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Abteilung 1. Joseph Sattler

Full text: Illustrirter Verlags-Katalog J. A. Stargardt, Berlin SW, Dessauer Strasse 2 (Public Domain)

I A. STARGARDT, Verlagsbuchhandlung, "BERLIN SW. Dessauer Strasse 2. 
durch eine riesige Last von im treuen Gedächtnis auf- und rein persönliche wird nur den engeren, aber keineswegs 
gespeicherten Reminiscenzen von Eindrücken, die es von mehr engen Kreis von Sattlers Freunden interessieren ; 
den Schöpfungen besonders alter Meister empfangen und weitaus das Meiste Sind höchst reizvolle, in ihrer Art 
in Sich aufgenommen hat. Aber man gewinnt doch auch meisterhafte Schöpfungen. Die ex-libris-Zeichen Sind wie 
zugleich die tröstliche Ueberzeugung, dass die ungewöhnliche dazu bestimmt, in dem engen Raume die seinste Blume 
Kraft dieses Talents Sich als genügend stark und gesund von Sattlers Talent zu fassen. An der Spitze steht ein 
erweisen wird, um all diese massenhaften fremden Elemente -- übrigens nicht endgiltiger -- Entwurf für die Bücher 
zu bewältigen und“ aus ihnen gleichszam einen geistigen der deutschen Kaiserin, es folgen Staatsmänner, Schrift- 
Nahrungssaft zu Saugen, der die normale Entwicklung der Steller, Gelehrte; manches Mal klingt das Bild an den 
ganzen merkwürdigen Eigenart dieser. hochbedeutenden Namen an, dann wieder an den Beruf, an eine Liebhaberei, 
künstlerischen Persönlichkeit fördern hilft. an das Bücherwesen Selbst, aber jedes ist frisch und eigen- 
| artig. Sattler hat viel von der alten derben Art des 
Geheimer Regierungsrat Prof. Dr. LesSing in der National- Jgautschen Holzschnittes der Reformationszeit gelernt, aber 
zeitung: wer ihn darin befangen glaubt, der Sehe Seine hochgradig 
Eine der merkwürdigsten Erscheinungen auf dem modernen Tischkarten an, oder die Zierleisten zum Pan. 
Gebiete der vervielsältigenden Künste ist Joseph Sattler. Ein Den Exlibris nahe steht das Schaffen charakteristischer 
junger Mensch taucht vor wenigen Jahren an einem ent- Titelblätter, .das zur höchsten Meisterschast ausgebildet ist; 
legenen Vorposten deutscher Kunst, im Elsass, auf; was er die Blätter zu dem Hans von Schweinichen, zu den Not- 
bringt, Sind zunächst einzelne lose Blätter, die er Selbst münzen, zu Sarres Goldschmiedezunft, zu Seemanns Kunst- 
nur als Bilderbogen bezeichnet, denn die kleinen Vignetten, zeitschrift etc. etc. Sind jedes völlig eigenartig im Geiste 
die man als Besitzzeichen in Seine Bücher klebt und ex-libris des Buches. Unter den Zierleisten begegnen wir manchem 
zu nennen pflegt, und diese Handvoll einfächer Holzschnitte Bekannten, 80 den Kköstlichen Streifen, unter denen die 
genügt, um den bescheidenen und zurückhaltenden Mann Münchener Fliegenden Blätter ihre „Gedankensplitter und 
zu einem berühmten Künstler zu machen. Seitdem ist die Spähne“ bringen; hier im „Durcheinander“ entfaltet Sich in 
Fruchtbarkeit Sattlers, der in München, zeitweilig auch in der doppelten Grösse der ursprünglichen Entwürfe der volle 
Berlin gelebt hat, eine ganz 'staunenswerte; dem Werke SsSprudelnde Reichtum der Einfälle, das- Motiv der Spähne 
„Deutsche Kleinkunst in 42 Bücherzeichen“, das auch an Scheint Schier unerschöpflich. 
dieser Stelle besprochen wurde, folgten die Bilder aus dem Auch der deutsche Kunstverein, die Elsässer Bilder- 
Bauernkriege in 30 Blatt, die Wiedertäufer mit 30 Blatt, bogen, die französische Literaturzeitung „Le Mercure“ 
der moderne Totentanz, Meine Harmonie, der Internationale haben tüchtig beigetragen. Ferner haben hier die Entwürfe 
Kunstkrieg, daneben aber noch eine schier unübersehbare zu dem nicht vollendeten Cyklus „Mein Häuserl“ Platz 
Fülle von einzelnen Blättern für Zeitschriften, Kunstsammler, gefunden. Die Vignetten zur Menzelfeier bilden einen 
für Kunstgeschäfte und -Werkstätten, für Bücherfreunde, reizenden Abschluss dieses Heftes, das eben nur als Sammel- 
für festliche Gelegenheiten u. s. w. So vieles ist entstanden, mappe anzugehen, aber als Solche eine höchst willkommene 
dass Sein Verlagshaus (J. A. Stargardt) es unternehmen Gabe ist. 
