Path:
I. Berlin

Full text: Berlin und Umgebungen / Baedeker, Karl (Public Domain)

108 4. Abschnitt, BERLIN. Gendarmenmarkt. 
Gebäude, deren Umriß namentlich im Mondlicht von großartiger 
Wirkung ist, gewährt er das schönste Architekturbild Berlins, Leider 
ist die 4;2samterscheinung des Platzes neuerdings durch einige über- 
mäßig hohe Neubauten beeinträch* -t worden. 
Das **Schauspielhaus ("”l.r: J ‘, 77m 1., im Mittelbau 50m 
tief, 38m hoch, ist von Schinkel an Stelle des 180% erbauten, 1817 
abgebrannten früheren (S. 561 18..9-21 aufgeführt. Durch die Ver- 
wendung griechischer Architekturformen zu einem mehrgeschossi- 
gen modernen ”'xu und die lebensvolle Cliederung des Aufbaues 
gehört es 7: den genialsten Schöpfungen des Meisters, dem man 
einzelne . helstände (Eingang, Vorräume) nicht anrechnen darf, 
da er außer andern beschränkenden Vorschriften auch den Auf- 
trag erhalten hatte, die vom Feuer nicht zerstörten Brandmauern 
des alten Theaters zu benutzen. An der Har-+fassade, nach Osten, 
eine von sechs ionischen Säulen getragene \ orhalle. zu welcher eine 
weit vorspringende Freitrepne hinanführt (unter der letzteren be- 
findet sich der Eingang zu den Zuschauerräumen !; auf den Trep- 
penwengen zwei Bronzegrrnmen von F, Tieck, Genien auf Panther 
und Löwe reitend; im Giebelfeld der Vorhalle: Niobidengruppe in 
Sandstein, von demselben. "och oben auf dem First des Hauptge- 
bäudes: Arv-{lo in einem Greifen-Zweigespann, Bronzegruppe von 
Rauch und Tieck ; darunter im Giebelfeld Melpomene und Polyhym- 
nia. "em An0llo entsprechend, auf dem westl. First, ein Pegasus 
aus fotriebenem K ınfer. Im großen nördl. Giebelfeld: *Triumph- 
zug Cs Bacchus mit der Ariadne; im südl.: “rnheus, die Eurydice 
aus der Unterwelt holend, von Tieck, wohl die bedeutendsten Werke 
des Meisters. Das elektrisch erleuchtete Inrere des Gebäudes ent- 
hält außer dem 1heaterraum, welcher 1120 Personen Platz bietet, 
einen großen *Xonzertsaal; der in edler Architektur durchgebil- 
dete, durch (Verke der Malerei und Plastik reich geschmückte 
Saal, wohl (er schönste von Schinkel geschaffene Innenraum, ist 
vor einigen‘Jahren restauriert worden. Die Fassaden des Baues, 
früher z. T. nur verputzt, sind jetzt in echtem Werksteinmaterial 
verblendet worden, 
Vor der Freitreppe des Schauspielhauses das am 10. Nov. 1871 
enthüllte £shiller 0enkmal, 6m h., ganz aus karrarischem Mar- 
mor, von Feinhold Begas; die Figar des Dichters, %,gm h., steht 
auf einem als Brunnen gedachten Socke!, dessen Ecken allerorische 
*Gestalten der Iyrischen und der dramatischen Dichtkunst, der Ge- 
schichtschroibur% und der Philoscnhie ur =sben. 
Von den beiden Kirchen, ist (nördl.) uie Französische Kirche, 
in der noch alle Sonntag einmal abwechselnd Vor- und Nachmittag 
französisch genredigt wird, 1701-17C5, (südl.) die Neue Kirche 
oder der Deutsche Dom 1701—1708 erbaut worder ; erstere zeigt, 
obwohl 1883 z. V. erneuert, noch ihre alte ärmliche Form, letz- 
tere, interessant durch ihren fünfeckigen Grundriß, ist 1881-82 
durch v. d. Hude in stattlicher Weise umgebaut worden. Die bei-
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.