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Abteilung 3. Kunst- und Kultur-Geschichte

Full text: Illustrirter Verlags-Katalog J. A. Stargardt, Berlin SW, Dessauer Strasse 2 (Public Domain)

J]. A. STARGARDT, Verlagsbuchhandlung, BERLIN S.W., Dessauer Strasse 2. 
3. Das Bergregal in den Fürstentümern Münster- VI. Das Bergregal in der Herrschaft Beuthen O./S. -- 
berg-Oels. 4. Das Bergregal in den Fürsten- a) Der Kaufbrief von 1629. -- b) Die Erhebung 
tümern Liegnitz-Brieg. 5. Das Bergbaupatent der Herrschaft Beuthen zur freien Standes- 
von 1606. herrschaft, 1697. 
Schlesische Zeitung : Selbe ganz ausdrücklich und unzweideutig bezeichnet ist. 
Die Entwickelung des Bergregals in Schlesien. Wenn ein altes Fürstentum oder eine von diesem abgetrennte 
Die Frage nach Ursprung und Entwickelung des Bergregals, Herrschaft „mit allem fürstlichen Rechte“ oder „mit allen 
das heisst: des ausschliesslichen Rechtes zum Bergwerks- Nutzungen über oder unter der Erde“ verliehen wird, So 
betriebe, hat für unsere mit Bodenschätzen 80 reich gesegneten erhält der Empfänger damit nur Eigentumsrechte, nur grund- 
Heimatsprovinz nicht nur ein rein wisSenschaftliches, Sondern herrliche Befugnisse, aber kein oberlandesherrliches Hoheits- 
ein eminent praktisches Interesse. Je mehr der schlesiscche recht, kein Regal. Wo unter den Zugehörungen des ver- 
Bergbau während des letzten Jahrhunderts erblühte, um s0 liehenen Landesteils „Bergwerke“ erwähnt werden, bedeutet 
häufiger entstanden Streitigkeiten des Fiskus mit einzelnen das für den Empfänger nur das Recht zum Betriebe dieses 
Grundbesitzern und Unternehmern oder auch einzelner Privat- oder jenes bestimmten Bergwerkes, unter Vorbehalt der 
personen unter einander, in denen die Fragen, wer ursprüng- Abgaben an den König, aber nicht eine ausschliessliche 
lich das Bergregal besass und in welcher Form es rechts- Befugnis zum Bergwerksbetriebe. 
gültig weiter vergeben werden konnte, immer von neuem Diese, der Auffassung Steinbecks gerade entgegen- 
richterlicher Entscheidung ünterworfen wurden. Erst in gesetzten Grundsätze Sucht der Verfasser zu erweisen durch 
jüngster Vergangenheit ist durch den kürzlich von dem genaue Prüfung der von den Königen Wladislaw und Ludwig 
Breslauer Oberlandesgericht entschiedenen Prozess des über die damaligen Fürstentümer und besonders auch über 
Fiskus gegen die Grafen Henckel die Frage des Bergregals die damals entstehenden freien Standesherrschaften aus- 
von neuem aufgeworfen worden. Die wisgenschaftliche gestellten Lehns- und Besitzurkunden. Die Untersuchung 
Grundlage, auf der die Rechtsprechung in den letzten Jahr- betrifft namentlich die Fürstentümer Liegnitz, Oels, Teschen 
zehnten meisst gefusst hat, war die 1857 erschienene und Jägerndorf, Sowie die Herrschaften Pless, Militsch- 
„Geschichte des SchlesiSchen Bergbaues* von dem Geh. Trachenberg, Loslau, Leobschütz und "Freudenthal. Ihr 
Bergrat Aemil Steinbeck. Die Auffassung Steinbecks von Ergebnis ist, dass höchstens bei Liegnitz, keinesfalls jedoch 
dem Bergregal in Schlesien ist kurz folgende: Die alten bei den übrigen Landesteilen von einer ausdrücklichen und 
SchlesisSchen Landesfürsten aus piastisScchem Stamme waren unzweifelhaften Verleihung des Bergregals die Rede Sein 
Souverän; Sie besassen volle Landeshoheit und alle dazu Kann. Uebrigens Stützt Sich das jetzt in Kraft Stehende 
gehörigen Regalien, also auch das Bergregal. Dass Sie in Bergregal des Fürstentums Pless auf einen Rezess, den 
der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts ihre Lande von der König Friedrich Wilhelm III. im Jahre 1824 mit dem Inhaber 
Krone Böhmen zu Lehen nahmen, hat hieran nichts ge- der damaligen Standesherrschaft Pless abschloss. Das Berg- 
ändert. Als Sie mit der Zeit durch Erbteilungen und Ver- regal der Herrschaft Myslowitz-Kattowitz haben deren In- 
käufe ihrer Lande immer mehr zersplitterten, ging auf alle haber durch wiederholte richterliche Erkenntnisse in den 