konnte, eine Art Sammelmappe anzulegen, die ohne irgend- 
welche direkte Arbeiten, ja -- wie das Vorwort es angiebt PSBerliner Neueste Nachrichten : 
- ohne irgendwelche Mitwirkung des Künstlers auf 105 Ein neues Werk von Joseph Sattler bringen uns diese 
Seiten mehr als 160 derartiger Zeichungen bringt, die zum Tage, einen ansehnlichen Quartband, der den Titel „Durch- 
weitaus grössesten Teil aut Bestellung entstanden und voll- einander“ führt und .den Künstler auf jedem Gebiet und 
Ständig ausgeführt Sind. Das Heft ist unter dem Titel von jeder Seite Seines Schaffens kennen und Schätzen lehrt. 
„Durcheinander“ erschienen und gewährt ein künstleriScches Was bisher von ihm veröffentlicht wurde, die „Deutsche 
Vergnügen, das in mancher Beziehung behaglicher ist, als Kleinkunst in Bücherzeichen“, die „Bilder aus dem Bauern- 
das Studium der Sattlerschen Publikationen, die mit dem kriege“, der „Moderne Totentanz“, die „Wiedertäufer“, 
Anspruche auftreten, ein geschlossenes Ganze zu bieten. der humoristische „Internationale Kunstkrieg“ und die 
In diesen grösseren Werken wird das Wunderliche und Blätter, die er „Meine Harmonie“ benannte, waren in Sich 
Sprunghaste der Erfindung gelegentlich unbehaglich. Nie- geschlossene, nach Inhalt und Stimmung einheitliche Folgen; 
mand wird die Wiedertäufer aus der Hand legen, ohne das jetzt Sich darbietende Buch vereinigt dagegen die ver- 
grosse und packende Eindrücke empfangen zu haben. Das Sschiedensten Dinge, die der Phantasie Sattlers entsprungen 
Wildgroteske jener tollen Episode der Reformationszeit sind, zu 'einem bunten, reizvollen Allerlei, das von Seite zu 
kommt voll zur Geltung, daneben auch der mystische, Seite wechselnde Eindrücke hervorruft, in Seiner Gesamt- 
grauenhafte und grausame Zug. Aber oft wird es uns heit aber zugleich auch ein Gesamtbild des Künstlers dar- 
Schwer, dem Künstler zu folgen. Wunderliche Bezüge und Stellt, der trotz aller Anklänge an die Weise der alten 
Symbolische Andeutungen, in denen das Sechzehnte Jahr- deutschen Renaissancemeister doch eine durchaus eigenartige 
hundert Sich gefiel, haben sich in die Seele des Künstlers, und durchaus moderne Persönlichkeit ist. Eine Reihe neuer 
der die alten Chroniken fleissig studiert hat, 80 tief eingenistet, Bücherzeichen, an deren Spitze das für die Bibliothek der 
dass Sie ihm als etwas Verständliches und Ausdrucksvolles Kaiserin ausgeführte steht, eröffnet den Band. Dann folgen 
erscheinen, während Sie dem Beschauer doch nur auf Grund Titel- und Widmungsblätter verschiedenster Art, Um- 
kulturhistorischer Kenntnisse erklärbar, aber darum noch rahmungen, Zierleisten und Vignetten, Tisch- und Geschäfts- 
nicht anschaulich werden. karten, Warenmarken und Signete und ähnliche Kom- 
Bei einer Vignette, einem Bücherzeichen ist der Leser positionen zeichnerischer Kleinkunst. Daran reiht Sich aus 
bereit, nach den geistreichen Anspielungen zu Suchen und früheren, heute bereits vergriffenen Werken eine Auswahl 
Sich der gewonnenen Lösung zu freuen, und 80 wird das bezeichnender Blätter, von denen nur die köstliche „Madonna 
neue Sammelwerk des „Durcheinander“ Sicherlich als eine mit den Hobelspänen“ hervorgehoben Sei. Weiter findet 
wahrhaft köstliche Gabe begrüsst werden. Die Blätter man in gleicher Reproduktion Proben ' aus dem liebens- 
desselben Sind keineswegs gleichwertig, manches unfertige würdigen, bisher unvollendet gebliebenen Cyvklus „Mein 
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