
hatten taufen lassen, wurde nur einer begnadigt und zwar wegen seiner 
Kenntnisse in der Arzneikunde; die anderen beiden wurden am Tage nach 
der Verbrennung ihrer Glaubensgenossen mit dem Schwerte hingerichtet. 
Die übrigen Juden der Mart Brandenburg, gegen welche eine bestimmte 
Anklage nicht vorlag, erschienen dem Kurfürsten doch so verdächtig, daß er 
den Befehl gab, sie sämtlich für ewige Zeiten aus dem Lande zu verbannen. 
Vor ihrem Abzuge mußten sie einen Eid schwören, daß sie sich niemals für 
diese Verbannung rächen wollten. 
Drittes Hapitel. 
Obgleich Joachim den Adel der Mark Brandenburg so tief gedemütigt 
hatte, daß dieser nicht gewagt haben würde, seinem absoluten Willen irgend 
einen Widerstand entgegenzusetzen, obgleich auch die Städte ihre Macht, dem 
Kurfürsten zu widerstehen, längst verloren hatten, hielt dieser doch das Recht 
der Stände bei Bewilligung von nenen Abgaben aufrecht. Auf einem Land— 
tage, den er im Jahre 1524 in Berlin abhielt, erklärte er ausdrücklich, daß 
er sich verpflichte, außerordentliche Landbeden nur in besonderen Fällen aus— 
zuschreiben, wenn er, „welches Gott vermeiden möge, eine treffliche Nieder— 
— D0 Krieg verwickelt 
würde oder endlich eine Prinzessin ausstatten müsse. 
Diesem Rechtsgefühl, welches Joachim so sehr auszeichnete, stand seine 
Willkür, mit welcher er die sämtlichen Juden aus der Mark Brandenburg 
vertrieb, und die Grausamkeit, welche er in der Bestrafung des Adels sowie 
in der Verbrennung der Juden bewies, schroff gegenüber. Er kannte das 
Wort Gnade nicht. Wo das Gericht ein Todesurteil aussprach, da bestätigte 
er es und ließ es nachsichtslos vollstrecken. Oftmals wendete sich seine junge 
und schöne Gemaählin Elisabeth flehend an ihn, um das Leben eines zum 
Tode Verurteilten zu erhalten, aber sie wurde stets mit scharfen Worten 
zurückgewiesen. 
Seine Liebe zum Volke, besonders zu den Bürgern in den Städten 
hat Joachim niemals verleugnet. Wir haben schon gesehen, wie er Berlin 
uͤnd Cöln die Gerichtsbarteit zurückgab, wie er bestrebt war, Handel und 
Wandel durch die Verfolgung der Straßenräuber zu heben; ebenso zeigte er 
aber auch bei mancher Gelegenheit ernste Strenge, so gegen die Stadt Frankfurt 
und auch gegen das Volk von Berlin, als es sich im Jahre 1515 gegen den
	        
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