diese Landesteile auch das Bergregal über. Der Besitz vierziger und fünfziger Jahren dieses Jahrhunderts gegen 
desselben Spricht Sich in den Lehns- und Besitzurkunden den Fiskus erstritten. Zu weiterer Ausgestaltung gelangt 
darin aus, dass die betreffenden Landesteile „cum omni das oberlandesherrliche Bergregal Seit 1525 unter den 
jure ducali“ abgetreten, dass ihren Inhabern alle „Nutzungen babsburgischen Königen Ferdinand I. und Seinen Nach- 
über und unter der Erde“ oder gar ausdrücklich „Bergwerke“ folgern. Auch für diese Periode findet Wutke in den Ur- 
mitverliehen werden. Die Könige von Böhmen haben die kunden über Pless, Wartenberg, Jägerndorf, Oppeln-Ratibor 
Regalien der piastischen Landesfürsten und ihrer Rechts- und Beuthen O./S. keine Beweise für die Veräusserung des 
nachfolger im wesentlichen unberührt gelassen. Bergregals durch die Krone. Schon vor dem dreissigjährigen 
Diese Auffassungen Steinbecks erfahren nunmehr ener- Kriege, der auf anderen Gebieten die alten Gerechtsame 
gische Bekämpfung in den Soeben erschienenen „Studien überdie der Schlesischen Stände zugunsten der Krone endgültig 
Entwickelung des Bergregals in Schlesien“ von dem hiesigen beseitigte, ist die Entwickelung des Bergregals zu ihrem 
königlichen Archivar Dr. Konrad Wutke. Steinbecks ganze Ziele gelangt: Quelle aller Bergwerksgerechtigkeiten ist 
Beweisführung, meint der Verfasser, kranke vor allem daran, die Krone; die Unterthanen haben nur Soviel Recht, als 
dass derselbe das Flement der geschichtlichen Entwickelung, Sie durch ausdrückliche königliche Begnadigung zu erweisen 
welche die thatsächlichen Verhältnisse, wie die rechtlichen vermögen. 
Begriffe bezüglich des Bergregals im Laufe der Jahrhunderte Dass Seine hier kurz Skizzierte AuffassSung den Be- 
durchgemacht haben, 80 gut wie gar nicht berücksichtige. hauptungen Steinbecks 80 Schnurstracks zuwiderläuft, führt 
Der Ausdruck „mit allem fürstlichen Rechte“, auf dem Wutke ausser auf den obenerwähnten methodischen Grund- 
Steinbeck geine Theorie vom Bergregal vornehmlich aufbaut, fehler auf mancherlei einzelne Irrtümer Seines Vorgängers 
verliert, nach Wutke, Sehr bald die alte weitgehende Be- zurück: Steinbeck verwechselt fortwährend den Begriff der 
deutung. Seit dem Ende des Mittelalters kann aus dieser Bergbaufreiheit mit dem des Bergregals; er lässt bei An- 
Formel in keinem Falle der Besitz von Souveränetätsrechten führung der goldenen Bulle den entscheidenden, Schlesien 
und Regalien abgeleitet werden. Schon die „Goldene Bulle“ betreffenden Passus fort; er verkennt das Staatsrechtliche 
erteilte im Jahre 1356 dem böhmischen Könige das un- Verhältnis Schlesiens zur Krone Böhmen; er verwechselt 
beschränkte Bergregal für das Königreich Böhmen und die die „oberherzogliche“ Gewalt mit der herzoglichen; er lässt 
ihm einverleibten Lande, also auch für Schleien. Damit die „Rudolfinsche Bergordnung“ von 1577 nur für die Erb- 
trat dem herzoglichen Rechte, zunächst nur in der Theorie, fürstentümer „unmittelbare Geltung“ haben; . er hält endlich 
Seit dem Ende des Mittelalters auch in der Praxis, ein ober- den Vorbehalt der Regalien in den königlichen Lehnsbriefen 
berzogliches Recht gegenüber, vor dem das Bergregal der nur für „Kanzleifloskeln“, während er in den formelhaften 
alten Landesfürsten je länger je mehr kraftlos werden Ausdruck „Nutzungen über und unter der Erde“ einen voll- 
musste. Am Ausgange des 15. und im Anfange des 16. Jahr- gültigen Inhalt: die Verleihung des Bergregals hineinlegt. 
hunderts erblickt Wutke in Schleien den Anspruch der Nach alledem gelangt der Verfasser zu der Ueberzeugung, 
Krone auf das Bergregal bereits als völlig ausgebildet. Man dass die Darstellung Steinbecks den Einfluss, den Sie früher 
darf in den Urkunden jener Zeit nur dann von einer Be- auf die Wissenschaft, wie auf die Rechtsprechung ausgeübt 
Stätigung oder Verleihung des Bergregals reden, wenn das- hat, nicht verdiene. 
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